Leo Berberich sammelte mit Leidenschaft die Wernberger Ortsgeschichte. Vielleicht ist man als "Zuagroaster" neugieriger auf fremde Heimatgeschichte, nimmt vieles als nicht so selbstverständlich hin. Ein Faible für volksnahe Historie hatte der gebürtige Weidener schon, als er noch Schweißfachingenieur im Werkstättenaußendienst der Deutschen Bahn AG und später in der PFA-Startmannschaft war.
Doch damals wurde das Hobby aus Zeitgründen an den Rand gedrängt. Im Ruhestand suchte sich Berberich 1999 ein neues Betätigungsfeld. Der damalige Bürgermeister Georg Butz war froh, jemanden für die Betreuung des Marktarchivs gefunden zu haben. 2003 wurde er von der Marktgemeinde zum Ortsheimatpfleger ernannt. Heirat, Armenpflege, das Rechnungswesen der Kommune, Literatur über die Marktgemeinde - er begann zu sichten und systematisch zu ordnen.
Das Wissen blieb nicht im Archiv: Berberich machte in seiner unaufgeregten, verständlichen und verbindlichen Art Geschichte erlebbar. Seine Vorträge und Führungen, oft in Zusammenarbeit mit dem Kulturforum, lüfteten manch historisches "Geheimnis". Es entstand ein geschichtlicher Rundgang durch die Gemeinde, Berberich wirkte beim Radrundweg mit, engagierte sich für alten Erdkeller, in welchen die Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg bei Luftangriffen Zuflucht gefunden hatte. Der Heimatpfleger weitete den Blick für Altstraßen, recherchierte, was sich auf den alten Handelswegen so zugetragen hatte.
Er hinterfragte die Bedeutung von Marterln und wenn Jubiläen anstanden, war Leo Berberich immer eine gute Adresse, sei es bei "150 Jahre Eisenbahnlinie", beim Partnerschaftstreffen mit Bor und Wernberg in Kärnten, bei 725 Jahre Marktgemeinde oder 500 Jahre St.-Anna-Kirche. Ein großes Anliegen war ihm der Erhalt der in die historische Oberköblitzer Friedhofsmauer eingelassenen Grabdenkmäler und gerne engagierte er sich auch bei der Marktplatzumgestaltung. Die Kommune honorierte das Engagement des Heimatpflegers 2011 mit der Verdienstmedaille des Marktes.
2005 wurde Berberichs geschichtlicher Blickwinkel noch weiter: Er wurde zum Kreisheimatpfleger für den nördlichen Landkreis bestellt. In dieser Funktion nahm er zu Bebauungs- und Landschaftsplänen Stellung. Aus seiner Abneigung gegen austauschbare Toskana-Häuser machte er nie einen Hehl. Der Rat des Kreisheimatpflegers war auch bei Sanierungsobjekten gefragt.
Im Vorjahr zog sich Leo Berberich dann auf eigenen Wunsch aus diesem Amt zurück. Im Sommer dieses Jahres verlieh ihm Kultusminister Bernd Sibler die Bayerische Denkmalschutzmedaille "für das ehrenamtliche Engagement zum Erhalt von Baudenkmälern im Landkreis Schwandorf und die Stärkung des historischen Bewusstseins".
Leo Berberichs fundiertes Wissen, seine Art, Geschichte interessant und unterhaltsam zu machen, seine selbstverständliche Hilfe - das wird fehlen. Das Requiem für den Verstorbenen mit anschließender Urnenbeisetzung ist am Mittwoch, 2. Oktober, um 15 Uhr in der Pfarrkirche in Oberköblitz.













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