16.01.2020 - 10:46 Uhr
WiesauOberpfalz

"Hackerangriff" aufs Berufliche Schulzentrum

Im digitalen Zeitalter kommen Erfolgsmeldungen rasch. Viele Follower heißt: Die Sache läuft (meistens). Es kann aber auch ganz anders laufen. Bei einem Gruppenspiel an den EDV-Schulen werden die drohenden Gefahren im Netz durchgespielt.

Das Projekt am Beruflichen Schulzentrum in Wiesau leitete Kristina Barth (Fünfte von links). Mit im Bild auch Organisator Michael Planner, die Vertreter der Schulleitung, Dr. Hermann Körner und Thomas Metzler (von rechts), sowie die Teilnehmer am „Escape Room“.
von Werner RoblProfil

Follower wissen mehr von uns als wir ahnen oder eigentlich preisgeben wollen. "Welche der Follower, die sich auch als Freunde in den sozialen Netzen ausgeben, kennt ihr eigentlich persönlich?", fragte die nach Wiesau eingeladene Referentin Kristina Barth die künftigen IT-Spezialisten am Beruflichen Schulzentrum (BSZ). Barth ließ zuvor einen "Escape Room" im Mehrzweckraum einrichten. (Anmerkung: Ein "Escape Room" - ein Begriff aus dem Spielbereich - ist ein realitätsgetreu nachgebauter thematischer Raum, in dem die Spieler in der vorgeschriebenen Zeit unterschiedliche Rätsel lösen müssen, um den Raum als Sieger verlassen zu können.)

Kette von Teilaufgaben

Dort bereitete die Personalleiterin des in Kulmbach und in Marktredwitz ansässigen Unternehmens "Dynamic Commerce" den "Informatik-Campus" auf ein angesagtes Gruppenspiel vor. Die Aufgabe: Ein vorgegebenes Problem muss in einer bestimmten Zeit gelöst werden. Vorher kann der verschlossene Raum nicht verlassen werden. Den "Schlüssel" dafür müssen die Teilnehmer selbst finden und dabei eine Kette von Teilaufgaben lösen, erklärte Dr. Hermann Körner, Mitglied der Schulleitung, die Spielregeln, mit denen die Teilnehmer konfrontiert wurden.

Nur 45 Minuten

Das Szenario: Ein imaginärer Hacker droht mit der Löschung aller gespeicherten Berufsschul-Daten. Die gebildeten Teams - bestehend aus drei bis fünf Schülern - sollen den Angriff abwehren. Rätsel sind zu lösen, Codes müssen geknackt werden. "Nur so lässt sich den düsteren Machenschaften des Hackers auf die Schliche kommen", kommentierte Hermann Körner die knifflige Aufgabenstellung. Den "Abwehrkräften" bleiben nur 45 Minuten. Kurz zuvor kommt die erlösende Meldung vom Team "Raspberry": "Der Angriff wurde abgewehrt."

Ganz nah dran, leider aber nicht erfolgreich, war das Team "Linux". Um ein Haar hätten sie den letzten Code eingeben können, mit dem der Hacker und "Informatik-Student Simon B." seinen Rechner gesichert hatte. "Zum Glück, war es nur ein Spiel", beleuchtete Körner das vergebliche Gegenstemmen der "Linux-Gruppe", das für Nervosität sorgte. "Eine Gefahr für die Festplatten und die darauf gespeicherten Schul-Daten bestand zu keiner Minute", versicherte der stellvertretende Schulleiter. "Spaß hatten alle, auch die, die am Ende nicht verhindern konnten, dass 'Simon B.' das üble Werk vollenden konnte", fasste Hermann Körner das Ergebnis des Gruppenspiels zusammen.

Attraktives Arbeitsumfeld

"Es ist nicht einfach, IT-Fachkräfte aus Hamburg oder München in die Region zu holen", bedauerte Kristina Barth von der Kulmbacher "Dynamic Commerce", die die Idee ausgearbeitet hatte. "Man muss sich etwas einfallen lassen, um junge Leute für das Land zu begeistern." Das Unternehmen, das sich darüber Gedanken machte, hat daher den besonderen "Escape Room" erschaffen. Ziel sei es, Wiesau und die Region den zukünftigen Absolventen auch als spannendes und attraktives Arbeitsumfeld zu präsentieren. "Zuletzt waren wir an der Weidener OTH, wo wir - wie auch in Wiesau - ausgebucht waren", zog Kristina Barth Bilanz. Eine Schülerin der BFI 10a urteilte begeistert: "Mir macht das Arbeiten im Team ja ohnehin schon Spaß." Sie habe sich auf das Spiel sehr gefreut. "Die Schulveranstaltung bewies zudem, dass es im Kollektiv deutlich einfacher und spannender ist, Herausforderungen zu bewältigen", ergänzte die Schülerin am BSZ Wiesau.

Neuauflage geplant

Der mobile "Escape Room" macht auch an der Hochschule Coburg und der Universität Bayreuth Station. Geplant sei zudem eine Wiederholung in Wiesau. "Wir sehen das Vorhaben als Signal an die Schüler, dass sie nach ihrem Abschluss nicht unbedingt in eine Großstadt ziehen müssen, um einen attraktiven und innovativen Arbeitgeber zu finden", bestätigte der Stellvertretende Schulleiter Thomas Metzler das wichtige Ziel, das man mit der speziellen "Roadshow" verfolgen möchte. "Escape"-Projekte seien zurzeit sehr angesagt, ergänzte Metzler und erklärte: "Jeder, der beim Kampf gegen den Hacker 'Simon B.' beteiligt war, bestätigte, dass man viel Spaß hatte."

Für Hermann Körner und Lehrer Michael Planner birgt die besondere Unterrichtsform auch weitere positive Erkenntnisse. "Ohne den Zeigefinger heben zu wollen, lernen die Schüler durch Selbsterfahrung", erklärte Körner. "Zudem sehen wir deutlich, wie sie als Gruppe funktionieren", meinte dazu Pädagoge Planner.

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