07.01.2020 - 10:37 Uhr
Wildenreuth bei ErbendorfOberpfalz

"Boder-Ladl": Mittelpunkt im Dorf

Im "Boder-Ladl" in Wildenreuth ist immer etwas los. Dass das so ist, liegt an der starken Dorfgemeinschaft und der Eigeninitiative der Inhaberin.

Michaela Hippmann (rechts) gehört zu den drei Verkäuferinnen, die im "Boder-Ladl" abwechselnd hinter der Theke stehen.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Das "Boder-Ladl" hält sich schon seit vielen Jahren in Wildenreuth. Seit April 2007 führt den Tante-Emma-Laden im Zentrum des Dorfes Christine Götz. Ihr Ziel war es, die Nahversorgung am Ort zu erhalten. Götz ist klar: "Reich werden kann man davon nicht, am wichtigsten ist für mich der soziale Aspekt des Geschäfts. Viele Leute reden hier miteinander, die das sonst auf der Straße nicht machen würden."

Im Geschäft gibt es einen kleinen Stehtisch. "Hier bleiben Leute auch mal ein paar Stunden stehen und trinken Kaffee." Wenn es Neuigkeiten oder Veranstaltungen gibt, können Vereine Plakate für das Fenster oder Listen zum Eintragen bringen. Das Herzstück des Ladens sind die drei Verkäuferinnen Michaela, Petra und Ingrid. Die Damen kommen aus Wildenreuth und unterstützen Götz seit 12 Jahren. "Sie alle sind kommunikativ und motiviert. Sie bringen sich viel ein."

Ihre Aufgabe ist es nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu "ratschen". "Wenn jemand im Ort stirbt, wissen wir das oft als erstes", erklärt Michaela Hippmann. "Entweder es komme jemand in das Geschäft oder das Telefon klingelt. Leute fragen auch nach: 'Hast du schon gehört, dass ...?" Ein offenes Ohr für die Kunden gehört für sie mit dazu.

Miteinander Geschäft am Leben erhalten

Während viele Geschäfte dieser Art im Landkreis schließen, erhält Götz ihren Laden am Leben. Das war aber nicht immer einfach: "Anfangs kamen Leute nur zum Semmeln kaufen, aber davon kann man nicht überleben." Sie zeigte Eigeninitiative und ging von sich aus, auf die Bewohner im Dorf zu und forderte: "Es sollte miteinander um den Erhalt des Ladens gekämpft werden." Ihre Forderung warf sie damals bei den Dorfbewohnern in den Briefkasten

Vor zwei Jahren feierte das "Boder-Ladl" sein zehnjähriges Bestehen: "Heute denke ich nicht mehr ans Schließen. Das verdanke ich aber der starken Gemeinschaft im Dorf", erklärt Götz. Inzwischen könne sich der Laden insofern tragen, dass unterm Strich kein Minus herauskomme und der Umsatz die Löhne der Mitarbeiter abwerfe.

Bewohner haben Nutzen erkannt

Zudem unterstützen Junge, Alte, Vereine und Kirche das Geschäft. Sie leihen sich Biergarnituren aus, holen Getränke und bestellen Waren für ihre Feste. "Es gibt Menschen, die mit unserem Laden aufwachsen und ihn zu schätzen wissen." Viele hätten auch den Nutzen und die Bedeutung des Ladens erkannt, und nehmen das Geschäft als Einkaufsmöglichkeit wahr.

Am Kaffeetisch im Wildenreuther "Boder-Ladl" kommen Menschen zusammen und sprechen miteinander. Seit 2007 sichert Christine Götz (links) die Nahversorgung am Ort.

Ihr Geschäft hat sich auch vergrößert: "Wir haben jetzt das dritte Jahr unseren Getränkemarkt mit rund 100 Sorten Getränke. Das war noch mal ein Aufschwung für uns." Die Kästen mit Wasser, Bier oder Limo sind in der ehemaligen Wohnung der Vorbesitzerin untergebracht. Durch einen Durchgang im Laden gelangt man direkt in die Räumlichkeiten. Rund 100 Kunden am Tag kommen in das Geschäft. "Viele kommen am Morgen und holen sich Brotzeit oder kaufen kurz vor Feierabend nochmal ein", weiß Michaela Hippmann. "Am meisten ist am Samstag los." Denn da holen Leute ihre Vorbestellungen ab.

Echter Allrounder

Beliefert wird das "Boder-Ladl" nicht von großen Ketten wie Rewe oder Edeka. "Die verkaufen zu große Gebinde. Was will ich mit 200 Stück Sahne, wenn ich nur sechs brauche?" Doch vor Kurzem machte ihr Zulieferer pleite. "Ich musste das Sortiment umstellen. Zwei Wochen haben wir durch Dazukaufen überbrückt." Mit etwas Mühe fand sie einen neuen Zulieferer: "Jetzt klappt es wieder ganz gut."

Ihr Laden ist ein echter Allrounder. Von frischen Backwaren, Wurst, Fleisch bis zur Tiefkühlpizza und Zahnpasta gibt es alles für den alltäglichen Gebrauch. Dabei achtet die Inhaberin darauf, dass es auch Lebensmittel aus der Region gibt. Eier, Kartoffeln oder Honig stammen von Erzeugern aus Wildenreuth und Umgebung. "Im Sommer bringen Privatpersonen auch Gemüse und Obst aus den Gärten. Das verschenken wir dann an Kunden."

Für den täglichen Bedarf ist im "Boder-Ladl" in Wildenreuth alles vorhanden.

Die Preise im Laden seien nicht höher als in anderen Geschäften. Darauf achtet auch Götz' beste Freundin Anna Rahn. "Sie sucht jede Woche aus den Prospekten die Angebote in den Märkten ab und fährt für uns unentgeltlich zum Einkaufen und holt die Schnäppchen." Auf diese Weise könne ein stabiles Preisniveau gehalten werden.

 

 

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