12.12.2019 - 10:37 Uhr
Wildenau bei PlößbergOberpfalz

Jedes Stück ein kleines Kunstwerk

Der Reiz beim Klöppeln liegt im Erlesenen, im kreativen Gestalten mit meditativem Charakter. "Wie eine Therapie", findet Anni Mark. Gemeinsam mit Frieda Roith brachte sie dieses alte Kunsthandwerk ins Stiftland.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Schon als Mädchen interessiert sich Anni Mark aus Wildenau für Handarbeiten, liebt filigrane Bastelarbeiten. Bei einem seltenen Ausflug mit der Volksschule besuchte ihre Klasse die Klöppelschule in Stadlern bei Schönsee. „Das hat mich nie losgelassen. Schon als Neunjährige wollte ich das unbedingt lernen“, sagt die heute 68-Jährige. Aber in der Umgebung, weit ab der „Klöppelhochburg“, war dieses Kunsthandwerk unbekannt. Niemand konnte es der Grundschülerin beibringen.

Von Klosterarbeit zum Klöppeln

Mittlerweile klöppelt Anni Mark schon seit 23 Jahren. 1994 besuchte die Wildenauerin einen Klöppelkurs der vhs in Weiden. Schnell beherrschte sie das systematische drehen und kreuzen. Über ihre weitere Leidenschaft der Klosterarbeiten lernte sie Frieda Roith aus Schönsee kennen, eine langjährige Klöpplerin. Bei ihr besuchte sie weitere Kurse, die das Landwirtschaftsamt (AELF) in Weiden organisierte. Auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten zogen die Klöpplerinnen um die Jahrtausendwende ins Pfarrheim St. Odilia nach Wildenau um. Jeden ersten Montag im Monat klöppeln 15 Frauen rund um Anni Mark und Frieda Roith. Zur Gruppenstunde reist die Schönseerin 70 Kilometer an. Die 62-Jährige ist die Gruppenleiterin. Anni Mark organisiert das Drumherum. Die Kunsthandwerkerinnen kommen aus Schönsee, Wiesau, Püchersreuth, Weiden, Hirschau, Vohenstrauß oder Oberbernrieth. Anni Markt ist mit 68 Jahren eine der Älteren in der Gruppe. Die Jüngeren sind 18 oder 20 Jahre alt. Auf der Bank vor dem Klöppelsack sitzen Schwestern oder Mutter und Tochter.

Die genaue Gründung des Klöppelkreis wurde nie festgehalten. „Da hat nie jemand drauf geachtet“, sagt Anni Mark. Gemeinsam mit Frieda Roith organisierte sie Klöppelkurse, die sehr gut ankamen. „Teilweise mussten wir zwei Kursabende in der Woche anbieten“, erzählt sie. Weil so viele Teilnehmerinnen dabei bleiben wollten, entstand irgendwann der Klöppelkreis. „Wäre ja schade, wenn man einen Kurs macht und dann gehts nicht weiter.“

Liebe zur erlesenen Spitze

„Klöppeln ist Fingerfertigkeit und Geduld“, fasst die 68-Jährige zusammen. „Jedes Stück ist ein kleines Kunstwerk.“ Auch wenn es auf den ersten Blick sehr kompliziert und schwierig aussieht, Anni Mark ist sicher: „Klöppeln kann jeder lernen.“ Aber mögen sollte man die feine Handarbeit schon. Die Wildenauerin kann dabei wunderbar abschalten. „Da schaue ich nicht auf die Uhr und vergesse die Zeit.“ Klöppeln sei wie eine Therapie. Besonders in der Gruppe. „Bei uns ist es immer lustig, es gab noch nie Uneinigkeit.“

Oft arbeitet die Wildenauerin an mehreren Klöppelarbeiten gleichzeitig. „Wenn mir was neues einfällt, fange ich das an.“ Wenn sie dann wieder Lust auf ein anders Projekt hat, arbeitet sie an einem anderen Klöppelsack weiter oder bringt ein Projekt zu Ende. Ideen kommen ihr ganz oft spontan, oder sie sieht etwas zum Nachmachen im Fernsehen oder im Internet. Ihre Werke fotografiert sie und bannt sie in Fotobücher.

Mit dem Klöppelfieber steckte sie auch ihre Schwester und Schwiegertochter an. Sie klöppelten Dutzende Sterne, so dass der ganze Christbaum voll damit war. Auch auf den Klöppelsäcken der anderen Frauen sind überwiegend weihnachtliche Motive zu finden.

Auch Schals und Gartendekoration

Auf dem Klöppelsack entstehen Schals, Engelsfiguren, Deckchen mit Sternen, die erlesene Spitze rankt sich um Christbaumkugeln oder schmückt Metallringe für die Gartendekoration.

Während früher nur mit Leinen gearbeitet wurde, ist heute alles erlaubt: Baumwolle, Seide, buntes Garn, mit Perlen oder einer „Gimpe“ – mit Faden umwickelter Draht. Dieser wird zunächst auf die Klöppel – hölzerne Spulen, aufgewickelt. Hauptsächlich besteht die alte Kunst aus drei Grundschlägen: Leinenschlag, Halbschlag oder ganzer Schlag. Dazu gibt es auch besondere Techniken, die sich die Klöpplerinnen teils selbst beibringen. Der Klöppelbrief auf dem Klöppelsack gibt das Muster vor. „Ohne diese Vorlage geht nichts“, weiß Anni Mark. Diese Briefe zu zeichnen sei eine weitere Kunst. Diese beherrscht die 62-Jährige Frieda Roith. Die Sprecherin des Klöppelkreises Schönsee-Stadlern-Tiefenbach klöppelt bereits seit 33 Jahren. Sie organisierte eine Ausstellung mit Werken der Klöppelgruppe Wildenau bei den diesjährigen „Schönseer Klöppeltagen“. „Das war ein ganz besonderes Erlebnis für uns“, berichtet Anni Mark.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.