21.06.2019 - 15:31 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Hoffen auf Förderprogramm

Der Steg am Bahnhof soll weg. Wie sollen Fahrgäste dann an den Bahnsteig kommen? An einem neuen Steg soll sich die Marktgemeinde erheblich beteiligen. „Das geht so nicht“, sagt SPD-Abgeordnete Marianne Schieder.

Der Steg über den Gleiskörper am Bahnhof Wernberg wird weichen müssen. Die Frage ist, wer für den Neubau dieser Brücke bezahlt. Die Bahn sähe gerne, wenn sich die Marktgemeinde mit bis zu 700 000 Euro beteiligt. Die Wernberg-Köblitzer sehen das anders.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Will die Deutsche Bahn die Marktgemeinde über den Löffel balbieren? Das Gefühl macht sich bei Markträtin und Bundestagsabgeordneter Marianne Schieder (SPD) breit. Der Grund: Die Bahn will das Gleis direkt am Bahnhofsgebäude als Überholgleis und nicht mehr für Personenzüge nutzen. Wie kommen die Reisenden dann an die Bahnsteige? Über einen Steg, mit Aufzügen, wegen der Barrierefreiheit. Der Steg kommt aber teuer.

Mit dem Bahn-Experten ihrer Bundestagsfraktion, Martin Burkert (Nürnberg), nahm Schieder am Mittwoch den Status quo in Augenschein. „Das Überholgleis hat nichts mit der Elektrifizierung zu tun“, sagte Schieder, „die Bahn will Personal einsparen“. Dies, weil ein neues Stellwerk eingerichtet und die Personalstellen am Bahnhof wegfallen sollen. Dann ist niemand mehr da, der behinderten oder älteren Fahrgästen helfen könnte. Also muss irgendein sicherer Übergang her. „Die Kosten will die Bahn bei der Kommune abladen“, sagte Schieder. Mit 700 000 Euro rechnet sie, die beim Markt hängen bleiben könnten für einen neuen Steg, der wieder nach Unterköblitz führen soll. Denn die Bahn will ihren Anteil nur bis zum Mittelbahnsteig bauen. Der Steg müsste noch dazu 6,20 Meter lichte Höhe aufweisen. Drei Aufzüge und Barrierefreiheit? Da soll sich die Kommune beteiligen. An den Baukosten und am jährlichen Unterhalt mit 40000 Euro. „Das können wir nicht“, sagte Schieder.

Viele Schüler

Zweiter Bürgermeister Alexander Werner (SPD) und der Behindertenbeauftragte der Marktgemeinde, Reinhard Rädel, verwiesen auf die vielen Schüler, aber auch Senioren und behinderten Menschen, die den Bahnhof und den Übergang zwischen den Ortsteilen nutzen. „Wir haben hier die Schule, die Werkstätten und Wohnungen von Dr. Loew“, führte Werner an. Dritter Bürgermeister Georg Schlögl (FBU-ÖDP) forderte angesichts der kommenden Elektrifizierung eine „komplette Planung“, die auch die Unterführung an der Nürnberger Straße einbezieht.

Das Argument der Behinderteneinrichtungen in Wernberg-Köblitz ließ Burkert aufhorchen. Er sieht Chancen, die Wernberger Station in das „1000-Bahnhöfe-Programm“ des Bundes mit aufzunehmen, das sonst nur für Bahnhöfe mit mehr als 1000 Fahrgästen am Tag zieht. In Wernberg sind es 400. Wenn der Umbau wegen der Zweigleisigkeit hier sowieso 2024 anstehe, könne der knapp 115 Jahre alte Steg mit ins 2023 anstehende Programm aufgenommen werden. Außerdem sei die Regierung dabei, das Eisenbahnkreuzungsgesetz zu ändern. „Wenn die Koalition noch länger hält, bekommen wir das hin“, sagte der Verkehrspolitiker. Der „gelernte Eisenbahner“ (Schieder) verwies darauf, dass dann der Bund die Kosten für Bahnübergänge in höherem Maße als momentan übernehmen könne. Bislang gilt eine Drittel-Regel zwischen Bund, Bahn und Kommune. Das kommunale Drittel ist es, dass Wernberg-Köblitz teuer kommen würde. Obwohl, wie Schieder betonte, der Abriss des markteigenen Stegs auf Betreiben der Bahn notwendig würde.

Neue Regelung

Mithilfe des Überholgleises würde die Strecke durchlässiger, sagte Burkert, was Ziel des „Deutschlandtaktes“ wäre. Güterzüge können dort warten und Personenzüge passieren lassen. Nun müsse die Planung für die Doppelgleisigkeit mit denen für den Übergang kombiniert werden. „Da sehe ich gute Chancen“, sagte Burkert. Die Planungsvereinbarung, wie sie die DB Netz von der Marktgemeinde wünscht, wird der Marktrat nun wohl nicht billigen, bevor das neue Eisenbahnkreuzungsgesetz bessere Fördermöglichkeiten bietet.

Das Treffen in Wernberg-Köblitz war Teil der Aktion „SPD vor Ort“, bei der sich Parteivertreter besonders um kommunale Angelegenheiten kümmern, wie Kreisvorsitzender Peter Wein erklärte. Mit Burkert und Schieder ging’s dann weiter nach Bodenwöhr. Das Thema dort: Barrierefreiheit am Bahnhof. Kosten für die Gemeinde: 400000 Euro.

Behinderten-Beauftragter Reinhard Rädel (von links), SPD-Kreisvorsitzender Peter Wein, Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder und ihr Parlaments-Kollege Martin Burkert, Geschäftsstellenleiter Stefan Falter und zweiter Bürgermeister Alexander Werner besprechen am Bahnhof Wernberg die Pläne der Deutschen Bahn.

 

 

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