06.01.2020 - 09:28 Uhr
WiesauOberpfalz

Umweltschutz auch im Kleinen

Viele Gäste, darunter ein Prinzenpaar, Sternsinger und vier Geistliche beider Konfessionen: Der Neujahrsempfang im Rathaus Wiesau bot ein beeindruckendes Bild. Anders als sonst begann der Abend aber mit Schweigen.

Bürgermeister Dutz ließ erkennen, dass ihn manches ärgerte. Über viele kleine und große Dinge aber durfte er sich auch freuen, bekannte der Wiesauer.
von Werner RoblProfil

Nicht wie sonst heiter, sondern zunächst verhalten, startete Bürgermeister Toni Dutz den Jahresauftakt im Rathaussaal. Er empfahl, ein wenig inne zu halten. Vor wenigen Tagen waren Sigrid Eger, Leiterin des städtischen Kindergartens in Mitterteich und NT-Berichterstatterin, sowie der ehemalige Chef am Beruflichen Schulzentrum, Karl Heinz Härtl, verstorben. "Das Neujahrstreffen ist auch ein Anlass, an die zu denken, die von uns gegangen sind", bat Dutz um eine Schweigeminute.

Erneut hatten sich wieder viele Bürger im Rathaussaal eingefunden, um auf das neue Jahr anzustoßen. Gekommen waren mit Pfarrer Markus Nees, Pater Charles John, Martin Schlenk und dem ehemaligen Ortspfarrer, Max Früchtl, auch die Vertreter zweier Konfessionen. Ihre Aufwartung machte auch das Faschingsprinzenpaar Teresa I. und Jonas I. von der Faschingsgesellschaft Weiß-Blau. Wenig später stieß eine fünfköpfige Delegation der Sternsinger mit Weihnachtsgrüßen hinzu, um die große Zahl der Gäste zu vervollständigen. Musikalisch umrahmt wurde das Treffen vom Gesangverein Schönhaid unter Leitung von Gottfried Hofmann, später auch von der Falkenberger Zoiglmusik.

Umdenken beim Feuerwerk

In seiner Ansprache verglich der Bürgermeister den Jahreswechsel mit einem "gut ausbalancierten" Gipfelkreuz auf einem Berg. "Gleich als erstes verrate ich euch, was mich 2019 geärgert hat", erklärte Dutz. Ihn bringe es immer wieder auf die Palme, "wie wir leichtfertig mit unserem Planeten umgehen". Er erinnerte an die Nachrichten vom Amazonas-Urwald, an die "Wucht und Häufigkeit" der Wirbelstürme sowie an Trockenzeiten. Zuletzt kam der Bürgermeister auch auf das Feuer in Australien zu sprechen. "Und wir tun so, als ob uns das alles nichts angehen würde."

Dutz forderte ein Umdenken, auch in kleinen Dingen. "Verzichten wir auf Einwegverpackungen, machen wir aus dem englischen Rasen rund ums Eigenheim eine Bienenweide, die nur noch ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird." Als erschreckend bezeichnete er den Müll beim Silvesterfeuerwerk in Wiesau, für das Dutz schon eine Lösung - Stichwort gemeinsames Silvesterschießen und "daher auch eine einfachere Müllentsorgung" - parat hat. "Darüber werden wir in den kommenden Monaten sprechen. Wir sind bemüht, eine freiwillige Lösung zu finden", so der Bürgermeister. "Etwas anderes aber hat mir in den vergangenen Monaten sehr gefallen", erinnerte Dutz an das beachtliche, ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde. Dies sei unbezahlbar.

In Menschen investieren

An anderer Stelle sprach der Rathauschef von einem "konservativen Kurs", der sich für den Ort gerechnet habe. "Wir haben die Pro-Kopf-Verschuldung trotz der vielen Investitionen senken können." Auch 2020 könne die Kommune einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. "Die Fördergelder machen es möglich, Spielräume zu nutzen." Oberste Priorität habe das Wohl aller Gemeindebürger.

Im Verlauf seiner Rede erinnerte Dutz unter anderem an das Interkommunale Gewerbegebiet, die Sanierung des Bahnhofes und die geplante Dorferneuerung in Triebendorf. "Wir müssen uns aber auf das Wesentliche konzentrieren. Auf das, was die Zukunft unserer Gemeinde sichert." Dazu gehöre die kommunale Infrastruktur, eine nachhaltige Klimapolitik und die fortschreitende Digitalisierung.

"Wir werden auch im kommenden Jahr nicht in Steine, sondern in Menschen investieren", erklärte der Bürgermeister. Wiesau müsse ein Ort bleiben, "wo sich alle gut aufgehoben fühlen". Mit dem Seniorenvertretern habe man Gespräche geführt. "Entstanden ist ein nachhaltiger Plan." Zudem wolle man ein Angebot für die Jugend und - mit Blick auf das neue Kreuzberger Wohngebiet "Am Sonnenhang" - auch eines für Bauwillige schaffen.

Dutz dankte allen, die sich positiv einbringen, um den Ort voranzubringen. Erfolg habe drei Buchstaben: "Tun." Der Sprecher folgerte: "Wenn man will, dass das Jahr erfolgreich wird, muss man im Januar damit anfangen."

Hintergrund:

Mehr Bescheidenheit und Sorgfalt mit der Natur

"Die Oberpfalz ist zu einer Region geworden, auf die wir stolz sein dürfen", stellte stellvertretender Landrat Roland Grillmeier fest. Die große Besucherzahl beim Neujahrsempfang sei ein Zeichen, dass man engagiert zu seiner Gemeinde stehe. Zudem versprach der Mitterteicher Bürgermeister mit Blick auf das gemeinsame Mittelzentrum: "Wir werden die positive Entwicklung auch weiterhin fortsetzen."

Pfarrer Markus Nees bedauerte die "Widrigkeiten, die wir nicht vorhersehen können". Mitgebracht hatte der katholische Geistliche eine kleine Auswahl von Segenswünschen. Pfarrer Martin Schlenk von der evangelischen Kirchengemeinde mahnte zu mehr Bescheidenheit und zu mehr Sorgfalt mit der Natur. Mit Blick auf den christlichen Glauben empfahl der Mitterteicher Seelsorger: "Machen Sie es wie mit dem Schwimmen. Probieren Sie es einfach mal aus." (wro)

Wie schon die Jahre zuvor, war der Neujahrsempfang im Wiesauer Rathaus gut besucht.
Beim nächsten Neujahrsempfang wird die Falkenberger Zoiglmusik wohl nicht mehr auftreten. „Aber ich lade euch für 2021 trotzdem ein. Wenn auch 'nur' als Gäste“, blickte Bürgermeister Toni Dutz (rechts) voraus.
Evi und Toni Dutz, Franz Stahl, Roland Grillmeier, Alfred Scheidler und die Pfarrer Martin Schlenk und Markus Nees (von links) stießen gemeinsam auf 2020 an.
Der Besuch der Sternsinger, die am Neujahrsempfang die Weihnachtsgrüsse überbringen durften, ist zu einer schönen Tradition geworden.
Mit je einem Buch bedankte sich Bürgermeister Toni Dutz bei den Pfarrern Markus Nees (rechts) und Martin Schlenk (links) für die gute Zusammenarbeit.
Gekommen, um das neue Jahr willkommen zu heißen, war auch das Prinzenpaar Theresa I. und Jonas I.
Gesanglich umrahmt wurde der offizielle Teil vom Gesangverein aus Schönhaid unter der Leitung von Gottfried Hofmann.
Grußworte überbrachte auch der Bürgermeister von Mitterteich und stellvertretende Landrat Roland Grillmeier (rechts).
Neujahrsempfang 2020 im Wiesauer Rathaus
Neujahrsempfang 2020 im Wiesauer Rathaus
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