04.03.2019 - 15:06 Uhr
WiesauOberpfalz

Wertvoller Schlüsselpartner

"Wir erleben in den vergangenen Jahren eine fast glänzende Zeit", äußerte sich Kristina Larischová in einem Interview vor einem dreiviertel Jahr mit Radio Prag. Mehr dazu sagt die tschechische Generalkonsulin bei einem Vortrag in Wiesau.

Im Bild der Vorsitzende der Europa Union, Uwe-Karsten Mühlenbeck, 2. Vorsitzende Inge Pannrucker, Toni Dutz, Kristina Larischová und Europa Union Vorstandsmitglied Peter Gold.
von Werner RoblProfil

Die Europa-Union im Landkreis hatte aus Anlass der bevorstehenden Europawahlen die tschechische Generalkonsulin Kristina Larischová zu einem Vortrag in den Rathaussaal nach Wiesau eingeladen. Mit Blick auf die Europaflagge bekannte Peter Gold, der die Veranstaltung moderierte: "Die Europawahl ist wichtig." Die Einheit sei ein Garant für den Frieden, für die Freiheit und für den Wohlstand. "Europa besitzt einen hohen Stellenwert. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Tschechien haben sich in erfreulicher Weise gut entwickelt." Beider Aufgabe aber müsse es sein, verstärkt für den Frieden zu arbeiten.

An Einheit festhalten

"Ich halte es für verheerend, wenn England die EU verlässt", bekannte Gastgeber Toni Dutz. "Wir brauchen die Familie Europa. Friede und Freiheit über so lange Zeit sei ein Traum, den man noch vor Jahrzehnten nicht für möglich gehalten habe. "Wir dürfen stolz darauf sein", mahnte Dutz an der Einheit festzuhalten. In ihrer Rede zum Thema "Die bilateralen Beziehung von Tschechien und Deutschland - eine Chance für Europa" erklärte Generalkonsulin Kristina Larischová: "Die Beziehung zwischen den beiden Staaten ist tatsächlich eine Chance." Tief beeindruckt zeigte sie sich von der Geste, dass draußen am Rathausvorplatz, neben der Europaflagge, auch das Banner Tschechiens im Wind flatterte. "Das tut gut", sagte sie.

Nicht jeder aber sei begeistert von der Idee "Europa", kommentierte sie die aktuelle Stimmung. Das bedaure man, ergänzte die Vertreterin Tschechiens, die seit 2017 ihr wichtiges Amt in München übernommen hat. Positive Beziehungen zu Deutschland hätten in ihrem Heimatland eine hohe Priorität, betonte sei. Die anfängliche Skepsis nach dem Fall der Grenze und der Abtrennung der Slowakei sei gewichen. "Wir wurden von Ängsten verfolgt. Inzwischen aber macht sich Aufbruchstimmung breit." Man spreche in ihrem Land zusehends von einer Erfolgsstory, betonte sie mit Blick auch auf die niedrigen Arbeitslosenzahlen und die steigende Zahl an Unternehmensgründungen.

Mit Stolz könne man auch auf den "Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds" blicken, der Brücken baue. "Die Beziehungen sind robust, vertrauensvoll und nachhaltig." Deutschland sei ein wertvoller Schlüsselpartner geworden. "Wir sind stolz, dass die Probleme und die zukunftsorientierten Themen offen angesprochen werden." Die Generalkonsulin stellte fest: "Die Chance Europa ist bei uns angekommen." Man sei aber auch gefordert, weiter daran zu arbeiten.

Fachkräftemangel

Die wirtschaftliche Lage habe man dank der erfolgreichen Umorientierung in deutlich positive Bahnen lenken können. "Erfolge erzielen wir auch auf den europäischen Märkten." Für Lacher sorgte der Gast mit einem sportlichen Vergleich: "Inzwischen sind wir zum FC Bayern München unter den östlichen Handelspartnern geworden. Darüber sind wir sehr glücklich." Eines aber beschäftigt auch das Nachbarland: "Wir haben dasselbe Problem und das heißt Fachkräftemangel." Den nahenden Brexit bezeichnete Larischová als eine Niederlage und eine Entscheidung wider die Vernunft.

Deutlich verbessert hätten sich auch die politischen Beziehungen, betonte Larischová. "Aus dem kalten Verhältnis wurde eine freundschaftliche Partnerschaft. Wir freuen uns auf einen signalwirkenden Besuch eures Ministerpräsidenten." Dies alles aber sei kein Selbstläufer, betonte die Sprecherin. "Wir müssen versuchen, das Miteinander auf eine solide Basis zu stellen." Ein Manko aber bleibe, bedauerten die Gäste und dem stimmte Larischová zu: Nämlich die unterschiedlichen Sprachen. "Daran müssen wir noch arbeiten." Den Fragen, die ihr im Anschluss an die Rede gestellt wurde, zeigte sich der Gast offen.

Hintergrund:

Gewerbegebiet eine Chance

Der Veranstaltung vorangegangen war ein Acht-Augen-Gespräch mit Bürgermeister Toni Dutz, Mitterteichs Stadtoberhaupt Roland Grillmeier und Geschäftsleiter Thomas Weiß im Büro des Wiesauer Bürgermeisters. Ziel des Treffens mit Kristina Larischová war die Vorstellung des interkommunalen Gewerbegebietes am Wiesauer Ortsrand. „Das gemeinsame Oberzentrum Waldsassen/Cheb ist eine Chance, von der auch die Region profitiert“, hob Roland Grillmeier hervor. Es sei aber beiderseitige Unterstützung nötig, damit die Partnerschaft kein „Papiertieger“ bleibe, meinte Grillmeier. Für das gemeinsame Gewerbegebiet, das man der Generalkonsulin vorstellte, lägen auch Anfragen von tschechischen Unternehmen vor, verriet Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz. „Wir finden die Tatsache faszinierend“, fasste Roland Grillmeier zusammen.

„Wie kann ich helfen?“, wollte Kristina Larischová wissen. „Werben Sie für uns“, entgegneten Grillmeier und Dutz. „Wir betrachten die Beziehungen mit positiven Augen“, fügten die Nachbarbürgermeister hinzu. Damit biete sich auch die Möglichkeit, den Arbeitsmarkt weiter zu öffnen. „Deutsche können in der Tschechischen Republik Arbeit finden und umgekehrt.“ Man müsse die Menschen aus den „Speckgürteln“ der Großstädte wieder zurück in die Region holen, forderte Dutz, der mahnte, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Die Lebensqualität sei gut und die Lebensunterhaltskosten seien vergleichsweise günstig. „Das ist unsere Chance.“

„Ich werde ihr Modellbeispiel gerne bei uns vorstellen“, versprach die Generalkonsulin. „Lassen Sie mir die entsprechenden Unterlagen zukommen.“

Im kleinen Kreis stellten Toni Dutz, Thomas Weiß und Roland Grillmeier das neue Gewerbegebiet Kristina Larischová (von links) vor.
Die Veranstaltung leitete Europa-Union-Vorstandsmitglied Peter Gold. Zum Thema äußerte sich Generalkonsulin Kristina Larischová.
Generalkonsulin Larischová sprach über die bilateralen Beziehungen der beiden Nachbarländer Tschechien und Deutschland.
Dem Vortrag im Rathaus lauschten viele Interessierte.
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