30.08.2019 - 14:59 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Lehrbuch schreiben statt Rasen mähen

Nahezu 25 Jahre Professor für Regelungs- und Steuerungstechnik an der OTH Regensburg – das prägt. Auch im Ruhestand unterrichtet Professor Anton Braun noch an der privaten Fachhochschule "Diploma" und gibt sein Wissen in Büchern weiter.

Professor Dr. Anton Braun
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Anton Braun ist jetzt 73 Jahre, doch seine beruflichen Steckenpferde lassen ihn nicht los. Nun hat er ein neues Lehrbuch zur Identifikation technischer Systeme veröffentlicht. Schon der berühmte Mathematiker und Philosoph Wilhelm Leibniz (1646-1716) begründet 1714 in seinen "Vernunftprinzipien der Natur", dass "Bewegung substanziell mit der Eigenaktivität eines körperlichen Dinges verbunden und eine fundamentale Eigenschaft körperlicher Substanzen" ist. Nachdem noch im 17. Jahrhundert nicht wenige Entscheidungen intuitiv getroffen worden sind, hat, inspiriert durch dieses Denkgebäude, der habilitierte Professor, Dr.-Ing. Anton Braun aus Wernberg-Köblitz neben der "Digitalen Regelungstechnik" (München, 1997) und der "Analogen Regelungstechnik" (Leipzig, 2005) nunmehr sein drittes Lehrbuch mit dem Titel "Dynamische Systeme" beim Springer Verlag, Berlin publiziert.

"Begründet ist meine Arbeit damit, dass jeder problemorientierten Regelung einer technischen Anlage das ihr eigentümliche physikalische, soll heißen, dynamische Verhalten mathematisch analysiert und gegebenenfalls mit den modernen Methoden der Simulationstechnik identifiziert werden muss", erläutert Braun.

Diesem weitläufigen Gebiet widmet sich das angekündigte Lehrbuch, angefangen von mechanischen Systemen, beispielsweise der Dimensionierung einer Kupplung für die Übertragung einer bestimmten geforderten Leistung über die elektrische Antriebstechnik bis hin zu den in neuerer Zeit so häufig zitierten elektromechanischen Elementen, in der zeitgenössischen Literatur besser bekannt als mechatronische Systeme, die sich zwischenzeitlich an adäquaten Hochschulen zu einem eigenständigen Studiengang entwickelt haben.

Im Sinne der Analyse mechanischer und elektromechanischer Anlagen findet der Leser in diesem Buch die dazu notwendigen Grundlagen der Physik, der Statik und Dynamik sowie der klassischen Elektrotechnik und nicht zuletzt der modernen Elektronik. Zum besseren Verständnis der größtenteils komplexen Materie wird für den weniger geübten Leser jedes Kapitel mit einer Fülle praxisorientierter Beispiele untermauert.

Für den in der Praxis nicht selten auftretenden Fall, dass eine Anlage mathematisch nicht oder nur schwer zugänglich ist, findet der Studierende ein separates Kapitel neuzeitlicher Softwaretools zur gezielten Stimulation technischer Systeme mit dem Ziel der Identifikation maßgeblicher Kennwerte der Eigendynamik wie dies beispielsweise Verstärkung, Dämpfung oder die Resonanzfrequenz sind. Erst die vollständige Identifikation, sei es mit den Methoden der Mathematik und Physik oder der digitalen Simulationstechnik, ermöglicht die optimale Regelung einer jeden technischen Anlage.

Damit ist das Stichwort für die nächste Arbeit von Anton Braun geliefert, die bereits vom Lektor des eingangs erwähnten Verlags angenommen und im Lauf der nächsten zwei Jahre veröffentlicht werden kann. Es handelt sich dieses Mal um das Manuskript eines Lehrbuches mit dem Titel "Optimale und adaptive Regelung technischer Systeme". Dieses Buch präsentiert eine breite Übersicht über statische und dynamische Optimierungsverfahren, die sich für die praktische Anwendung bereits vielfach bewährt haben.

Zwei Beispiele zum besseren Verständnis: Im zivilen Luftverkehr optimiert jeder Pilot bei der Wahl seiner Flughöhe. Eine geringe Flughöhe verursacht zwar bei einer bestimmten Reisegeschwindigkeit großen Auftrieb, allerdings auf Grund des großen Luftwiderstands einen hohen Kraftstoffverbrauch. Im Gegensatz dazu gewährleistet eine große Flughöhe nur geringen Luftwiderstand nunmehr aber auf Kosten geringeren Auftriebs und somit wiederum hohen Energieverbrauch. Die optimale Flughöhe ist also dann gegeben, wenn ein Optimum zwischen Auftrieb und Luftwiderstand und somit ein Minimum an Treibstoff verbraucht wird.

Neben einem allwöchentlichen Fußmarsch mit einer Gruppe gehbehinderter Senioren doziert Braun an den Außenstellen Regenstauf und München einer privaten Fachhochschule und ist seit zwei Semestern als Gasthörer der philosophischen Fakultät der Universität Regensburg immatrikuliert. Lachend erklärt er, warum er sich hier noch so engagiert. "Um einen Überhang an Freizeit nicht damit ausgleichen zu müssen, 365 Mal im Jahr den heimischen Rasen zu schneiden".

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