05.11.2019 - 13:05 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Gefühlvoller Klavierklang im Kaminsaal

Aglaya Zinchenko ist eine herausragende Konzertpianistin. Zum zweiten Mal Gast des Kulturforums, setzt die aus St. Petersburg stammende Preisträgerin des „Steinway-Wettbewerbs“ auf Burg Wernberg die Schubert-Reihe fort.

Aglaya Zinchenko versteht es, mit ihrem Instrument Klangmalerei zu erschaffen. Das Publikum dankt es mit viel Applaus.
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil

Leitmotiv des Programms im Kaminsaal war die "Variationsform", die sich in allen zu hörenden Werken von Schubert, Reger, Schuhmann und Glinka wiederfindet. Ein musikalisches Thema wird also melodisch, rhythmisch und dynamisch immer wieder verändert und umspielt. So stand der Abend musikalisch ganz im Zeichen der romantischen Epoche.

Mit leiser Stimme

Wegen einer Stimmbandentzündung erklärte Aglaya Zichenko vor jedem Stück mit nur leiser Stimme ihre Auffassung von dem Werk. Die "4 Impromptus op. 142" von Franz Schubert (1797-1828), von denen sie die ersten drei spielte, stellen lichten Welten unheimliche und abgründige gegenüber. Die Themen gehen durch schnelle Transformationen von Moll und Dur, von Schmerz zu Trost. Schubert schöpft in den Impromptus alle Ausdrucksmöglichkeiten aus und zeigt einen Spiegel menschlicher Größe und Würde. Das Publikum dankte Zinchenkos Interpretation mit lebhaftem Applaus.

Der Sonatine a-moll op. 89,4 von Max Reger (1873-1916) schickte nach der Pause die Pianistin ihr Bedauern voraus, dass das Werk des Weidener Komponisten trotz seiner unglaublichen Anzahl und seinem Ideal von absoluter Musik im Sinne von Bach, Beethoven und Brahms, trotz der Schönheit seiner Architektur, Form und kontrapunktischen Kunst kaum gespielt wird. In ihrer kraftvollen Interpretation wurde diese Architektur in ihrem großen Bogen für den Zuhörer unmittelbar erkennbar und verständlich. Die Sonatine vereinigt überbordenden Einfallsreichtum mit dem klaren Mozart´schen Formideal, das Reger am Schluss seines Schaffens anstrebte.

Kunstvoll figuriert

Clara Schumann (1819-1896) war die berühmteste Pianistin ihrer Zeit und Mutter von sieben Kindern. Sie konnte sich gegen Robert Schumanns Werk mit ihren eigenen Kompositionen aber kaum durchsetzen. Die "Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 20" beginnen akkordisch ernst und ziemlich langsam. Clara Schumann hat sie kunst- und ausdrucksvoll figuriert und großartig gesteigert und führt sie zu einem hohen, leuchtenden Ende von großer Schönheit.

Vor dem letzten Stück, den "Variationen C-Dur über ein Thema von Bellini" von Michail Glinka (1804-1896) bedankte sich Aglaya Zinchenko beim Publikum für dessen aufmerksame, konzentrierte Stille. Glinka war nach Tschaikowsky der Schöpfer des russischen Nationalstils. Die Variationen haben davon aber noch nichts an sich und erinnern mit ihrem tänzerischen Charakter und den perlenden Läufen stark an Frédéric Chopins Walzer.

Das Publikum dankte Aglaya Zinchenko mit lebhaftem, lange anhaltenden Applaus für den gelungenen Klavierabend im schönen Ambiente des Kaminsaals.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.