04.11.2019 - 15:25 Uhr
WiesauOberpfalz

Wiesauer Berufsschüler helfen bei Nachbau von Geheimradio

Seit über 25 Jahren engagiert sich das Staatliche Berufsschulzentrum Wiesau mit Partnerschulen für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit. So ein Projekt, wie nun im Erzgebirge, gab es noch nie.

Nach ihren Besuchen in Jachýmov und Flossenbürg machten sich die Berufsschüler aus Tschechien und der Oberpfalz an den Nachbau des Häftlingsradios. Ein kleiner Kasten aus Metall bildet das Gehäuse.
von Externer BeitragProfil

Das Projekt "Dinge, für die es sich lohnt" der Berufsschulen Wiesau und Oselce in Jáchymov im Erzgebirge war etwas ganz Besonderes: Metallbauer aus Wiesau und Oselce halfen einem Zeitzeugen, einen langgehegten Traum zu verwirklichen.

Der Zeitzeuge war Miroslav Kopt, geboren 1935. Er kämpfte als tschechischer Pfadfinder gegen den Kommunismus. In den 60er Jahren hatte er deswegen mehrere Jahre als politischer Hälftling in den Uranminen von Jáchymov verbracht. Er erzählte den Schülern, dass die politischen Häftlinge im Lager aus Abfällen ein geheimes Radio gebaut hatten, mit dem sie westliche Sender wie BBC und Radio Free Europe empfangen hatten. "Wir waren immer sehr gut über die politische Weltlage informiert, oft besser als die normale tschechische Bevölkerung außerhalb des Lager", so Miroslav Kopt. Als die Gruppe verraten wurde, musste das Radio schnell zerstört werden, bevor es den Wachmannschaften in die Hände fiel. Es war ein langgehegter Wunsch von Kopt, einen Nachbau des verschollenen Radios für seine Erinnerungs- und Zeitzeugenarbeit nutzen zu können. Dank der Metallbauer der beiden Berufsschulen kam er diesem Ziel nun ein Stück näher.

Studiendirektor Hartmut Seidler sowie die Fachlehrer Matthias Achatz und Matthias Bartmann hatten sich im Vorfeld wochenlang intensiv mit den historischen Bauplänen, die von ehemaligen Häftlingen aus der Erinnerung gezeichnet wurden, beschäftigt. "Das Projekt war anspruchsvoll, weil das historische Material, vor allem für das technische Innenlebens des Radios, nicht mehr verfügbar war", berichtet Hartmut Seidler. "Wir haben uns schließlich mit dem Zeitzeugen darauf geeinigt, zunächst das Gehäuse aus Aluminium zu fertigen, weil das im Laufe einer Projektwoche möglich war."

Bevor es gemeinsam in die Werkstätten ging, stand ein Workshop in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg auf dem Programm. Auch hier ging es um Handlungsmöglichkeiten der findigen tschechischen Zivilbevölkerung, die es in den letzten Kriegstagen zahlreiche KZ-Häftlinge aus einem Todeszug aus dem Flossenbürger Außenlager Leitmeritz befreit hatte.

Das Thema der Schülerbegegnung "Dinge, für die es sich lohnt... bedingungslos einzustehen" gewann durch den Terroranschlag von Halle zusätzlich Aktualität. Die Abschlusspräsentation in Wiesau begann deshalb mit einer Schweigeminute für die Opfer. Stellvertretender Schulleiter Studiendirektor Thomas Metzler betonte, wie wichtig historisch-politische Bildung und eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbarn in Europa ist.

Anschließend präsentierten die Schüler in deutsch-tschechischen Gruppen Eindrücke der beiden Exkursionen, den Arbeitsprozess und das Gehäuse, das nun in Prag zum Radio ausgebaut werden soll. Studiendirektor Wolfgang Prebeck, Mitarbeiter der Schulleitung, zeigte sich vom Ergebnis begeistert: "Das ist einfach toll, dass wir am Ende der Projektwoche ein Ergebnis in der Hand haben. Das macht so eine Begegnung wirklich nachhaltig."

Die Schüleraktionstage wurden von der Projektstelle für Gedenken und Versöhnung der Evangelischen Jugend im Dekanat Weiden im Rahmen des Projektes ",Dinge, für die es sich lohnt' Wir bringen Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart zusammen" mit abgewickelt und von der Europäischen Union sowie dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert.

Miroslav Kopr (links) berichtete den Schülern, wie es ihm als politischer Häftling in den Uranminen von Jáchymov erging. Vojta Vins von der Tschechischen Partnerorganisation Političtí vězni.cz - Political Prisoners.eu übernahm die Übersetzung für die Schüler aus Deutschland.
Bei den gemeinsamen Aktionstagen gewannen die Berufsschüler aus Tschechien und der Oberpfalz Einblick in das Uranbergwerk in Jáchymov, in dem politische Häftlinge unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten.

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