27.11.2019 - 10:11 Uhr
WiesauOberpfalz

Wiesauer Schnitzer schaffen wahrhaft Großes

Es ist nicht das allererste Mal, dass aus den Händen der Wiesauer Holzschnitzer eine Heilige Familie entsteht. Anders als gewohnt sind die neuen Figuren aber deutlich größer.

Die Schnitzergruppe arbeitet Hand in Hand. Das Zeitfenster sei begrenzt, betonen (von links) Manfred Dietz, Karl-Heinz Ehrenfried, Harald Puss, Karl-Heinz Meier und Dieter Luksch.
von Werner RoblProfil

Regelmäßig an Mittwochabenden trifft sich die Wiesauer Schnitzergruppe in ihrer Werkstatt, die sie sich vor fünf Jahren im Schulgebäude eingerichtet hat. Damals - unterstützt von der Marktgemeinde - ging für die Arbeitsgruppe ein Traum in Erfüllung. "Wir freuen uns über jeden, der bei uns mitmachen möchte", erklärt Karl-Heinz Meier bei einem Besuch von Oberpfalz-Medien.

Es ist Mittwochabend, die Tür zur Schnitzerstube steht sperrangelweit offen, um für frische Luft zu sorgen. Drinnen riecht es nach Holz, Leim und Farbe. Der Duft von Sägemehl und Hobelspänen erfüllt den Raum, in dem bereits im Spätfrühling der Advent eingezogen war. Zugegeben: Das war zweifelsohne ein sehr ungewöhnlicher, aber alles andere als voreiliger Termin.

Den Grund für die vorverlegte "staade Zeit" erfährt man von Karl-Heinz Meier, der noch rasch prüfend ein hölzernes Lamm in Augenschein nimmt, um dann Hand anzulegen. Unterstützt wird er bei der umfangreichen Arbeit von Manfred Dietz, Karl-Heinz Ehrenfried, Harald Puss und Dieter Luksch. Zum handwerklichen Kreis gehört auch Siegfried Schuller, der sich an diesem Mittwoch aber eine Auszeit gönnt. An einer Werkbank bearbeitet Sigrid Pollinger, die die Arbeitsgruppe ergänzt, eine kleine Holzfigur, mit der sie ihre Hauskrippe ergänzen möchte. Die Falkenbergerin lässt sich - trotz des emsigen Treibens - nicht aus der Ruhe bringen. Manchmal helfen mehr, an anderen Tagen wieder weniger Hobbyschnitzer, um an einer besondere Sache Hand anzulegen.

Zwei Meter hoch

Nicht zu übersehen ist eine sechs Quadratmeter große und erst vor wenigen Minuten fertiggestellte Bodenplatte aus Holz. Darauf steht ein zwei Meter großer Josef, die betende Maria - gut eineinhalb Meter hoch - kniet daneben und betrachtet ihr Neugeborenes in der Futterkrippe. Die Idee, die großen Figuren zu gestalten, stammt von Karl-Heinz Meier. Wenn sich der Wiesauer etwas in den Kopf gesetzt hat, werde es umgesetzt, sagt man von ihm.

"Ich war voriges Jahr, ein paar Tage vor Weihnachten, in Weiden. Die in der Nähe des Rathauses ausgestellten lebensgroßen Figuren bewunderte ich." Er fotografierte die Gruppe und fasste einen Plan. Meier zeigte die Bilder den davon ebenfalls beeindruckten Schnitzern und kommentierte sie mit nur wenigen Worten: "Das wäre doch auch was für uns."

Zaun und Tannenbaum

Bürgermeister Toni Dutz sicherte seine Unterstützung zu. Das benötigte Holz wurde vom Bauhof zur Verfügung gestellt. Was sonst noch an Material gebraucht wurde, kauften sich die Schnitzer selber. Im Frühsommer stieg man in die Planungsphase ein, um die übergroße Wiesauer Weihnachtskrippe umzusetzen. "Es lag auf der Hand, dass wir mit der Heiligen Familie, also mit Maria, Josef und Jesus, beginnen werden", informiert Meier im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Bald waren es mehr als "nur" drei Figuren. Meier deutet auf einen Holzstern mit der Aufschrift "Schnitzerstube Wiesau", zudem auf Schaf, Zaun und Tannenbaum, die das Ensemble abrunden.

Seit Juni wird jeden Mittwoch von 19 Uhr bis 21 Uhr intensiv an der neuen Krippe gearbeitet. "Wir sind im Plan", zieht Harald Puss Bilanz und schnappt sich Farbe und Pinsel, um sich dem mannshohen Zimmermann Josef zu widmen. Beim genauen Betrachten stellt man fest, dass die Figuren nicht aus einem Stück geschnitzt, sondern aus einzelnen Holzplatten zusammengebaut wurden. Vorher wurden sie ausgesägt, geflext und geschliffen. Passende Löcher wurden an den Seiten gebohrt, um dort Dübel einzuschlagen. Schließlich wurde alles mit Leim zusammengefügt. Nach und nach folgen jetzt noch die finalen Arbeiten. Am 30. November muss alles fertig und beim Rathaus aufgebaut sein. An diesem Samstag wird nämlich der Wiesauer Weihnachtsmarkt eröffnet.

Hintergrund:

Die Krippe soll weiter wachsen

Die Künstlergruppe gibt sich noch längst nicht zufrieden. "In den Schubladen liegt bereits ein Erweiterungsplan", blickt Karl-Heinz Meier auf das kommende Jahr. Eingebunden in die Ideensammlung seien ein angedeuteter Stall mit einem Ochsen und einem kleinen Esel. Wie es danach weitergeht, will Meier aber noch nicht verraten. "Unterstützer sind herzlich willkommen. Die Werkstatt steht für jeden Interessierten offen", verweist der Sprecher auf das regelmäßige Arbeitstreffen der Wiesauer Schnitzer in der Schule. (wro)

Sigrid Pollinger beschäftigt sich mit einer kleineren Krippenfigur.
Harald Puss ist unter die Maler gegangen, um sich mit dem Farbpinsel dem heiligen Josef zu widmen.
Die Krippen-Idee stammt von Karl-Heinz Meier. Das Holz stellte die Marktgemeinde zur Verfügung.
Der kleine Jesus darf in der fast fertigen Krippe schon mal Probe liegen. Manfred Dietz ist zufrieden.
Die Schnitzergruppe arbeitet Hand in Hand. Das Zeitfenster sei begrenzt, betonen Manfred Dietz, Karl-Heinz Ehrenfried, Harald Puss, Karl-Heinz Meier und Dieter Luksch (von links).

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