14.10.2019 - 13:39 Uhr
WiesauOberpfalz

Höllenfeuer im Container

Es qualmt, stinkt und ist höllisch heiß. Schließlich soll die Übung im Brandcontainer so realistisch wie möglich sein. Die Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren sind im Ernstfall besonders gefordert.

von Werner RoblProfil

Der Einsatz mit Atemschutzgeräten ist für die speziell dafür ausgebildeten Helfer nicht ungefährlich. Da muss jeder Handgriff sitzen. Für eine optimale Vorbereitung auf die "hitzige" Feuerwehrarbeit wurde in Wiesau ein Brandübungscontainer bereitgestellt. "Nur bei einem echten, aber nachgestellten und daher auch folgenlosen Brand können die Einsatz-Szenarien effizient geübt werden", informiert Kreisbrandrat Andreas Wührl über den Zweck des mehrtägigen Trainings vor dem Gerätehaus. Vergangene Woche waren jeden Tag abwechselnd mehrere Feuerwehren aus dem mittleren Landkreisbereich daran beteiligt.

Ausbilder Manuel Ursel traf mit dem von ihm betreuten Brandübungscontainer aus Schweinfurt ein. Die Anlage werde vom Landesfeuerwehrverband und einer Lübecker Fachfirma unterstützt, informiert Kreisbrandmeister Wührl. Gefördert werde der Einsatz auch vom bayerischen Innenministerium: "Den Feuerwehren wird der Container kostenlos zur Verfügung gestellt." Geworben für den Lehrgang wurde bereits vor rund einem dreiviertel Jahr. "Zuletzt war der Container in Kemnath, vorher auch in Tirschenreuth und Waldsassen stationiert", blickt Wührl zurück. Der Kreisbrandrat spricht auch die Möglichkeit einer Ausbildung in der Würzburger Feuerwehrschule an. Dort seien die Container-Plätze aber begrenzt, bedauert er. Umso wichtiger sei es, vor Ort möglichst viele Atemschutzgeräteträger durchzuschleusen.

Insgesamt 64 Feuerwehrleute unterziehen sich dem anstrengenden Training: "Der Lehrgang ist komplett ausgebucht", freut sich Wührl. Für die Wehren sei die gebührenfreie Teilnahme ein wichtiges Anliegen. Gespannt warten Wührl, Kreisbrandinspektor Stefan Gleißner und eine Handvoll Zaungäste, darunter auch Kreisbrandmeister Florian Trießl, auf die Übung. Nach der theoretischen Unterweisung folgt der realitätsnahe Einsatz, zu dem auch richtiges Brennmaterial gehört. Sieben Pressspanplatten werden in den leeren Container getragen und dort aufgestapelt. Zur selben Zeit wird an den Hydranten ein langer Löschschlauch angeschlossen. Der Wasserdruck wird auf Bitten von Ausbilder Manuel Ursel auf acht Bar eingestellt. Die Atemschutzgeräteträger sollen den korrekten Umgang mit dem Strahlrohr lernen. Sinn der Container-Übung ist es auch, den Brandrauch richtig zu deuten. Die Teams mit jeweils acht Mann werden auf alle möglichen Szenarien im Innenangriff vorbereitet.

Inzwischen haben die Lehrgangsteilnehmer ihre Schutzkleidung und die Sauerstoffflaschen angelegt. Jeder hilft jedem. Sicherheit ist oberste Pflicht. Zuletzt werden die Handschuhe überzogen, die Geräte vorsorglich nachkontrolliert. "Alles passt", lautet die Rückmeldung; das Zeichen zum Start. Mit einem Gasbrenner entzündet Ursel das geschichtete Holz. Danach wird die Anlage geschlossen. "Im Inneren steigt die Temperatur auf rund 1000 Grad Celsius", informiert Kreisbrandrat Wühl und verweist auf die lebensrettende Schutzkleidung. "So gut ausgestattet waren wir früher nie", erinnert sich Wührl noch an die Ausrüstung der zurückliegenden Jahre. "Ein deutlicher Fortschritt."

Täglich standen pro Mannschaft zwei Lehreinheiten auf dem Programm. Den 64 Feuerwehrleuten bot sich die Möglichkeit, Brandszenarien bis hin zum "Flashover" hautnah mitzuerleben, um im Ernstfall gezielt eingreifen zu können. Der Flashover bezeichnet den schnellen Übergang aller Oberflächen brennbarer Materialien eines Raumes zu einem Feuer, das explosionsartig Temperaturen von über 1000 Grad entwickeln kann. Geschult wurden die Teilnehmer von einem Fachmann aus Unterfranken.

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