22.11.2019 - 18:42 Uhr
WiesauOberpfalz

Über 14 Millionen Euro in Wiesau in die Köpfe der Zukunft investiert

Auf dem roten Teppich empfingen die Verantwortlichen des Beruflichen Schulzentrums am Freitag ihre Gäste, die zur Einweihung des Erweiterungsbaus und des sanierten Klassentraktes gekommen waren. 14,36 Millionen Euro wurden dafür verbaut.

Schulleiter Wolfgang Eckstein spricht in der neuen lichtdurchfluteten Aula zu den zahlreichen Ehrengästen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Schulleiter Wolfgang Eckstein bedankte sich, weil alle relevanten Seiten sämtliche Mittel voll ausgeschöpft hätten, damit so ein funktionaler wie auch optisch ansprechender Bau verwirklicht werden konnte. Notwendig sei er letztendlich geworden, weil die Schülerzahl stetig wachse (ein bis drei Prozent jährlich). 2015 sei der Spatenstich erfolgt. Es seien Klassen ausgelagert, Schulleitung und Administration in Containern untergebracht worden. So sei ein großzügiger zentraler Mittelpunkt entstanden.

Akademisches Niveau gehalten

Trotz einer schwierigen Umbauphase habe das akademische Niveau gehalten werden können. So rangierten leistungsmäßig die Programmierer seit zehn Jahren deutschlandweit auf Platz eins. Im vergangenen Jahr hätten auch die Hotelfachleute neue Maßstäbe gesetzt. "Bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Hotel Adlon in Berlin holten sie drei Mal Gold und drei Mal Silber", so Eckstein. Das sei in der Nachkriegsgeschichte einmalig. Die Berufsfachschule für Hotel- und Tourismusmanagement verfüge über Praktikumsplätze in Südostasien, Mittelamerika und Mexiko. Als ein Novum bezeichnete der Sprecher die hervorragende Zusammenarbeit mit hiesigen Hoch- und Fachhochschulen. Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo zitierte angesichts des Bauwerks ein schwedisches Sprichwort, nachdem jedes Kind drei Lehrer brauche. Einer davon sei der Raum, in dem gelehrt werde, ein Faktor, der nicht unterschätzt werden dürfe. Dafür habe der Freistaat nun in Wiesau etwa 7 und der Landkreis 7,5 Millionen Euro investiert, was für die Bildungsregion Landkreis Tirschenreuth spreche.

Kooperation und Vernetzung

"Wir investieren gerne in unsere Köpfe, nicht nur in den Metropolen", sagte der Minister. Bildung sei die Zukunft für die gesamte Gesellschaft in allen Bereichen. Die Wiesauer Schule zeichne sich durch vielfältige Kooperationen und Vernetzung aus. Die Partnerschaft mit der Universität Pilsen wertete er als Vertiefung der Freundschaft mit dem Nachbarland. Die berufliche Bildung insgesamt und unser duales Schulsystem sei überall bekannt, sei längst eine Marke. Schon oft sei versucht worden, es zu kopieren aber die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis funktioniere nur im eigenen Land wirklich. Die praktische Ausbildung gekoppelt mit gleichzeitigem Studium sei gleichwertig zur akademischen Ausbildung. Die Jugendarbeitslosigkeit in Bayern liege bei 2,8 Prozent, bundesweit bei 4,7 in der EU bei 14,3 Prozent. In Spanien, Italien und Griechenland betrage sie sogar rund 40 Prozent, trotz hoher Akademikerquote. In Wiesau habe man perfekte Voraussetzungen für die IT sichergestellt. Technik sei aber nur eine Seite. Genauso wichtig sei die Pädagogik. "Mir ist ein guter Unterricht mit Kreide an der Tafel lieber als ein schlechter am Smartboard."

Für Landrat Wolfgang Lippert steht fest: "Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen bilden das Fundament für die berufliche Qualifizierung." Das Wiesauer Berufsbildungszentrum stehe heute vor der Herausforderung Industrie 4.0. Es habe überregionale Bedeutung. Mit Rolladenbauern, Mechatronikern, länderübergreifenden Sprengeln, IT-Berufen, mathematisch technischen Softwareentwicklern sowie Hotel- und Tourismusmanagement und, ganz wichtig, "mit Kooperationen mit OTH Amberg/Weiden, OTH Regensburg, der Hochschule in Hof, und der westböhmischen Uni Pilsen werden große Bereiche beruflicher Bildung abgedeckt."

Seit 1962 an diesem Standort

Das erste Gebäude auf dem Standort sei 1962 gebaut worden. 1975 bis '78 sei der Erweiterungsbau im Bereich EDV-Schulen hinzugekommen, 1978-79 folgten die Bauhallen, 1980-84 entstanden die Bereiche Holz und Agrar. 1986 wurde die Verwaltung umgebaut. Die Dreifachturnhalle entstand von 1984 bis '86. Im Jahr 1988 wurde generalsaniert. Alles in allem eine Aneinanderreihung unterschiedlicher Baukörper aus unterschiedlichen Zeiten. Aktuell werden im BSZ 1886 Schüler unterrichtet. Regierungspräsident Axel Bartelt lobte: "Ab heute spielt Wiesau in der Championsleague der bayerischen Berufsbildungszentren." Hier sei ein echter Bildungscampus unter dem Dach der BSZ mit einer Vielzahl von Schularten entstanden. In der Staatlichen Berufsschule mit den Bereichen Wirtschaft, Metall, Bau, Holz sowie Hotel und Gastgewerbe und den drei Berufsfachschulen für IT-Berufe, Hotel- und Touristikmanagement und Gastgewerbliche Berufe sowie einer Fachschule für Wirtschaftsinformatik lehrten in 85 Klassen 90 hauptamtliche und 10 nebenberufliche Lehrkräfte.

Hochschulgemeinde Wiesau

Der Vorsitzende des Berufsschulbeirats, Bürgermeister Toni Dutz sagte: "Willkommen in der Hochschulgemeinde Wiesau". Denn im Bereich Hotel und Tourismus sei es möglich, in drei Jahren den Bachelor- oder in vier Jahren den Masterabschluss zu absolvieren.

Architekt Wolfgang Obel vom verantwortlichen gleichnamigen Büro aus Donauwörth gestand, dass er bisher die Oberpfalz unterschätzt habe. "Hier ist wahnsinnig viel Kompetenz vorhanden", sagte der Sprecher, dessen Büro bereits mehr als 100 Schulen in ganz Bayern saniert oder gebaut hat. Die Diversität in der Gesellschaft werde größer. Deshalb hielt er ein flammendes Plädoyer für großzügige Schulbauten. An Landrat Wolfgang Lippert und Schulleiter Wolfgang Eckstein überreichte er den "Goldenen Schlüssel". Die Pfarrer Markus Nees und Martin Schlenk segneten das neue Gebäude.

Was von außen als zweckorientierte Bau daherkommt, kann durch die Innenarchitektur gewaltig punkten.U
Kultusminister Michael Piazolo und Schulleiter Wolfgang Eckstein (von links)
Bürgermeister und Vorsitzender des Berufsschulbeirats, Toni Dutz (rechts) überreichte dem Minister ein Fischkochbuch und hatte für die Schule ein Glaswappen mitgebracht.
Kultusminister Piazolo war voll des Lobes über das BFZ.
Drei Mal Wolfgang: Architekt Wolfgang Obel (Mitte) überreichte Landrat Wolfgang Lippert (links) und Schulleiter Wolfgang Eckstein den "goldenen Schlüssel".
Regierungspräsident Axel Bartelt bei seiner Ansprache.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.