15.02.2021 - 10:26 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

"Schwarzer Bär": Vom Wirtshaus zum Wohngebäude

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Der "Gasthof zum schwarzen Bären" in Wernberg-Köblitz war lange Zeit eine bekannte Adresse in der Region. Mit dem bald beginnenden Umbau zu einem Wohn- und Bürogebäude endet eine jahrhundertelange Wirtshaustradition im Markt.

In exponierter Lage: Der ehemalige "Gasthof zum schwarzen Bären" (links, grünes Gebäude) trägt wesentlich zur Ansicht des Marktplatzes bei
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil

Wie schon berichtet, wird das Anwesen „Bärenwirt“ zu Wohnungen umgebaut. Der früher weithin bekannte „Gasthof zum schwarzen Bären“ in Wernberg gehörte zu den renommiertesten und traditionsreichsten Adressen im Ort. Bereits 1966 rühmte er sich in einem Zeitungsartikel, dass er in der vergangenen Saison 22 Nationen als Fremde zu Gast hatte.

Die zentrale Lage am Ortsmittelpunkt und an den Straßenkreuzungen war seit jeher ein Vorteil für den traditionsreichen Gasthausbetrieb. Guter Service, gutes Essen, mäßige Preise und gute Fremdenzimmer, vor der Tür ein Schild „empfohlen vom ADAC“, führten schnell zu einem guten Ruf.

1925 errichtet

Für Einheimische, die hier sonntags Frühschoppen machten, gab es das sogenannte „Bärnwirts-Bruckerl“ über den früher offenen Schilterbach, das dafür sorgte, dass der sonntägliche Kirchweg vom und zum Wirtshaus nicht zu weit wurde, berichtet der Heimatgeschichtsexperte Hans Bäumler. Das heutige Haus wurde 1925 errichtet, das alte Wirtsgebäude, das nur aus einem einfachen Giebelhaus bestand, wurde abgerissen. Übrig davon blieben aber sicher die herrlichen Gewölbe in der Toilettenanlage. 1933 wurden nach einem Brand auch die hinteren Stallungen neu und schöner erstellt, wie der „Nabburger Volksbote“ berichtete. Im Übrigen waren in dieser Straßenzeile früher alle Häuser mit Giebel zur Straße ausgerichtet.

Sanierung des ehemaligen Gasthofes

Wernberg-Köblitz

Das Haus war seit jeher ein zentraler Anlaufpunkt im Ort. Laut Bäumler wurde hier etwa 1877 der Kriegerverein gegründet, hier fand 1894 die Versteigerung des Schlosses Wernberg an Otto Freiherr von Brenken statt. Hier waren die Versammlungen des Bauernvereins, die Basis für den Aufstieg des späteren Landtags- und Reichstagsabgeordneten Michael Sir. 1924 wurde beim „Bärenwirt“ der Oberpfälzer Waldverein ins Leben gerufen, 1950 der Heimkehrerverband und 1959 der CSU-Ortsverband. Dazu kam nach dem Zweiten Weltkrieg die Wiedergründung diverser Vereine, wie etwa des Schützenvereins, der hier jahrelang eine Heimat fand. Geschossen wurde vom Gastzimmer durch die Küche in den Keller.

Im Häuserbuch des Marktes Wernberg-Köblitz lässt sich 1584 der Wirt und Weber Hans Hammer nachweisen. Laut Hans Bäumler bestand das Anwesen wahrscheinlich schon früher, sicher schon 1572 mit dem in den Kirchenrechnungen St. Emmeram nachweisbaren Wirt und Fischer Michael Hammer. Damit geht die Tradition des schwarzen Bären zurück in die Zeit der ältesten Gebäude, etwa bis 100 Jahre nach der Errichtung der ersten Anwesen, der Taverne an der Straßenkreuzung und der Marktmühle, die aktuell unmittelbar gegenüber auf die Sanierung wartet. Es gehört damit zu den ältesten Anwesen in Wernberg.

Überregional bekannt

Über 400 Jahre lang machten die drei Wernberger Gasthäuser „Zum Goldenen Löwen“ (zeitweise „Gasthof zur Post“ als Poststation), zum „Goldenen Bären“ und zum „Goldenen Stern“ - er war auch lange Zeit Mautstation und unter der Bezeichnung „beim Graputhn“ bekannt - den Ort als Verpflegungs- und Raststation überregional publik. Aus diesen drei Gasthäusern stammten viele der Bürgermeister und Räte und auch der eine oder andere Geistliche.

Mit dem Abriss der Alten Post 1950, die dem Verkehr weichen musste, mit dem Verfall und Abriss des Graputh-Anwesens „Goldener Stern“ (jetzt an dieser Stelle „Adana“) in den 80er Jahren und der Schließung des Schwarzen Bären hat nun in den letzten Jahren wieder ein Teil des alten Herzens in Wernberg zu schlagen aufgehört.

Aus alten Kirchenrechnungen geht hervor, dass eine Reihe von Pfarrern und Benefiziaten, beziehungsweise deren Mesner hier in offenen Krügen den Messwein abholten. Dieser wurde angeschrieben und zum Jahresende mit einfachem Zettel mit der Anzahl der „Maß“ abgerechnet. Gasthöfe zum Bären gab es auch in Neunaigen, Schnaittenbach und Vohenstrauß. In den Wäldern unserer Gegend ist die Bärenjagd historisch dokumentiert, was den häufigen Wirtshausnamen plausibel macht.

Die Anfänge des Brauwesens in Wernberg gehen bis in die Nothaftische Zeit zurück. Ein erster Hinweis findet sich nach Hans Bäumler schon 1420. Das Kommunbrauhaus brannte 1958 ab und stand am „Schönerer Weiher“ unterhalb des alten Pfarrhofs. Es stammte wohl aus den 1590er Jahren. Zum Wernberger Brauwesen gehören sicher auch die Erdkeller im Kellerweg und an der Weidener Straße.

Bier aus dem Wernberger Brauhaus

In den Zollrechnungen sind immer wieder Hopfentransporte durch Wernberg verzeichnet. Hopfenanbau ist in Luhe seit spätestens 1681 in der Au an der Naab belegt. Ab 1774 bezog der Wernberger Bärenwirt Niklas Rippl jährlich 200 Hopfenstangen aus dem Köblitzer Kirchenholz. Damit ist davon auszugehen, dass der Hopfenanbau auch in unserer Gegend kultiviert wurde. Im Wernberger Brauhaus wurden Ende des 19. Jahrhunderts durchschnittlich an 60 Tagen pro Jahr etwa 520 bis 570 Hektoliter Bier gebraut. Dabei wurde die höchste Menge mit 115 bis 160 Hektolitern in den Monaten Februar und März erreicht.

Leider sind in Wernberg nun schon viele traditionelle Gasthäuser dem „Wirtshaussterben“ zum Opfer gefallen, als da wären Schinner, Dotzler („Riada“), Schmerber, Kehrer, Meillinger, Kick, Bojer und Hennerloch, nicht zu vergessen das weithin bekannte „Cafe Pari“. Das gleiche ist in den gemeindlichen Ortschaften zu beobachten, siehe „Wirtsbärbel“ in Neunaigen oder Braun in Diebrunn.

Einzig der Burkhard hat als Landgasthof mit Hotel überlebt. Positiv ist aber festzustellen, dass auch viele neue Lokale entstanden sind, wie das Musik Café B14, der „Alte Pfarrhof“, die Pizzerien „Piccolo Andrea“ und „Ravenna“, das Kebabhaus „Adana“, die „Kleine Kneipe“, die Eisdiele „Pinocchio“, das “Cafe Bohne“, die FC Sportgaststätte – und es wird auch hervorragender „Wernberger Zoigl“ gebraut.

Robert Neblich, der als junger Bursche mit Freunden oft beim „Bärenwirt“ war, weiß viele lustige Anekdoten zu erzählen. Bedient wurde man in den Sechzigern oft vom ehemaligen Ober „Onkel Henry“, mit dem sie viel Spaß hatten. Große Stimmung herrschte einmal am Vorabend zur Walpurgisnacht: Man spendierte dem Henry etliche Schnäpse, worauf dieser vorzeitig das Bett aufsuchen musste. Die Burschen stiegen auf einer langen Leiter zu Henrys Zimmer hinauf und strichen das Glas schwarz an. Der machte kein großes Aufsehen und meinte anderntags nur: „Dez sads Lumpm!"

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