23.07.2019 - 08:00 Uhr
WiesauOberpfalz

Das Schwitzen lohnt sich

Die EDV-Schule in Wiesau bietet jetzt auch Informatiktechniker aus. Unternehmer rollen für die Absolventen den roten Teppich aus.

Die Studiendirektoren Hartmut Seidler (Fachberater für besondere Aufgaben, stehend links) und Dr. Hermann Körner (stellvertretender Schulleiter, stehend Mitte), freuen sich, in den EDV-Schulen nun auch den begehrten Berufszweig "Informatiktechniker" anbieten zu können.
von Ulla Britta BaumerProfil

Still ist es im Klassenzimmer der EDV-Schulen Wiesau. Die Köpfe der - durchwegs erwachsenen - Schüler sind nicht erhoben und in Richtung PC-Bildschirm gerichtet. Nein, die angehenden Informatiktechniker beugen sich ausnahmsweise mal über ihre Tische, schreiben an einer Schulaufgabe und schwitzen - nicht nur wegen der Hitze draußen.

Was diese Schüler hier lernen und was ihnen dabei abverlangt wird, ist Fachwissen erster Güte - für die Industrie 4.0. Bewältigen sie die heutige Schulaufgabe wie andere Prüfungen und Anforderungen auch mit guten Noten, sind diese Männer wenig später nach ihrem Abschluss in der IT-Branche heiß begehrt. Der Fachschule werden die Absolventen bereits seit Jahren regelrecht aus den Händen gerissen - teils noch vor dem formalen Abschluss. Relativ neu ist da der Boom um die Absolventen der Fortbildung für Informatiktechniker. Wie die Wirtschaftsinformatiker rollen die Unternehmer auch den Schülern dieser Abteilung den roten Teppich aus. "Vor drei Jahren wurde diese Fortbildung bei uns eingerichtet", berichtet Körner. Grund sei der Nachfrageboom, die Technikbranchen verlangten "nach neuen, guten Leuten".

Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum staatlich geprüften Informatik-Techniker. Und nicht jeder, so Körner, könne sich hierfür bewerben. Grundvoraussetzung ist eine Berufsausbildung. "Mindestens ein Jahr", betont Körner weiter. Das vorherige Berufsbild sollte branchennah sein, nennt er Beispiele wie Elektriker oder Mechatroniker. Auch Fachkräfte aus dem Automatisierungsbereich und sämtlichen technischen Bereichen könnten sich hier weiterbilden. Dabei ist die Ausbildung selbst nicht das Ausschlaggebende. "Ganz großen Wert wird auf Praxiserfahrung gelegt", so der Schulleiter.

Viele Fördermöglichkeiten

Wer sich beruflich weiterbewegen möchte und dafür seinen Job erst einmal für zwei Jahre aufgeben muss, wird staatlich unterstützt: Körner spricht unter anderem von finanziellen Fördermöglichkeiten wie einem Aufstiegs-BaföG, in Ausnahmefällen einem Schüler-BaföG, einer Fördermöglichkeit für Bundeswehrsoldaten, ein Darlehen des Bundes sowie einer einmaligen Ausbildungsprämie für alle in Höhe von 2000 Euro. Die jungen Männer der Informatiktechniker-Klasse sind zwischen 21 und 35 Jahre alt. Pro Jahrgang kann Körner etwa 18 Schüler am Ende der Ausbildung ins neue Berufsleben entlassen.

Was die Absolventen für ihre Mühen bekommen, kann sich sehen lassen. Körner: "Alle erhalten mit bestandener Prüfung die allgemeine Hochschul-Zulassung." Zudem gelte der Abschluss als deutsch-europäische Qualifizierung, was weitere Karrieremöglichkeiten im Ausland verspricht. Körner erklärt den Stellenwert als vergleichbar mit "Niveau 6".

Die Schüler erhielten die gleiche Qualifizierung wie Bachelor-Hochschulabsolventen. Möchten die fertig ausgebildeten Informatiktechniker sich nicht mit einem Folge-Studium auseinandersetzen, sind sie dennoch gesuchte Leute - als Informatiker, in der Administration, als Projektmanager, in Führungspositionen im mittleren Management bis hin zum Berater oder Dozenten. Nahezu jede Branche, die nach Industrie 4.0 arbeitet, benötigte inzwischen Informatiktechniker, erklärt Körner. Er nennt Berufsfelder in der Steuerungstechnik, Netzwerktechnik, Betriebssystemanbieter sowie Anbieter von digitalen Transformationen.

Job- Praktikantenbörse

Ein weiteres Plus, das für eine Ausbildung spricht: Die Wiesauer kümmern sich sogar vor Ort und lange vor dem Abschluss ihrer Schüler um einen geeigneten Arbeitsplatz für jeden. Dabei kommt eine bewährte Einrichtung ins Spiel, auf die Schulleiter Körner sehr stolz ist. Jährlich einmal findet in den EDV-Schulen eine Job- und Praktikantenbörse statt. An zwei Tagen präsentieren sich direkt in der Schule gut zwei Dutzend Unternehmen.

Fit für Industrie 4.0:

Hintergründe und Kontakte

Die Fachschule für Datenverarbeitung, Abteilung Fortbildung Informatiktechniker mit Abschluss zum staatlich geprüften Informatiktechniker, dauert zwei Jahre. Ausbildungsziel ist, die Schüler für die Industrie 4.0 fit zu machen.

Unter anderem geht es um die Bedienung von Industrie-Robotern, um Programmieren, Netzwerktechnik, digitalisierte Transformationen, Steuerungstechnik.

Bewerber müssen eine mindestens einjährige Berufspraxis mitbringen. Sie erfahren eine qualifizierte Ausbildung in Programmierung, SPS und Softwaretechnik. Weiter wird ein Spektrum vom Aufbau eines Netzwerkes über das Erstellen von Websites bis hin zu gängigen Betriebssystemen Lerninhalt sein.

Mit der Ausbildung kann die Fachhochschulreife erworben werden, die Schüler können ihre Ausbildereignungsprüfung ablegen und weitere Qualifikationen erhalten, je nach persönlicher Beteiligung. Zu den Pflichtfächern gehören unter anderem - außer fachspezifischem Unterricht - auch Mathematik, Englisch, Deutsch, Betriebspsychologie sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Als Wahlfächer stehen zum Beispiel Berufs- und Arbeits-pädagogik sowie Projektarbeit auf dem Stundenplan.

Infos: Dr. Hermann Körner, Telefon 0 96 34 / 920 20, E-Mail an edv-schulen[at]bs-wiesau[dot]de.

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