29.03.2020 - 17:24 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Stühlerücken im Sitzungssaal

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Zum Teil nur ein paar Zentimeter sind es bis zum nächsten Stuhl im Sitzungssaal. Für den kompletten Marktrat von Wernberg-Köblitz ist dieses Risiko in Zeiten von Corona zu hoch. Jetzt prescht der Markt mit einem Ferien-Ausschuss vor.

Viel zu dicht für die aktuellen Erfordernisse stehen im Moment die Stühle im Lehrsaal des Feuerwehrhauses, wo am Dienstag der Marktrat tagen sollte. Wernberg-Köblitz mit Verwaltungsleiter Stefan Falter hat sich deshalb als erste Kommune im Landkreis für einen Ferien-Ausschuss entschieden.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Nach Mitteilung des Landratsamtes sind wir tatsächlich die erste Kommune im Landkreis, die von dieser Möglichkeit Gebrauch macht", berichtet Verwaltungsleiter Stefan Falter auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit Blick auf den Sitzungstag am Dienstag, 31. März, im Lehrsaal des Feuerwehrhauses in Unterköblitz. Anstelle des Marktrats von Wernberg-Köblitz tagt dort um 19 Uhr ein sogenannter Ferien-Ausschuss. Dabei handelt es sich um ein Gremium mit reduzierter Personenzahl. Statt 20 sitzen dann nur 6 Vertreter des Marktes plus Bürgermeister Konrad Kiener am Tisch, um dringliche Entscheidungen zu fällen.

"Das Innenministerium erlaubt diese Möglichkeiten, wenn dringende und unaufschiebbare Sachen anstehen", informiert Falter über das Umlaufverfahren, in dem die Gemeinderäte per E-Mail zustimmen können. Vorläufig ist dieses Verfahren allerdings bis 30. April befristet.

Und Wernberg-Köblitz hat tatsächlich einen guten Grund, der das Zusammentreten des verkleinerten Gremiums rechtfertigt. "Es geht diesmal beispielsweise um eine Ausschreibung, die um 100 Prozent über der Kostenschätzung des Ingenieurbüros liegt", so der Verwaltungsleiter. Die Fachleute hätten deshalb empfohlen, die Vergabe wegen der hohen Überschreitung zu stoppen. "Diese Ausschreibung darf aber nur der Gemeinderat aufheben", schränkt Falter ein. Ersatzweise kann das nun der Ferien-Ausschuss erledigen, der mit sechs Plätzen für die Räte und einem weiteren für den Bürgermeister genügend Luft lässt zur Vermeidung einer Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus.

"Zwischen den Mitgliedern werden immer zwei Stühle frei bleiben", beschreibt der Verwaltungsleiter die geplante Sitzordnung. Ein Blatt Papier macht - wie im Bundestag - kenntlich, wo die Lücken sein sollen. Weil die Sitzung öffentlich ist, will man auch die Stühle im Zuhörer-Bereich mit entsprechend viel Abstand positionieren. "Sind es zu viele, muss der Rest draußen bleiben", stellt der Verwaltungschef klar. Um Engpässen im Krankheits- und Quarantänefall vorzubeugen hat das Rathaus wie viele andere Behörden inzwischen auf einen Betrieb in zwei völlig getrennten Schichten umgestellt. Die zwei Teams arbeiten völlig unabhängig voneinander und wechseln sich alle zwei Tage ab.

"Sollte jemand in einer Gruppe positiv auf das Coronavirus getestet werde, müssen wir nicht gleich das ganze Rathaus zusperren", erläutert Falter, der derzeit das höchste Risiko einer Ansteckung am Arbeitsplatz sieht. Und natürlich sind auch in der Verwaltung einige Mitarbeiter in Homeoffice, auch dagegen gibt es für den Verwaltungschef nichts einzuwenden: "Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen."

Info:

Auf der Tagesordnung

Der Ferien-Ausschuss von Wernberg-Köblitz befasst sich am Dienstag, 31. März mit folgenden Themen: Aufhebung der Ausschreibung für die Bautechnik bei der Sanierung von Regenüberlaufbecken, Errichtung einer Dosieranlage, Lagerboxen und einer Lagerfläche in Saltendorf (Steinbruch Döllnitz), Auftragsvergabe für Pflegearbeiten an gemeindlichen Grünflächen für das Jahr 2020 für die Pflege von Pflanzflächen in der Weidener Straße und in der Friedhofstraße in Oberköblitz.

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