28.06.2019 - 14:33 Uhr
Wilchenreuth bei TheisseilOberpfalz

Ohne Bäume keine Förderung

Ums Haar platzt der Bauoberrätin der Kragen. Aber Teresa Meyer hat sich schnell wieder im Griff und erinnert nur höflich daran, wie lange schon über die Dorferneuerung Wilchenreuth diskutiert wird. Und dass es ohne mehr Grün kein Geld gibt.

Der Platz neben dem Feuerwehrhaus wird im Zuge der Dorferneuerung wieder asphaltiert, zum Ausgleich werden dort drei Bäume gepflanzt. Auf die würden die Wilchenreuther aber lieber verzichten.
von Gabi EichlProfil

Den Wilchenreuthern genügt ihr Grün im Dorf, zumindest denen, die zur ersten Vorstandssitzung der Teilnehmergemeinschaft Theisseil 2 gekommen sind, bei der die Entwurfsplanung für Wilchenreuth vorgestellt wird. Das Dorf ist zusammen mit dem Ortsteil Roschau das letzte, das in der Gemeinde in den Genuss von Dorferneuerungsmaßnahmen kommt.

Seit 2013 wird darüber diskutiert, was wie gemacht werden könnte, und nun drückt das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) als Geldgeber aufs Gas. 2020 muss ein Großteil der Fördermittel abgerufen werden, denn über 2020 hinaus könne man die zuletzt um eine Million aufgestockten Mittel nicht mehr garantieren, hat die Bürgermeisterin von Amtsleiter Thomas Gollwitzer schriftlich mitgeteilt. Das heißt, dass heuer noch die Ausschreibungen erfolgen müssen. Und dann das: Die Wilchenreuther fangen erneut an, über Details zu diskutieren. An dem Punkt wird Teresa Meyer dann doch deutlich und verweist darauf, dass die vorliegende Planung vom Vorstand der Teilnehmergemeinschaft beschlossen und der Zeitrahmen nicht zu halten ist, wenn wieder jeder Stein umgedreht werde.

Drei neue Bäume auf dem Platz neben dem Feuerwehrhaus sind den Wilchenreuthern zu viel des Guten. Alle beteuern ,"im Grunde" nichts gegen Bäume zu haben, aber nicht vor dem eigenen Anwesen. "Die Blätter hab´ ich dann alle im Hof", sagt einer. Ein anderer: "Da bleibt ja kein Platz mehr zum Parken." Meyer bleibt eisern. Ohne die Bäume gebe es keine Fördergelder. Der Platz werde ohnehin komplett asphaltiert, dabei ziele eine Dorferneuerung grundsätzlich auf weniger Asphalt.

Natursteinpflaster zu teuer

Neben dem Ausbau der Straßen im Dorfkern einschließlich der Sanierung der Wasserleitungen ist auf der anderen Seite des Feuerwehrhauses ein kleiner Ruheplatz mit Sitzbank und Brunnen vorgesehen. Eine Grünfläche mit Sitzmauer soll vor dem ehemaligen Schulhaus angelegt, der Platz zwischen katholischem Pfarrheim und Kirche neu gepflastert werden - mit Natursteinpflaster anstelle der vorhandenen Betonsteine. Natursteine hätten manche Wilchenreuther auch dort lieber, wo die Planung Beton vorsieht. Das aber kann sich die Gemeinde nicht leisten, sagt Bürgermeisterin Marianne Rauh. Die Co-Finanzierung der Dorferneuerungen sei eine gewaltige Aufgabe.

Schätzung: 2,5 Millionen

Nach einer Kostenschätzung Michael Wennings vom Weidener Ingenieurbüro König werden die Maßnahmen in Wilchenreuth etwa 1,8 Millionen Euro kosten. Dazu kommt der Ausbau der Straße zum evangelischen Pfarrheim in Höhe von 650 000 Euro, für den die Gemeinde zur schnelleren Abwicklung stellvertretend für das Amt für Ländliche Entwicklung die Trägerschaft übernimmt. Die Straßenabschnitte, die nicht mehr durch die Dorferneuerung gefördert werden, wird die Gemeinde den Worten Rauhs zufolge selbst sanieren, aber nicht im teuren Vollausbau.

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