11.08.2019 - 14:57 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Hochwasserschutz ist eine Frage des Preises

Wernberg und Oberköblitz vor einem Jahrhunderthochwasser zu schützen erfordert einen massiven Eingriff in die Landschaft und das Ortsbild. Planer und Wasserwirtschaftsamt geben einen Zwischenbericht.

Oberköblitz kann von einem Deich entlang der Häuserzeile vor einem Jahrhunderthochwasser geschützt werden.
von Richard BraunProfil

Das Thema beschäftigt nicht nur den Marktrat, auch bei den Betroffenen ist das Interesse hoch angesiedelt. Rund 30 Bürger holten sich in der letzten Marktratssitzung Informationen aus erster Hand. Bereits 2008 befasste sich das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weiden mit einem Vorentwurf zum Hochwasserschutz an der Naab. Den Naabtalplan stellte die damalige Staatsministerin Ulrike Scharf den Kommunen vor.

Daraufhin entschloss sich der Marktrat, den Auftrag für die Vorplanung zu erteilen. Die ersten Zwischenergebnisse stellten nun Andreas Ettel vom WWA Weiden und Norbert Gollasch vom Ingenieurbüro Inros Lackner dem Gremium vor. Im Bereich Oberköblitz wurden drei Varianten untersucht. Einer Kombination aus Hochwasserschutzmauer und Deich wird dabei der Vorzug gegeben. Die Mauerhöhe würde bei 110 Zentimeter liegen.

Bedeutend schwieriger stellt sich der Hochwasserschutz in Wernberg dar. Hier müssen der Schilterbach und der Kötschdorfer Bach in die Planung mit einbezogen werden. Deren Wassermenge und der Rückstau von der Naab würde bei einem Jahrhunderthochwasser weite Teile von Wernberg überfluten. Für die Regulierung beider Bäche kommen zwei Maßnahmen infrage: Rücklaufmauer oder Wasserrückhaltebecken. Die Rücklaufmauer würde sich quer durch Wernberg ziehen und eine Höhe zwischen 130 und 200 Zentimeter aufweisen. Der Eingriff in das Ortsbild wäre entsprechend massiv.

Auch das Rückhaltebecken östlich von Wolfsbach bedeutet einen großen Eingriff in die Natur. Das Rückhaltebecken müsste 380 000 Kubikmeter fassen können und zusätzlich mit einem Schöpfwerk ausgerüstet sein, um den Wasserablauf zu regulieren. Dies würde einen Damm von rund zehn Metern Höhe erfordern. Zusätzlich müsste die B 14 nach Norden verlegt oder im Katastrophenfall zeitweise gesperrt werden.

Im Bereich der Naab könnte eine Kombination aus Mauer und Deich ausreichend schützen. In die Planung wurden fünf Varianten aufgenommen. Zum Schutz von Fischerheim und Fußballplatz wird von den Planern eine Mauer mit einer Höhe von 160 Zentimetern empfohlen. Je nach Ausführung und Umfang der Schutzmaßnahmen schwanken auch die Kosten. Für den Abschnitt Oberköblitz sind rund 850 000 Euro eingeplant. In Wernberg ist die Kostenspanne bedeutend größer. Die günstigste Variante mit einem Volumen von 5,5 Millionen Euro wäre demnach die Rücklaufmauer quer durch Wernberg. Zwischen 10 und 15 Millionen Euro schwanken die Kosten bei Einbeziehung eines Rückhaltebeckens für den Schilterbach. Dabei schlägt die Verlegung der B 14 und der damit verbundene Brückenbau mit 6,5 Millionen Euro zu Buche.

Der Eigenanteil der Gemeinde würde bei 35 Prozent liegen. Die Frage nach mobilen Elementen stellte sich dem Planer nicht. Der damit verbundene Aufwand und die Kosten stehen in keinem vertretbaren Verhältnis. Auch die Grundstücksfragen sind noch völlig offen. Die Planer und das WWA stellten klar heraus, dass die Vorplanung nur als Arbeitsgrundlage zu sehen ist. Eine Entscheidung wurde noch in keinem Punkt getroffen. In die Überlegungen sollte auch das Schadenspotenzial mit einfließen, das im Falle eines Jahrhunderthochwassers entstehen könnte. Nach Schätzungen der Versicherungen liegt dies bei 29 Millionen Euro. Über eine Zeitplanung kann im jetzigen Fall noch nicht gesprochen werden. Im günstigsten Fall - sofortige Umsetzung der Maßnahmen - rechnet Andreas Ettel mit einer Fertigstellung im Jahr 2025.

Nur eine 160 Zentimeter hohe Mauer entlang der Naab schützt den Sportplatz vor einem Jahrhunderthochwasser.

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