03.04.2020 - 16:36 Uhr
WiesauOberpfalz

Wiesauerin kämpft gegen das Coronavirus

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Die 43-jährige Simone Kastner ist positiv auf das Coronavirus getestet. Seit 14 Tagen ist sie krank. Langsam geht es ihr besser.

Ein Familienbild aus fröhlichen Tagen - aufgenommen zur Kommunion von Tochter Marie. Heute befinden sich Ferdinand und Simone Kastner mit den Kindern Julia, Marie, Lena und Kevin in Quarantäne. Die vierfache Mutter Simone Kastner hat das Coronavirus.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Leute, nehmt das alle ernst." Das hat Simone Kastner ihren Facebook-Freunden gepostet. Ihr ging es richtig schlecht. Die 43-jährige Mutter von vier Kindern ist positiv auf das Coronavirus getestet.

Wie umgehen mit dem Virus und damit, infiziert zu sein? "Es war heftig", sagt die Wiesauerin zwei Wochen später. Vergangene Woche lag sie völlig fertig im Bett. "Ich hatte alle Symptome, die möglich sind - außer Atemnot." Angst hatte sie aber nicht, fügt sie an und erzählt, dass ihre Familie unter Quarantäne stünde.

Chef schickte sie gleich Heim

Alles begann harmlos am 18. März. Die medizinische Fachangestellte hatte nur eine normale Erkältung. "Vielleicht hat das die Symptome verstärkt", mutmaßt sie, denn so heftig hat sie sich die Krankheit nicht vorgestellt. Ihr Chef schickte sie gleich heim. "Ich hab's gemerkt, da stimmt was nicht. Das ist das Virus", weiß sie heute. Zu Hause sei es ihr stündlich schlechter gegangen. Erst Diarrhö, dann Fieber, Geschmacks- und Geruchssinn weg, wahnsinnige Gliederschmerzen, später Husten. Wegen ihres Jobs habe man sie wenige Tage später getestet.

Immer wieder wird Kastner beim Erzählen (per Telefon) vom Husten gebeutelt. Sie beteuert, es sei fast alles wieder gut bei ihr. Dem Test folgte am Sonntag ein Anruf. Kastner wurde vom Gesundheitsamt informiert, dass sie positiv sei. Und dass am nächsten Tag wieder jemand anrufen werde. Mehr nicht. Es sei ihr nicht gesagt worden, wie sie sich zu verhalten habe. Montag bekam sie die mündliche Anweisung zur Quarantäne für die gesamte Familie mit dem Hinweis, sie werde noch schriftlich darüber informiert. "Es war eine Lehrerin am Telefon. Sie konnte nichts über meinen Gesundheitszustand sagen", klagt Simone Kastner über mangelnde Aufklärung.

Dennoch hat die Wiesauerin als Insiderin im Gesundheitswesen Verständnis. Alle seien derzeit völlig überfordert. Nur mussten ihr Mann Ferdinand sowie Kevin und Julia, die 21-jährigen Zwillinge, eben auch ihre Arbeitgeber rasch informieren. Bei der 18-jährigen Lena sei die Dauer der Quarantäne eh klar. "Sie muss daheim bleiben, sie ist wie ich medizinische Fachangestellte." Simone Kastner konnte zwischenzeitlich wenigstens in Erfahrung bringen, dass sie wieder raus dürfe, sobald sie drei Tage frei von Symptomen sei. Ein für sie sehr vager Hinweis: "Wann soll das sein?" Ihr Krankheitsverlauf lasse keine derartige "Eigendiagnose" zu.

"Zuerst ging's mir schlecht. Dann wurde es besser. Und dann ging's mir gleich noch schlechter. Als hätte ich zwei Grippen gleichzeitig." Ans Sterben habe sie aber zu keiner Zeit gedacht. Am Schlimmsten, sagt sie heute, sei für sie gewesen, tagelang nichts mehr riechen und schmecken zu können.

Familie sehr rücksichtsvoll

Simone Kastner hat viele Sorgen. Fünf Personen unter Quarantäne - das will organisiert werden. Ihre große Tochter Julia hat den Labrador "Fin" mitgenommen. Aber die Mutter macht sich nun um Julia die größte Sorge. Die 21-Jährige ist allein und verspürt Druck auf der Brust. "Keiner kann was dazu sagen. Die wollen Leute mit ähnlichen Symptomen auch gar nicht in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus sehen. Alle werden wieder heimgeschickt und müssen daheim allein zurechtkommen", so die Mutter, die von vielen Infizierten in ihrem Bekanntenkreis spricht. "Im Landkreis Tirschenreuth ist es ganz schön heftig."

Sie habe es ja gut im großen Haus daheim. Die Familie sei sehr rücksichtsvoll. Die elfjährige Marie sei weitgehend gut beschäftigt mit Schulaufgaben. "Die Aufgaben werden per E-Mail jeden Tag von der Schule hergeschickt." Bei ihrem Sohn Kevin, denkt sie, sei das Virus wahrscheinlich glimpflich "vorbeigeschrammt". Tochter Lena und ihrem Mann ginge es gut. "Meine Eltern, die eigentlich als Senioren daheim bleiben sollten, bringen uns jetzt das Essen", sagt sie dankbar. Familie sowie Freunde würden sich sehr um sie kümmern. Wie auf ein Zeichen klingelt es. Die Oma hat Erdbeerkuchen vor die Tür gestellt. Simone Kastner freut sich, aber es ist ihr nicht recht. Sie denkt an den Opa, der einsam sei, weil er die Enkel nicht sehe.

Noch ist die Krankheit mit all ihren Schrecken nicht ausgestanden. "Immer, wenn ich denke, jetzt geht's wieder, schüttelt es mich vor Husten." Sie muss weiter geduldig auf den Tag ihrer Genesung warten. Auch dass es derart lang dauert, habe sie sich so nicht vorgestellt. Die vierfache Mutter "fiebert" dem Tag entgegen, an dem sie endlich wieder umgekehrt ihre Familie liebevoll bemuttern kann. Ihren Freunden draußen und allen anderen sagt sie: "Seid's alle endlich brav und bleibt's daheim. Das macht keinen Spaß hier."

Simone Kastner kann ihre Freunde und alle anderen nur eindringlich warnen: "Bleibt's daheim. Ich wünsche das keinem. Das macht keinen Spaß."
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