Wildenreuth bei Erbendorf
18.11.2019 - 13:33 Uhr

Feinden des Friedens entgegentreten

„Miteinander reden ist wichtig, denn es hilft uns Vorurteile abzubauen.“ Das stellte Pfarrer Manuel Sauer am Kriegerdenkmal in der Dorfmitte in Wildenreuth fest. „Wir müssen das wieder lernen."

Bei der Feier am Kriegerdenkmal in Wildenreuth legten (von links) Pfarrer Manuel Sauer und Zweiter Bürgermeister Johannes Reger einen Kranz ab. Bild: JOCHEN NEUMANN 
ERBENDORF
Bei der Feier am Kriegerdenkmal in Wildenreuth legten (von links) Pfarrer Manuel Sauer und Zweiter Bürgermeister Johannes Reger einen Kranz ab.

Nach dem Gottesdienst in der St.-Jakobus-Kirche zog die Gemeinde mit der Feuerwehr am Volkstrauertag voraus zum Kriegerdenkmal am Dorfplatz. "Heuer ist ein Jahr mit vielen Ereignissen", sagte Pfarrer Manuel Sauer. "Vor 80 Jahren war der Beginn des Zweiten Weltkriegs, und ich möchte auf ein weiteres Ereignis eingehen, dem Fall der Mauer vor 30 Jahren."

Sauer hob hervor, dass der Mauerfall für viele Menschen ein bewegender Moment war. "Es waren Tage voller Emotionen und Freude." Er, Sauer, erlebte dieses Ereignis als kleines Kind in Nordhalben mit. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass die Trabis tagelang blau qualmend über die Grenze gefahren sind."

"Den Bürgern wurden damals blühende Landschaften und ein neues Leben versprochen", erinnerte sich der Pfarrer. "Doch kam es leider für die Menschen im Osten oft ganz anders." Der erlernte Beruf galt auf einmal nichts mehr. Teilweise mussten sie Arbeiten unter dem eigenen Ausbildungsniveau übernehmen. "Es wuchs die Sehnsucht nach guter, alter Zeit."

"Einige dieser Menschen leben auch bei uns", stellte Pfarrer Sauer fest. Es sei sicherlich interessant, diese Menschen einmal zu fragen, wie sie den Mauerfall vor 30 Jahren erlebt haben und wie es ihnen seither ergangen sei. "Ich glaube, dass wäre sehr bereichernd", meinte der Geistliche. "Gerade aus diesen Gesprächen würde sich ein gutes Verständnis entwickeln." Das fehle seit 30 Jahren Mauerfall.

"Ich habe den Eindruck, dass wir verlernt haben, miteinander zu reden", stelle Pfarrer Sauer fest. "Man spricht übereinander, nicht miteinander und lässt sich von Vorurteilen leiten." Miteinander reden sei gerade heute wichtig. "Denn es hilft, Vorurteile abzubauen."

Zweiter Bürgermeister Johannes Reger ging darauf ein, dass über viele Kriege ein Gefühl des Hasses geschürt wurde. Aber auch bei den Friedensverhandlungen von 1870, beim Frieden mit Russland 1917 oder im Friedensvertrag von Versailles sei zwar Frieden geschlossen worden, sagte Reger, "es war aber eine Granate, für die, die nicht den Frieden wollten, sondern den Hass schürten." Nach den Worten des Zweiten Bürgermeisters habe heute Europa den Hass überwunden. "Dennoch ist es wichtig, gerade in Zeiten des Shit-Storms und der Fake-News, den Feinden des Friedens entschlossen entgegenzutreten."

Gemeinsam legten Pfarrer Sauer und Reger am Kriegerdenkmal einen Kranz nieder. Musikalisch wurde die Feier vom Kirchen- und Posaunenchor gestaltet.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.