30.05.2018 - 13:48 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

"Popcorn statt Schokolade"

Die "Interessensgemeinschaft gesunder Boden" hat ein erklärtes Ziel: Sie möchte die landwirtschaftlich genutzten Flächen in einem guten ökologischen Zustand erhalten. Ein Seminar zeigt, wie das funktioniert.

Die Agrarwissenschaftlerin Dr. Andrea Beste zeigte die Klassifizierung einer Bodenprobe.
von Richard BraunProfil

50 Landwirte aus ganz Bayern und darüber hinaus informierten sich bei einem Bodenseminar auf dem Bauernhof von Josef Hägler in Deindorf bei Wernberg-Köblitz über das humusaufbauende Wirtschaften. Dabei soll der Nährstoffabtrag so gering wie möglich gehalten werden. Die dafür notwendigen Grundlagen vermittelte die Agrarwissenschaftlerin Dr. Andrea Beste, die auch politische Beraterin für das EU-Parlament, den Deutschen Bundestag und verschiedene Landtage sowie ständiges Mitglied einer beratenden Expertengruppe der EU-Kommission ist.

Etwa zwölf Prozent der globalen Landoberfläche ist für den intensiven Ackerbau geeignet. Nur diese Fläche steht für die Ernährung der Menschheit zur Verfügung. Umso wichtiger ist es, sorgsam mit diesem kostbaren Gut umzugehen. Der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ist mit abhängig vom Gehalt und der Qualität der gesamten organischen Bodensubstanz, dessen wichtigsten Bestandteil der Humus bildet. Er ist die Stickstoffquelle des Bodens. Erst das richtige Verhältnis aller Komponenten und Nährstoffe fördert die Humusbildung. Die im Humus enthaltenden Bodenorganismen prägen die Bodenstruktur. Humusmangel führt heute schon bei vielen Böden zu Strukturschäden und Erosion. Der Boden kann seinen verschiedenen Funktionen nicht mehr nachkommen.

Die Bodenstruktur richtig zu bewerten und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist Aufgabe einer qualitativen Bodenanalyse, zu der die Agrarwissenschaftlerin die entsprechende Anleitung gab.

Die Bodenproben wurden von einem Maisfeld von Josef Hägler entnommen, der sich seit Jahren dem humusaufbauenden Wirtschaften mit Erfolg verschrieben hat. Über 700 Landwirte informieren sich jährlich bei dem erfahrenen Landwirt über seine etwas andere Art der Bodenbewirtschaftung. Mit Hilfe der Spatendiagnose kann das Gefüge des Bodens aufgezeigt werden. Nach einer genau festgelegten Vorgehensweise wird aus dem Boden ein sogenannter "Bodenziegel" entnommen und entsprechend der Gefügebonitur klassifiziert. Dabei wird zwischen lehmigen, tonigen oder sandigen Böden unterschieden.

"Wichtig ist es, in den Boden hineinzuschauen", ist für Dr. Andrea Beste ein entscheidendes Kriterium ihrer Methode. Bis zu einer Tiefe von 40 Zentimetern kann so die Bodenstruktur bewertet werden. Für eine gute Bodenfunktion steht die Gefügenote 5. Bei Gefügenoten von 3 bis 4 ist noch kein akuter Handlungsbedarf erforderlich. Unterhalb der Gefügenote 3 sind die Bodenfunktionen gestört und es besteht großer Handlungsbedarf.

Um es auch Laien besser verständlich zu machen, bemühte die Wissenschaftlerin einen Vergleich, der die Gefügestruktur verdeutlicht: "Angestrebt wird die lockere Struktur von Popcorn. Toter Boden ist mit Schokolade zu vergleichen."




Die Entnahme eines "Bodenziegels" erfordert eine genaue Vorgehensweise.

Die Bewertung der Bodenstruktur wird nach genau festgelegten Kriterien vorgenommen. Dr. Andrea Beste vergibt die Gefügenote. .

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