10.12.2018 - 10:27 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Hebel gegen Preiswillkür

Auf die Gestaltung des Milchpreises haben die Erzeuger wenig bis keinen Einfluss. Sie sind den Molkereien ausgeliefert. Dies will die Milcherzeugergemeinschaft Milch Board künftig ändern.

Mit einer EU-Novelle sollen die Milchpreise fairer gestaltet werden.
von Richard BraunProfil

In der MEG Milch Board haben sich Milchbauern zusammengeschlossen, die sich gegen die vorherrschende Preisbildung für Milch stemmen wollen. Nach ihren Feststellungen, die durch entsprechende Marktanalysen belegt sind, profitieren beim derzeitigen System nur die Molkereien. Der Milcherzeuger muss sich mit den „Krümeln“ abfinden. Zur Mitgliederversammlung, die im Gasthaus „Burkhard“ stattfand, trafen sich 35 Milcherzeuger aus der gesamten Oberpfalz, um sich mit dieser Situation auseinander zu setzen. MEG-Milch- Board-Vorsitzender Albert Pröpster und Geschäftsführer Dr. Philipp Groteloh erläuterten die bestehenden Situation und zeigten den Weg auf, wie sich der Markt künftig entwickeln muss, um auch den Milchbauern ein Einkommen zu ermöglichen, das mehr als die Selbstkosten deckt. Eine Aufgabe der Gemeinschaft ist es, sich gegenüber Behörden, sonstigen öffentlichen und privaten Organisationen und insbesondere gegenüber Milch und Milchprodukte verarbeiteten Unternehmen für die Erzeuger einzusetzen.

Der Staus quo baut auf die Andienungspflicht der gesamten in Deutschland erzeugten Milch. Der Milchbauer erfährt erst nach vier oder sechs Wochen, wie viel Geld er für sein Produkt bekommt. Ein solches Geschäftsgebaren gibt es nur in der Milchwirtschaft. Die Nettowertschöpfung je Kilogramm Milch weist zwischen den verschiedenen Molkereien bis das Siebzehnfache aus. Der Milchpreis orientiert sich aber an der schlechtesten Verwertung. Deshalb differiert der Milchpreis auch nur um das 1,3 fache. Das Marktrisiko wird dadurch alleine von den Milchbauern getragen.

Angesichts dieser Ausgangssituation erhofft sich die MEG Milch Board von der Politik ein entschlossenes Eingreifen. Der neu gestaltete Artikel 148 der gemeinsamen Marktorganisation in den EU-Mitgliedsstaaten bietet hierfür einen wirksamen Hebel, um die Milcherzeuger besser vor Preiswillkür und Mengendumping zu schützen. Die MEG Milch Board hat eine Roadmap entwickelt, wie ihre Bestrebungen auch umgesetzt werden können.

In dieser Roadmap wird die vertragsgebundene Milchvermarktung als das effizienteste Instrument für die Gestaltung der Beziehungen zwischen Milcherzeugern und Verarbeitungsunternehmen angesehen. Darin verbindlich enthalten sein müssen Laufzeit, Milchmenge, Qualität und Preis. Diese Milchkaufverträge bieten beiden Parteien ein hohes Maß an Planungssicherheit und müssen flächendeckend verpflichtend umgesetzt werden. „Diese Bündelung der Mengen gibt den Milcherzeugern ein viel wirksameres Instrument in die Hand“, ist Albert Pröbster überzeugt. „Schließlich stehen in Deutschland knapp 77000 Milchlieferanten rund 150 Milch verarbeitenden Unternehmen gegenüber“.

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