11.11.2019 - 16:33 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Ein bewegtes Leben in der Ferne

Franz Neblich stellt sein Buch „Mein bewegtes Leben“ vor und erzählt aus seiner Kindheit, von seinem Beruf als Fachlehrer und seiner Tätigkeit als Entwicklungshelfer in Pakistan und Afrika.

Franz Neblich gibt in seinem Buch einen Einblick in sein Leben, das ihn beruflich in viele verschiedene Länder geführt hat.
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil

Die Wände beidseits der großen Kaffeeröstmaschine in Leo Bäumlers Kaffeerösterei in Oberköblitz zieren interessante Portraits und Landschaftsaufnahmen des 81-jährigen Referenten und Hobbyfotografen Franz Neblich aus seiner Zeit als Entwicklungshelfer in Pakistan und Afrika. Davor, auf Tischen ausgebreitet, stimmen Gebrauchsgegenstände aus diesen Ländern die Besucher bei aromatischem Kaffeeduft auf den Abend des Kulturforums im benachbarten Gewölbe ein. Die 70 Sitzplätze füllen sich rasch und einige Besucher hören vom Nachbarraum aus zu.

Die Idee für sein Buch "Mein bewegtes Leben" stamme von Bekannten aus Pfreimd, die ihn drängten "schreib doch mal alles auf", erzählt Franz Neblich. Immer wieder untermalt von passender Musik berichtet er zunächst von seiner glücklichen Kindheit in der Kriegs- und Nachkriegszeit in Wernberg als ältestes von neun Kindern, sieben Buben und zwei Mädchen. Bruder Robert sagte, wenn er gefragt wurde: "Wir sind sieben Buben und jeder hat zwei Schwestern". Neblich gibt viele lustige Anekdoten alter Wernberger Originale und Kinderstreiche seiner Brüder zum Besten, die die Besucher zum Schmunzeln bringen.

Darunter aber auch ernste Geschichten, wie etwa sein Vater gerade noch verhindern konnte, dass er eine gefundene Handgranate mit dem Hammer zerlegte, oder als sein kleinerer Bruder beinahe die Holzbaracke samt ungeliebtem Lehrer angezündet hätte. Franz Neblich war froh, als er das ungeliebte Internat in Metten - er hätte Pfarrer werden sollen - wieder verlassen konnte und später beim Vater Elektriker lernen durfte. Nach der Meisterprüfung unterrichtete er schließlich einen Wochentag in der Berufsschule Nabburg, bevor er endgültig Fachlehrer für Elektrotechnik wurde. Nach einigen Jahren zog es ihn dann in die Ferne zum Entwicklungsdienst.

So kam er 1972 nach einem knappen Jahr Sprachausbildung im Rahmen eines Großprojekts von Misereor in die feucht-heiße riesige Hafenstadt Karatschi in Pakistan. Dort arbeitete er als Elektro-Abteilungsleiter in der "St. Patrick's Technical School", in der Schulversager die Möglichkeit hatten, eine Handwerksausbildung zu machen. Neben der Unterweisung der Schüler wurden hier auch angehende Lehrer ausgebildet. Nach drei Jahren, in denen es ein einziges Mal regnete, führte die siebenwöchige Heimreise ihn über Kaschmir, Dehli, Kalkutta, Sri Lanka, Singapur, Bangkok, Hongkong und Taiwan zurück nach Hause und er trat in Memmingen wieder in den Schuldienst ein.

Nach wenigen Jahren kam er dann wieder als Entwicklungshelfer in das schöne afrikanische Land Kenia, wo die Schüler mit weniger höflichen Umgangsformen eine ganz andere Mentalität zeigten als in Pakistan. Nach drei Jahren mit vielen interessanten Erlebnissen ging es wieder nach Hause. Diese Mal verschlug es ihn nach Immenstadt, wo er nicht sehr glücklich war.

Seine letzte große Station als Entwicklungshelfer war Botswana, wo er sechs Jahre blieb, davon zwei als Schulleiter. Nach sieben Jahren Schuldienst in Straubing wurde Neblich mit 63 Jahren pensioniert. Seitdem war er als "Aktiv-Senior" 15 Mal in kurzen Auslandseinsätzen, zuletzt im Mai und Juni in Uganda, wo er Elektroräume an Schulen einrichtete und Lehrer "trainierte".

An den Wänden der Kaffeerösterei hingen viele interessante Portrait- und Landschaftsfotos, die Neblich in seiner Zeit als Entwicklungshelfer angefertigt hat.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.