31.01.2020 - 13:37 Uhr
WiesauOberpfalz

Über die Risiken beim Umgang mit den Finanzen

Korruption, Untreue, manipulierte Zahlen: „Nicht selten geraten auch Kämmerer und Bürgermeister ins Visier der Ermittler“, warnt Daniel Völkl. Das Szenario ist aber nur eine Warnung, mit der er die Markträte konfrontiert.

Gemeinderäte aus Wiesau (vorne) und Falkenberg (hintere Reihe) informierten sich im Wiesauer Rathaus über Kontrollmechanismen beim Umgang mit den Finanzen.
von Werner RoblProfil

Verwaltungsangestellter Daniel Völkl ist für die Finanzen in der Verwaltungsgemeinschaft Wiesau/Falkenberg zuständig. Sein Informationsvortrag über die Notwendigkeit eines - derzeit noch nicht geforderten - Tax-Compliance-Management-Systems war Tagesordnungspunkt einer gemeinsamen Marktratssitzung, zu der auch die Marktgemeinderäte aus Falkenberg mit Bürgermeister Herbert Bauer an der Spitze nach Wiesau ins Rathaus eingeladen worden waren.

"In den Kommunen und kommunalen Unternehmen wird darüber viel diskutiert", hob Völkl an, um die Anforderungen für ein empfohlenes Kontrollsystem darzulegen. "Ich möchte Ihnen aufzeigen, was hinter den Kulissen steckt", versprach der Finanzfachmann. Völkl legte viel Wert darauf, die Problematik mit einfachen und verständlichen Worten - ergänzt mit Fallbeispielen - aufzuzeigen.

Völkl schickte voraus, dass auch die Kommunen in vielen Bereichen der Steuerpflicht unterliegen. Als Beispiel nannte er - "nur mal im Kleinen" - den Verkauf von Familienstammbüchern. "Der Markt Wiesau verleiht gegen ein Entgelt ein Gemeindemobil." Anhand eines weiteren Beispiels erklärte er die Problematik bei Zuwendungen und der Ausstellung von entsprechenden Spendenquittungen. Man müsse sich schon im Klaren sein, dass die Vorgänge ordnungsgemäß behandelt, verbucht beziehungsweise in der Steuererklärung korrekt angegeben werden müssen, mahnte der Referent. Sanktionen bei Verstößen wären die Folge und der "Super-GAU für Bürgermeister, Markträte und die Verwaltung".

Strukturen prüfen

"Vorsatz oder Fahrlässigkeit? Der Unterschied ist wachsweich", mahnte der Referent. "Wie aber kann man diesen Super-GAU vermeiden?" Völkl empfahl, die aktuellen Strukturen im Rathaus auf den Prüfstand zu stellen. "Die Anforderungen werden nicht weniger", erinnerte der Finanzexperte an das immer wieder angepasste Steuerrecht. "Die Komplexität und die Anforderungen an die Dokumentationspflicht steigen ständig." Jüngstes Beispiel sei die umstrittene Bon-Pflicht, die seit Anfang des Jahres für viel Diskussion sorge.

Razzia in Lindau

"Es entstehen immer mehr Risiken. Das Steuerstrafrecht wurde verschärft", warnte Völkl eindringlich, nichts auf die leichte Schulter zu nehmen. An anderer Stelle erinnerte er an das prominente Beispiel, als ein Fußballfunktionär rechtskräftig wegen eines Steuervergehens verurteilt wurde. Völkl wurde noch deutlicher: "Erinnern Sie sich auch an die Razzia in Lindau und an die dortigen Ermittlungen vor rund einem Jahr. Im Visier der Steuerfahnder standen der Bürgermeister der Stadt und der Kämmerer im Lindauer Rathaus. Grund für die Durchsuchungen war der Verdacht der Steuerhinterziehung." Daniel Völkl fasste zusammen: "Wir brauchen ein internes und immer wieder aktualisiertes Kontrollsystem. Wie es ausgearbeitet wird, bleibt uns überlassen."

Geschäftsleiter Thomas Weiß bat, den Vortrag nicht falsch zu verstehen. "In der Verwaltung wird schon immer gut gearbeitet. Wir haben Richtlinien, an die wir uns halten. Aber es muss eine Übersichtlichkeit erstellt werden", mahnte der Geschäftsleiter. "Es muss eine Systematik dahinterstecken", ergänzte Weiß und ließ erkennen, dass man sich im Rathaus - auch wenn noch keine Umsetzungspflicht besteht - zeitnah darüber Gedanken machen werde.

Was versteht man unter Tax-Compliance-Management-System? Antworten darauf gab der Finanzfachmann im Rathaus, Daniel Völkl (links).
Daniel Völkl (links) hob hervor: „Noch ist das Kontrollsystem keine Pflicht.“ Von der Notwendigkeit aber sei er voll überzeugt.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.