Wernberg-Köblitz
31.08.2018 - 15:53 Uhr

Aus Beton: Kinderstube für Gelbbauchunken

Zeno Bäumler liebt die Natur. Und er hilft ihr, indem er Lebensräume für bedrohte Tiere schafft. Beispielsweise für die Gelbbauchunke. Beton und Bestandssicherung sind hier kein Gegensatz.

Sehe ich nicht toll aus? Für einige Sekunden zeigt die Gelbbauchunke ihren gelb-schwarz gemusterten Bauch. Bild: cv
Sehe ich nicht toll aus? Für einige Sekunden zeigt die Gelbbauchunke ihren gelb-schwarz gemusterten Bauch.

Zeno Bäumler legt eine 25 Jahre alte Kartierung auf den Tisch: Da gab es im Pfreimder Industriegebiet, am Autobahnkreuz "Oberpfälzer Wald", in Friedersdorf und Kettnitzmühle sowie im Döllnitzer Steinbruch Gelbbauchunken. "Die Vorkommen sind erloschen", bedauert der Wernberg-Köblitzer. Ihnen fehlt zunehmend die Möglichkeit, sich zu vermehren. Flüsse sind ungeeignet, da werden die Kaulquappen von den Fischen gefressen. Unken lieben Kleingewässer, Tümpel, die durch tiefe Fahrspuren entstehen. "Doch die sind selten geworden, die Wege sind zu gut ausgebaut", erläutert Zeno Bäumler. "Es gibt keine Pfützen mehr".

Wie kann geholfen werden? Es ist fast unmöglich, Wasser künstlich zu halten, bis sich Kaulquappen entwickeln. Doch Zeno Bäumler, Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz, ist ein Praktiker: Warum nicht die Pfützen durch Betonbecken nachempfinden? Bäumler hatte im Jahr 2013 in einem Wiesengrundstück am Köblitzgraben, etwa 200 Meter östlich von Oberköblitz, zwölf Unken entdeckt, die die tiefen Fahrspuren am Südrand einer Wiese als Laichgewässer nutzten. Aber das Grundstück wird auch landwirtschaftlich genutzt. Man musste damit rechnen, dass die Fahrspuren nicht von Dauer sein werden. Das Areal wurde noch durch den angrenzenden Mischwald aufgewertet, der einen guten Lebensraum für die Gelbbauchunke darstellt: Sie muss keine weitere Wanderungen zum Laichgewässer unternehmen.

Doch wenn die Spuren austrocknen oder eingeebnet werden, gibt es keine Kinderstube. für ""Bombina variegata", die sich in einer Liste unter 40 gefährdete Tier- und Pflanzenarten einreiht, deren Erhalt in Projekten durch das Bundesumweltministerium gefördert wird. Die Unke stand kurz vor dem Aussterben. Zeno Bäumler hatte eine Idee: Er gestaltete eine Form, goss Betonbecken - einen Meter lang, 60 Zentimeter breit, 25 Zentimeter tief und erdfarben getönt, mit sieben Zentimeter dicken Wänden. Die 130 Kilo schweren Becken haben eine geschwungene Form, damit die Unken Flachwasserzonen erreichen. An einer Seite ist ein Unterschlupf integriert, um zusätzlich ein Versteck zu bieten. Auf dem Beckengrund ist eine schlammige Bodenschicht eingebracht, in der sich die Unken ihrem Instinkt entsprechend vergraben können. Die Becken sind mit 250 Liter Wasser gefüllt.

Mit dem Frontlader wurden zwei Becken zu Testzwecken an den Köblitzgraben gebracht und eingesetzt. Zeno Bäumler hatte den Naturpark Oberpfälzer Wald und die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt an seiner Seite. Der Test war ein Erfolg. Inzwischen sind sieben Becken an besonnter Stelle im Abstand von einem Meter "bewohnt". Auf einer Seite bietet ein Grasüberhang noch eine Rückzugsmöglichkeit. Wo die Unken vor dem "Erlöschen" standen, tummeln sich jetzt pro Becken rund 100 Hüpferlinge. "Die Population ist gesichert", freut sich Bäumler. Er ist froh, dass der Landwirt, der die Wiese bewirtschaftet, und die "Staatsforsten" ihn unterstützen. Zeno Bäumler sieht regelmäßig nach dem Rechten. "Das macht ja auch Freude". Das Projekt ist in einem Fachmagazin publiziert. Bäumler stellte Norddeutschen Naturschützern seine Form für ihr Unkenprojekt zur Verfügung. Interessenten meldeten sich aus Passau, aus dem Chiemgau, aus Baden-Württemberg. Inzwischen wird das Becken in ähnlicher Form auch von einem kommerziellen Anbieter vermarktet. "Ziel ist für mich die Populationsdichte und die weitere Ausbreitung", so Zeno Bäumler. Wenn die Unken der Beton-Kinderstube entwachsen sind, haben sie an Land keine Fressfeinde mehr, dann sind sie sicher. Einige Sekunden lässt sich eine Gelbbauchunke von Bäumler auf den Rücken legen und zeigt ihre faszinierende Bauchfärbung - fast, als ob sie wüsste, dass es der Naturschützer gut mit ihr meint. "Das sollte man nicht nachmachen", rät er. Die Berührung ist nicht gefährlich, "doch die Gelbbauchunke kann die Schleimhäute unangenehm reizen. Das nennt man dann Unkenschnupfen".

In die Becken ist ein Unterschlupf integriert, um den Amphibien ein Versteck zu bieten. Bild: Völkl
In die Becken ist ein Unterschlupf integriert, um den Amphibien ein Versteck zu bieten.
So unscheinbar sehen Gelbbauchunken von oben betrachtet aus. Bild: Völkl
So unscheinbar sehen Gelbbauchunken von oben betrachtet aus.
Zeno Bäumler hat am Köblitzgraben Laichmöglichkeiten für Gelbbauchunken geschaffen. Bild: Völkl
Zeno Bäumler hat am Köblitzgraben Laichmöglichkeiten für Gelbbauchunken geschaffen.
Die von Zeno Bäumler entwickelte Beckenform bewährt sich. Bild: Völkl
Die von Zeno Bäumler entwickelte Beckenform bewährt sich.
Hintergrund:

Der "grüne Engel" für Zeno Bäumler

Wernberg-Köblitz.(cv) Zeno Bäumler erhielt für seinen Einsatz um den Naturschutz die Auszeichnung "Grüner Engel" des Freistaates Bayern. Die Ehrung gibt es für vorbildliche Leistungen und langjähriges, nachhaltiges ehrenamtliches Engagement im Umweltbereich. Bei der Kommune stößt Zeno Bäumler mit seinen Aktionen - er baut Nistkästen für Dohlen, Turmfalken und Mauersegler, errichtet Uferschwalbenwände - auf offene Ohren. Bäumler erhielt den Ehrenteller der Marktgemeinde.

 
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