09.09.2021 - 11:37 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

"Sinfonie in Ketten": Wernberger Metzgermeister mit Sinn für Kunst

Seine Bratwürste – ein Gedicht. Daneben hat Metzgermeister Hans Dotzler auch eine ganz andere Seite. Er liebt die schönen Dinge im Leben, die Kunst. Sein Garten erzählt davon. Neuestes Kunstwerk: Die "Sinfonie in Ketten".

Hans Dotzler & friends präsentieren ihr Werk. Im Bild (von links) Heidi Dotzler, Franz Jungwirth, Hans Dotzler, Gabi Zitzler und Johannes Held.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Ein Garten will jeden Tag seinen Herrn sehen. Das Paradies, das sich hinter der Metzgerei auf rund 3000 Quadratmetern eröffnet, ist von langer Hand gestaltet. Bei eine Vernissage präsentiert Hans Dotzler ein neues Kunstwerk, zugleich ein Gemeinschaftswerk.

Der 72-jährige Metzgermeister hat neben seinen Wurstspezialitäten im Lauf der Jahre eine ganz andere Seite für sich entdeckt: Sein Faible für Antikes, für Geschichte, für Bildhauerkunst und Philosophisches. All das ist in seinem Refugium zu finden, das er mit Ehefrau Heidi hegt und pflegt und immer wieder mit neuen Skulpturen, mit Kunstwerken ergänzt – stets den passenden Standort im Auge. So ist ein parkähnlicher Garten gestaltet worden, der wie Hans Dotzler viel zu erzählen hat.

Kunstwerke mit Geschichte

Zu jedem Kunstwerk gibt es eine Geschichte: Zur "Venus von Wernberg", die nach dem Vorbild der Venus von Willingen geformt wurde und an die bauchigen Frauenfiguren der Künstlerin Niki de Saint Phalle erinnert. Dann ein alter Mahlstein, aus Sri Lanka importiert und 300 Kilo schwer oder ein Alabaster-Buddha, den der 72-Jährige bei einem Globetrotter in Indien erworben hat.

Ein schwerer Kessel aus einer Brauerei ist gefüllt mit Pflanzen und Kostbarkeiten, die die Natur geformt hat. Steine tragen die Spuren der Eiszeit, bei einem Marterl aus Granit hat ein Handwerkskünstler die Leidenswerkzeuge Jesu erhaben herausgemeißelt. "Bei jedem Stück läuft ein Film ab", erzählt Hans Dotzler, Erinnerungen an Begegnungen und Erlebnisse beim Erwerb der Schätze. Für das neueste Kunstwerk brachte er Freunde zusammen, die mit ihm auf einer Welle schwimmen.

Charakterkopf auf Ton

Die tragenden Teile stammen aus der Landwirtschaft: Ketten, mit denen früher Bullen angebunden wurden. Eine stabile Kette bildet das Rückgrat des Kunstwerks, darauf ein Kopf, den Keramikerin Gabi Zitzler nach Dotzlers Vorlage geschaffen hat. Zitzler war schon zweite Landessiegerin und Kammersiegerin. Nach dem Tod von Ernst Keck übernahm sie die Töpferei und fertigte auch gerne den Sonderauftrag. Der unter ihren Händen entstandene Charakterkopf ist auf dem eisernen Rückgrat fixiert. Dotzlers Interpretation: Ein Rückgrat aus Familie und Freunden, mit denen gemeinsam die Probleme des Lebens bewältigt werden, sollte jeder haben. Nur so habe man auch Sinn für die Leichtigkeit des Seins, meinte Hans Dotzler.

Diese Leichtigkeit wird durch drei feingliedrige Ketten symbolisiert, die wie Arme um das Rückgrat pendeln. Auf einer sitzt eine Krähe, ebenfalls von Gabi Zitzler modelliert. Auf der anderen ein Vogel, den Johannes Held aus Schrotteilen gestaltet hat: Er kreiert aus Mopedtanks Vögel, aus Autofedern Raupen. Die Figur in Dotzlers Garten ist aus einer Rohrzange entstanden. Die Füßchen sind aus alten Löffeln. Der 32-Jährige, beruflich in der KFZ-Branche tätig, möchte jetzt ein Kleinkunstgewerbe anmelden, braucht eine größere Lagerfläche für das, was er von Schrottplätzen holt. Er hat einen Blick dafür entwickelt, welche Teile er für welche Objekte verwenden kann.

Auf dem dritten Kettenstrang ist eine Standarte, ein Glockenspiel befestigt. Im Wind dreht es sich, klingt ganz fein. Hier kommt Franz Jungwirth ins Spiel. Der gelernte Schlosser ist jetzt im Ruhestand der Mann für alle Fälle. Er weiß viel von Statik, von Proportionen und Anordnung, tüftelt in seiner Werkstatt. In gemeinsamen Überlegungen ist die "Sinfonie in Ketten" entstanden.

Blick für Kunst öffnen

Dotzler möchte damit ausdrücken, dass Menschen mit Meldungen von Überschwemmungen, Feuersbrünsten und Corona überfrachtet sind. "So viel Negatives, das macht krank und depressiv". Er möchte einen Gegenpol schaffen, den Blick für Leichtigkeit und Kunst öffnen. "Kunst inspiriert, macht Freude. Und das fördert bekanntlich das Immunsystem".

"Ich glaube, dass Kunst so wichtig ist wie Weißwürste und Brezen", meinte er am Ende seiner Rede schmunzelnd. Die "Weißen" gab es im Anschluss an den Kunst-Exkurs.

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"Kunst inspiriert, macht Freude. Und das fördert bekanntlich das Immunsystem".

Hans Dotzler

 

 

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