Dass es anstrengend werden könnte, hatten sich Schulze und sein Kollege Volker Ludwig schon gedacht. Die beiden Sachsen sind derzeit unterwegs im Namen ihres Unternehmens, der DB Netz AG. Noch bevor die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof–Regensburg kommt, wollen sie Hindernisse aus dem Weg räumen. Im Fall Wernberg-Köblitz ist das der eiserne Steg für Fußgänger, der beim Bahnhof über die Gleise führt. Er ist 117 Jahre alt – und zu niedrig.
Rolf Schulze war im November vergangenen Jahres auch schon Gast bei einer Sitzung des Pfreimder Stadtrats, ein Monat vorher beim Stadtrat von Nabburg. Dort gibt es keine Übergänge, aber andere Problemstellen, die die Bahn zusammen mit den Kommunen entschärfen möchte. Weil das Geld kostet, und in dem einem oder anderen Fall nicht wenig, zeigten sich gerade in Pfreimd die Räte recht ungnädig. Von „Verschwendung von Steuergeldern“ und „Schwachsinn“ war in der Nachbarkommune die Rede. Recht viel zurückhaltender argumentierten einige Markträte in Wernberg-Köblitz auch nicht. Marianne Schieder (SPD) redete sich in Rage und drohte gar mit einer Klage. Schulze blieb ruhig. Doch worum ging es überhaupt?
Die DB Netz AG war an Bürgermeister Konrad Kiener herangetreten, weil der eiserne Fußgängerüberweg beim Bahnhof mit 4,80 Meter lichter Höhe zu niedrig für die elektrifizierten Züge sein wird, die einmal mit ihrer Fracht aus dem Hafen Hamburg das bayerische „Chemie-Dreieck“ bei Burghausen beliefern sollen. Der Überweg müsste mindestens 6,20 Meter lichte Höhe haben, mithin um knapp eineinhalb Meter aufgestockt werden. Dazu kommt, dass das Gleis direkt am Bahnhofsgebäude künftig nicht mehr für Personenzüge zu nutzen ist, sondern in ein Überholgleis umgewandelt wird. Will heißen, dass die Passagiere der Personenzüge die Gleise zwei und drei nutzen müssen. Wie kommen sie von dort aber zum Bahnhofsgebäude, wenn sie nicht quer über das Gleis 1 gehen wollen?
Bei den Überlegungen kam auch das Thema „Barrierefreiheit“ ins Spiel. In ersten Gesprächen zwischen Rathaus und den Gleisbetreibern wurde die Idee entwickelt, den Steg zu erhöhen und zwischen Gleis 2 und 3 für die Passagiere einen Aufzug einzubauen. An den beiden Enden des Stegs (bei Bahnhof und Rathaus) könnte man wieder jeweils einen Aufzug bauen. So weit, so gut. Rebellisch wurden einige Markträte, als die Kosten auf den Tisch kamen. Die sind nämlich mit zwei Millionen Euro recht happig – vor allem, weil der Markt mit 500 000 Euro zur Kasse gebeten würde und außerdem den Unterhalt der Lifte zu bestreiten hätte. Was pro Jahr mit weiteren 40 000 Euro zu Buche schlagen würde.
Vitus Bauer (Wählergemeinschaft Neunaigen) war für einen kurzen Prozess: „Machen wir doch den Steg weg. Dann kann die Bahn zusehen, wie sie die Leute zu den Gleisen bringt.“ Maria Schlögl (Freie Wähler) brachte den Gedanken ins Spiel, die Zusteigemöglichkeiten weiter in Richtung B 14 zu verlegen. „Wir können auch einen Fußgängertunnel bauen, wenn der Steg weggerissen wird“, merkte Schulze an. Aber auch bei einem Abriss wäre der Markt mit rund 50 000 Euro im Boot. „Ich habe keine noch keine Variante gesehen, die sie allein bezahlen“, regte sich Marianne Schieder auf.
„Wir als Bahn haben die Gesetze nicht erlassen“, so Schulzes Versuch, die Wogen zu glätten: „ Wir führen sie nur aus“. Sein Wunsch lautete, noch in diesem Jahr eine Planungsvereinbarung mit der Kommune abzuschließen. Dazu müssen die Räte aber erst in die Klausur und gemeinsam überlegen, was sie eigentlich wollen: Steg ertüchtigen, Steg entfernen, Fußgängertunnel oder andere Zusteigestellen?














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