06.12.2018 - 15:17 Uhr
WiesauOberpfalz

MuT-Macherin für sozial Benachteiligte

Theodora Kupke ist die Stimme des Fördervereins der Musikschule Tirschenreuth. Und sie hat schon viel erreicht.

Für finanzschwache Mütter hat Theodora Kupke sogar Crowdfunding ausprobiert. Mit großem Erfolg. Sie konnte 3000 Euro sammeln.
von Ulla Britta BaumerProfil

Sie trägt Notenschlüssel als Ohrringe, sagt "Groschen" zum kleinen Geld und fördert leidenschaftlich die Musikausbildung: Dabei hatte Theodora Kupke mit dem Förderverein "MuT" früher nichts am Hut. Die drei Buchstaben stehen für die Musikschule Tirschenreuth und sind ein Teil ihres Lebens.

Theodora Kupke hatte früher mit Musik wenig zu tun. Erst seit ihre drei Kinder an der Kreismusikschule Klavier lernten, ist sie ein fester Bestandteil ihres Lebens. Der damalige Musikschulleiter Max Schnurrer bat sie, einen Förderverein aufzubauen. "Er wusste von meinen guten Kontakten und er wollte damit seinem Nachfolger ein Abschiedsgeschenk machen. Ich habe zugesagt," erzählt sie. Es war die Zeit, in der es in der Musikschule kriselte. Der Förderverein sei sogar gefragt worden, ob er die Musikschule übernehme, erinnert sie sich. "Wir haben sofort abgelehnt. Wir haben dem Landkreis unsere Unterstützung angeboten. Die gesamte Schule hätten wir nie stemmen können."

Sprachrohr

Gestemmt aber hat Kupke so einiges. "MuT", wie sich die Freunde der Musikschule im Landkreis Tirschenreuth kurz nennen, hatte im ersten Jahr bereits 100 Mitglieder, inzwischen sind es 500. "Wir sind ein wichtiges Sprachrohr geworden", betont die Gründerin, warum sie viel von ihrer Freizeit investiert. Theodora Kupke ist nahezu bei jeder Veranstaltung persönlich dabei, sehr oft begleitet von ihrem Mann Klaus. Sie schenkt in den Konzertpausen selbst Sekt aus, verteilt Give-aways und Werbeflyer für MuT.

"Dann wollte ich Harfe lernen. Aber es war keine Harfenlehrerin da", erzählt Kupke weiter. Also lernte sie das Instrument in Weiden. Allerdings empfand sie die Fahrerei bald als umständlich und begann Pläne für eine eigene Harfelehrerin an der Kreismusikschule zu schmieden. Auch das gelang der Wiesauerin. Zu tun gibt es immer etwas. Regelmäßig fördert sie über MuT neue Instrumente, begabten Jugendlichen ermöglichen sie und ihre Mitstreiter Stipendien; sie veranstaltet Konzerte mit jungen Profis aus der Heimat. Immer wieder steht dabei "Benefiz" ganz oben auf dem Programm, auch das Musiktheater darf gerne um eine Finanzspritze anfragen. Für die hochwertigen Head-Sets (30 000 Euro) wird MuT von anderen Vereinen beneidet. "Das war viel Geld. Aber ich habe gesagt, das schaffen wir!" Kupke hat noch mehr geschafft: Das größte "Baby", das Orchester, ist flügge. Zum fünfjährigen Bestehen, berichtet Kupke, habe das Symphonieorchester mitgeteilt, dass es keine Förderung mehr benötige. Für die Frau, deren Wurzeln in der Musikstadt Wien liegen, war dies die schönste Nachricht des Jahres. Ein Landkreis ohne Orchester ginge gar nicht, hat sie bestimmt und vehement beim Aufbau angeschoben.

Gleiche Chancen

Bei all den Projekten liegt der 67-jährigen Wiesauerin eines besonders am Herzen. Alle Kinder, sagt sie, "müssen die Chance bekommen auf Musikausbildung". Unabhängig vom Geldbeutel. Die Kinder lernten fürs Leben, würden selbstbewusster, übten sich im Team und würden bestens fürs Berufsleben geschult. Um finanzschwachen Familien zu helfen, hat Kupke sich sogar an Crowdfunding gewagt, obwohl die Arbeit "im Netz" nicht zu ihren Leidenschaften gehört. "Ich konnte über 3000 Euro an Spenden gewinnen", sagt sie heute stolz, denn das half sechs alleinerziehenden Mütter. Theodora Kupkes starke Stimme für die Musik ist in der Region nicht zu überhören. Derzeit ist sie um Nachwuchs im Verein und um eine Nachfolge bemüht, sagt die Frau, die nichts dem Zufall überlässt. Die finanzschwächeren Eltern, wünscht sie sich, sollen sich gerne mutig melden. Es sei Geld für eine Förderung da. "Wir finden Sie nicht, wenn Sie sich nicht outen", appelliert Theodora Kupke an Eltern und Alleinerziehende, sich ohne Scheu bei ihr zu melden.

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