25.08.2019 - 15:18 Uhr
WiesauOberpfalz

Bernhard Neumann ist der neue Judas

Er ist der neue Judas in der Tirschenreuther Passion, spielt beim Landestheater Oberpfalz (LTO), beim Ovigo-Theater und leitet Shalom Amitié in Wiesau. Beruflich agiert Bernhard Neumann als Bühnenbauer am Regensburger Stadttheater.

Die Bretter auf der Bühne im Wiesauer Pfarrsaal bedeuten für Bernhard Neumann die Welt. Er ist von Beruf Bühnenbauer, spielt selbst in verschiedenen Ensembles mit und leitet die Theatergruppe Shalom Amitié.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Diese Rolle würde mich absolut reizen." Mit dieser Aussage hatte sich Bernhard Neumann beim Produktionsleiter der Tirschenreuther Passion, Peter Geyer, beworben, als klar war, dass in der Neufassung für alle Rollen die Türen offen standen. "Ich suche schon durchaus Herausforderungen in meinem Metier, diesen Ehrgeiz habe ich", erklärt der gebürtige Wiesauer, der in Erbendorf lebt und in Regensburg arbeitet.

Seit fünf Jahren Regie

Derzeit liest er das Buch "Judas der Komplize". Ein Werk, das ihm Autor und Regisseur der Tirschenreuther Passion, Johannes Reitmeier als hilfreiche Lektüre empfohlen hat. Neumann agierte auch schon zusammen mit Schauspielern des Modernen Theaters Tirschenreuth (MTT) bei den historischen Stadtführungen in der Kreisstadt. Zudem ist er eine feste Größe beim Ovigo-Theater sowie beim Landestheater Oberpfalz (LTO). In seinem Heimatort leitet er die Theatergruppe Shalom Amitié, wo er selbst seine ersten Gehversuche als Schauspieler und vor fünf Jahren als Regisseur gemacht hat.

Auch beruflich ist der 41-jährige Schreinermeister eng mit dem Theater verbunden. Seit drei Jahren arbeitet er als Bühnenbauer am Regensburger Stadttheater und ist dort mittlerweile stellvertretender Werkstättenleiter. "Hier arbeiten etwa 20 Schlosser, Schreiner, Plastiker, Tapezierer und Bühnenmaler", erzählt er. Nach dem Abitur am Stiftland-Gymnasium begann Neumann ein Maschinenbaustudium, das er nach zwei Semestern beendete. "Ich merkte, dass Holz mein Ding ist." Seine Ausbildung zum Schreiner absolvierte er in Erbendorf. Danach arbeitete er in einer kleinen Schreinerei am Kochelsee. Später noch fast zehn Jahre bei "Panzer Ladenbau" in Erbendorf. Die Meisterprüfung absolvierte er in Garmisch.

"Anschließend brauchte ich Entspannung und war zehn Wochen auf dem Jakobsweg unterwegs. Ich kam total entschleunigt zurück. Der Jakobsweg verändert Menschen. Ich spürte, dass man eigentlich gar nicht viel benötigt, um zu leben. Und wenn einer auf der Straße vor mir nur 90 fährt, dann fährt er halt nur 90. Früher wäre ich da ausgeflippt."

Am Theater Regensburg

Seit 2014 ist Bernhard Neumann beim LTO. Dem verdankt er indirekt auch seinen Bühnenbaujob. "Hier kamen die ersten Kontakte zustande." An seiner Arbeit am Regensburger Theater schätzt Neumann vor allem die Verbindung zwischen Kunst und seinem Schreinerberuf sowie die enge Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner. Dessen Gedanken auf der einen Seite und die technische Umsetzung andererseits seien das Faszinierende an diesem Beruf.

Das Stadttheater Regensburg besteht aus vier Häusern, dem Theater am Bismarckplatz, dem Velodrom, dem Theater am Haidplatz und dem Jungen Theater. In diesen vier Spielstätten baut Neumann mit seiner Truppe jedes Jahr die Bühnen für etwa 30 Premieren. Seit drei Jahren pendelt er täglich von Erbendorf nach Regensburg, denn: "Regensburg ist einfach sauteuer zum Leben."

Seit 1984 ist er bei Shalom Amitié in Wiesau aktiv. Die Gruppe rief der damalige Kaplan Friedrich Mecke ins Leben. Da war Neumann zarte 15 Jahre alt. "Anfangs war das nur eine Jugendgruppe der Pfarrei mit Gruppenstunden, Nachtwanderungen, Gebetsabenden, Meditationen und einmal im Jahr Theater." 1993 spielte Neumann selbst das erste Mal im Bauerntheater mit. "Zwei Neffen aus der Schweiz" hieß das Stück. Er stieg gleich groß ein und bekam die Rolle des Bauern. "Und da ist es dann passiert, war ich total infiziert vom Theatervirus." Schon bei diesen ersten Gehversuchen habe er am Bühnenbau mitgearbeitet. Jedes Jahr spielen Shalom Amitié ein Stück im Pfarrsaal, jedes Jahr ist Bernhard Neumann dabei.

16 Jahre Pfarrgemeinderat

In jungen Jahren war er Ministrant in Wiesau und hat auch sonst viele Dinge in der Pfarrei erledigt. Zum Beispiel war er 16 Jahre Mitglied im Pfarrgemeinderat, davon 12 Jahre als Sprecher. Wahrscheinlich auch aus dem Grund habe er sich in jüngeren Jahren ein Berufsleben als Gemeindereferent vorstellen können. Es kam anders und so ist er jetzt seit sechs Jahren Bühnenbauer in der Bezirkshauptstadt der Oberpfalz.

Bezogen auf die Aktivitäten beim Wiesauer Theater habe er einen Traum. Neben den jährlichen Aufführungen im Herbst schweben ihm auch Inszenierungen im Pfarrgarten vor. Natürlich färbt sein Beruf auf die Theaterarbeit in Wiesau ab. "Früher bauten wir klassisch drei Wände auf und das war's. Dann folgte eine Phase, wo wir hundertprozentig realistisch arbeiteten. Jetzt sind wir ganz schön modern. Zum Beispiel haben wir im vergangenen Jahr bei der ,ganz heißen Nummer' das Bühnenbild aus Bierkästen und Stoff gestaltet. Das Ganze garnierten wir mit gezielter Beleuchtung und erreichten damit tolle Effekte."

25 Leute sind bei Shalom Amitié aktiv. "Es geht immer mehr weg vom Bauerntheater, muss aber schon lustig sein. Allerdings wollen wir auch ein wenig zum Nachdenken anregen, dem Publikum etwas mitgeben, nicht nur Schenkelklopfer abliefern", charakterisiert Neumann den aktuellen Stand. In diesem Jahr spielen die Wiesauer "Holzers Peepshow". Wie immer läuft das Stück vier Mal. Premiere ist am 9. November, die weiteren Vorstellungen sind am 16., 22. und 23. November. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Viel dazugelernt

Bei der Beleuchtung habe Neumann viel dazugelernt, durch seinen Beruf. "Ich bin in Regensburg des Öfteren bei Beleuchtungseinstellungen dabei. Da kriegt man schon mit, wie die Profis das machen. In Wiesau habe man den Vorteil, dass man von der ersten bis zur letzten Probe auf der Bühne agieren könne. "Den Aufbau gestalten wir so, dass er sich binnen Minuten einfach zur Seite schieben lässt und genauso schnell wieder hingestellt ist." Seit neuestem zahle man freiwillig Saalmiete. "Was wir einnehmen, fließt zu großen Teilen in Technik und Ausstattung. Das wird fest installiert und steht dann auch der Allgemeinheit zur Verfügung."

Unter anderem mimte Bernhard Neumann (oben) im Mai dieses Jahres den Pfarrer in "Clockwork Orange" mit dem Ovigo-Theater in der Waldsassener Glashütte Lamberts.

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