17.06.2019 - 16:50 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Gesunder Boden, gesundes Leben

Es sind bodenständige Vordenker, die neue Wege in der Landwirtschaft gehen: Die „Interessengemeinschaft gesunder Boden“ (IGGB) feiert ihr Sommerfest in Deindorf. Darin eingebunden ist das 20-jährige Jubiläum von „Agrarservice Hägler“.

Eine geaue Bodenanalyse erlaubt Rückschlüsse auf die Bodenstruktur.
von Richard BraunProfil

In der landwirtschaftlichen Praxis gibt es noch Dinge, die nicht so einfach zu erklären sind. Unbestritten ist jedoch, dass der Humus als Ausdruck von Bodenfruchtbarkeit immer mehr in das Bewusstsein der Ackerbauern rückt. Josef Hägler aus Deindorf bei Wernberg-Köblitz geht auf seinem Hof viele neue Wege, um den Humus-Anteil im Boden zu erhöhen. Mit seinen ungewöhnlichen Methoden hat er bisher große Erfolge erzielt. Das hat sich bei den Ackerbauern in ganz Deutschland herumgesprochen, die sich bei Josef Hägler guten Rat für ihren Ackerbau holen.

Fräse statt Pflug

Auf seinem 50 Hektar großen Bauernhof verzichtet er seit 2014 auf den Pflug. Statt dessen bearbeitet er den Boden mit Fräse und Grubber. Aus Holz, Gär-Substrat und Mist erzeugt er Kompost, der den Boden mit Nährstoffen anreichert und so für gesunde Pflanzen sorgt. Dieses Wissen und die Erfahrung von Josef Hägler hat jetzt rund 800 gleichgesinnte Landwirte aus ganz Deutschland und den angrenzenden Ländern nach Deindorf geführt. Gemeinsam feierten sie das zweite Sommerfest der "Interessengemeinschaft gesunder Boden" und konnten dabei viel Neues in Erfahrung bringen.

Josef Hägler ist nicht nur Bauer, sondern führt seit 20 Jahren erfolgreich den "Agrarservice Hägler". Dieses Unternehmen steht auf den drei Säulen Agrarhandel, Landwirtschaft und Lohnunternehmen. Zweiter Bürgermeister Alexander Werner würdigte das unternehmerische Engagement von Josef Hägler, das mittlerweile eine internationale Dimension erreicht hat. Auch Franz Rösl, Vorsitzender der IGGB würdigte die Leistungen Häglers und stellte dessen Können in den Vordergrund.

Das Sommerfest diente dem Veranstalter auch dazu, durch fachkundige Referenten neueste Erkenntnisse zu vermitteln und den Wissenshorizont zu erweitern. Mit seinem Vortrag zum Thema: "Wasser - ein Produkt des Bodens" ging Franz Ehrnsperger auf die Problematik Landwirtschaft und Grundwasser ein. Ehrnsperger ist Vorsitzender der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V. und war Chef der Lammsbräu Neumarkt.

Wasser schützen

Den Zusammenhang zwischen gesundem Wasser und gesundem Boden hob der Referent besonders heraus. Der Humus-Anteil spielt dabei eine herausragende Rolle. Humusreicher Boden kann in hohem Maße Wasser und Kohlendioxid speichern und freien Stickstoff binden. Dies führt dazu, dass weniger Nitrate ausgespült werden und ins Trinkwasser gelangen. Nur 2,6 Prozent des Wasservorkommens ist trinkbar, deshalb ist ein sorgsamer Umgang überlebensnotwendig. "Aufhören mit allen Methoden, die das Wasser gefährden", lautete die unmissverständliche Forderung des Experten.

Weniger Fleisch

Die Zukunft der Landwirtschaft aus der Sicht eines internationalen Landmaschinenherstellers nahm Michael Horsch unter die Lupe. Ernährung, Klima und Umwelt sind die Hauptthemen unserer Zeit. Besonders prangerte Horsch die Ernährungsgewohnheiten der letzten 50 Jahre an. Fleisch, Milch und Zucker sind die "Ernährungsfeinde" Nummer eins geworden und werden von einer mächtigen Industrie immer weiter beworben. Die Lösung für diese Problematik heißt für Michael Horsch Flexitarismus: "Weniger Fleisch, mehr Pflanzen basierte Nahrung". Auch im Klimaschutz liegt bei der Landwirtschaft ein riesiges Potenzial. Humus als Kohlendioxidspeicher kann künftig einen gigantischen Beitrag zur Reduzierung des CO2 in der Luft leisten. Auch der Landmaschinenhersteller plädiert für eine Reduktion der Bodenbearbeitung durch pflügen. In Zusammenarbeit mit Josef Hägler hat seine Firma eine Bio-Bodenfräse entwickelt, welche diese Vorgabe erfüllt.

Die gewonnenen Erkenntnisse konnten die Besucher des Sommerfestes im Anschluss im Feldversuch nachvollziehen. Auf fünf Stationen wurde ein Bodenprofil erstellt, eine Spatenanalyse durchgeführt, Pflanzen genau unter die Lupe genommen und deren Gesundheit festgestellt. Die gesamte Veranstaltung diente auch dazu "Unmögliches zu denken, um die Probleme der Zukunft zu meistern", wie es Michael Horsch formulierte.

Landmaschinenhersteller Michael Horsch fordert ein Umdenken in der Bodenbewirtschaftung.
Zweiter Bürgermeister Alexander Werner gratuliert Josef Hägler zum 20-jährigen Firmenjubiläum.

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