Wiesau
17.10.2018 - 13:06 Uhr

Neue Halle statt Sanierung

Der Zeitplan ist sportlich, aber das passt zum Thema. Noch im November muss der Antrag raus, um die höchste staatliche Förderung für eine neue Dreifachturnhalle beim Stiftland-Gymnasium zu bekommen.

Im Wiesauer Rathaus begutachten (von links) Landrat Wolfgang Lippert, Franz Stahl, Roland Grillmeier, Planer Christian Kropf und Toni Dutz das Modell. Bild: as
Im Wiesauer Rathaus begutachten (von links) Landrat Wolfgang Lippert, Franz Stahl, Roland Grillmeier, Planer Christian Kropf und Toni Dutz das Modell.

Entscheiden muss der Kreistag am 16. November. Doch die Stimmen am Montag im Kreisausschuss - traditionell nach der "Karpfenkirwa" im Wiesauer Rathaus - waren eindeutig. Keiner der Anwesenden sprach sich für eine Sanierung aus. "Es gibt keine andere Variante für mich", unterstrich Landrat Wolfgang Lippert.

Zuvor hatte Roland Franz von der Hochbau-Abteilung des Landkreises die Schäden dargelegt, die dem 1976 fertiggestellten Gebäude beim Stiftland-Gymnasium zusetzen. "Da kommt der Stahl durch", beschrieb er zahlreiche Abplatzungen am Beton. An allen tragenden Teilen müsse etwas gemacht werden. Es gebe Schäden an den Fenstern und der Dachabdichtung, das Wasser sammle sich auf dem Flachdach und laufe nach innen, Rost und Schimmel seinen die Folgen. "Man behilft sich ganz klassisch mit Eimern", beschrieb Franz die Methode, die schon im Gymnasium vor der Sanierung ein Dauerthema war.

Erneuerungsbedürftig seien auch Heizung und Sanitäranlagen. Zudem müsste die Lüftung ersetzt werden, was eine höhere Auflast für das Dach und Probleme mit der Statik mit sich bringe, erklärte Franz. "Seit Reichenhall haben sich die Werte geändert", spielte er auf die Konsequenzen aus dem Einsturz der Eishalle an. Daraus entstünden "unwägbare Kosten", die einen rechnerischen Vorteil bei einer Sanierung der Halle rasch zunichte machen würden.

Christian Kropf, ebenfalls von der Abteilung für kreiseigene Gebäude, stellte einen Neubau anhand eines Modells vor. Das hatte man in Zusammenarbeit mit der Waldsassener Realschule vorbereitet. Die 46 mal 46 Meter große Halle würde etwas breiter als der Altbau und mit einem gläsernen Steg ans Gymnasium angebunden, ein Aufzug sorgt für barrierefreien Zugang. Die Tribüne würde etwas verkleinert, aber noch für 150 Personen reichen. Auch für das "Kleinod Boulderraum", wie Kropf die vom Alpenverein eingebaute Anlage nannte, ist ein Platz vorgesehen. Besonders hob er den vorgesehenen Mehrzweckraum mit großem Spiegel hervor: "Das ist wie eine vierte Turnhalle." Auch eine kleine Küche für die Nutzung durch Vereine ist vorgesehen.

Entscheidender Vorteil für diese Lösung statt einer Sanierung: "Während der gesamten Bauzeit steht eine Sporthalle zur Verfügung." Erst würde ein Ersatz-Allwetterplatz gebaut, dann an der alten Stelle mit dem Neubau begonnen und erst danach die alte Halle abgerissen. Die frei werdende Fläche stünde anschließend als Pausenhof zur Verfügung.

Besonders stellte Christian Kropf die Zusammenarbeit mit der Schulleitung schon im Vorfeld der Planungen heraus. Man habe sich einige Hallen angesehen und die besten Ideen zusammengetragen. Zu den Vorteilen des Neubaus gehörten ein besserer Schallschutz durch geschlossene Hallenteile und Energieeinsparungen durch Photovoltaik auf dem Dach.

Hintergrund:

Neubau kostet 7,2 Millionen Euro

Eine Generalsanierung der Halle würde rund 5,2 Millionen Euro kosten, legte Christian Kropf von der Hochbau-Abteilung im Kreisausschuss dar. Abzüglich der Förderung bleibe ein Eigenanteil von knapp 1,7 Millionen Euro. Zusätzliche Kosten durch Erfüllung der neuen statischen Normen seien da noch nicht einbezogen. Ein Neubau der Halle wird mit etwa 7,2 Millionen Euro kalkuliert. In diesem Fall hätte der Landkreis etwa 2,4 Millionen Euro zu tragen. Zusätzlich wäre bei diesem Modell der Neubau eines Allwetterplatzes für rund 315 000 Euro nötig (Eigenanteil 105 000 Euro). (as)

Hintergrund:

Landkreis lernfähig

Mit Generalsanierungen hat der Landkreis nicht die besten Erfahrungen gemacht. So gab es bei der Berufsschule in Wiesau statische Überraschungen, die etliche Millionen Euro kosteten. "Vieles, wenn nicht alles spricht für einen Neubau", warf sich CSU-Fraktionssprecher Toni Dutz für einen Neubau der Sporthalle ins Zeug. "Wir sind ja lernfähig", pflichtete ihm Landrat Wolfgang Lippert bei. "Hüten wir uns vor einer Ertüchtigung."

Den eindeutigen Trend zum Neubau unterstrich Ely Eibisch (Freie Wähler). Ebenso Uli Roth (SPD), der selbst am Gymnasium unterrichtet und die Vorzüge des Neubaus für die Schüler herausstrich. Statt eines Flachdaches regte er ein leichtes Pultdach an, das sich besser mit einer Photovoltaik-Anlage vertrage. "Mit einer Sanierung schießen wir uns ins eigene Bein", sprach sich auch Marco Vollath (Zukunftsliste) für einen Neubau aus. Allerdings stellte er die Notwendigkeit von Boulderraum und Mehrzweckraum in Frage. Hier erntete Vollath breiten Widerspruch. "Die Schüler lieben den Boulderraum", sagte Roth. Das sei kein Luxus, fand auch Dutz: "Wir sollten nicht an attraktiven Stellen für die Schüler und die Allgemeinheit sparen." Bernd Sommer (CSU) pflichtete bei: "Nichts Schlimmeres, als nur Durchschnitt zu bieten."

Das Modell zeigt links das Gymnasium, leicht versetzt den Neubau der Dreifachhalle und dazwischen den neu entstandenen Pausenhof, rechts den bestehenden Sportplatz mit der Laufbahn. In der Mitte im Hintergrund ist das Hallenbad zu sehen. Daneben ist der neue Allwetterplatz geplant. Bild: as
Das Modell zeigt links das Gymnasium, leicht versetzt den Neubau der Dreifachhalle und dazwischen den neu entstandenen Pausenhof, rechts den bestehenden Sportplatz mit der Laufbahn. In der Mitte im Hintergrund ist das Hallenbad zu sehen. Daneben ist der neue Allwetterplatz geplant.
Christian Kropf von der Hochbau-Abteilung des Landratsamtes erklärt Roland Grillmeier (links) und Toni Dutz Einzelheiten zum Modell der neuen Dreifachhalle. Bild: as
Christian Kropf von der Hochbau-Abteilung des Landratsamtes erklärt Roland Grillmeier (links) und Toni Dutz Einzelheiten zum Modell der neuen Dreifachhalle.
Blick vom Schulsportplatz auf die alte Sporthalle: Der Neubau ist links daneben geplant. Bild: as
Blick vom Schulsportplatz auf die alte Sporthalle: Der Neubau ist links daneben geplant.
An der Stelle des roten Allwetterplatzes ist die neue Halle geplant. Das alte Gebäude würde anschließend abgerissen. Bild: as
An der Stelle des roten Allwetterplatzes ist die neue Halle geplant. Das alte Gebäude würde anschließend abgerissen.
 
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