20.02.2020 - 12:16 Uhr
Wildenreuth bei ErbendorfOberpfalz

Würde bis zur letzten Stunde bewahren

Es beginnt als normales Frauenfrühstück des Dekanats Weiden, diesmal mit den Themen Palliativversorgung und Hospiz. Dann bricht eine Pflegekraft beim Erzählen über die hohen Anforderungen ihrer Arbeit in Tränen aus - vor Erschöpfung.

Die Frauen bedienten sich gern am reich gedeckten Tisch und nutzten das Frühstück für ausgiebige Gespräche.
von Ulla Britta BaumerProfil

Ausgerichtet hat das Frauenfrühstück das Evangelische Frauenteam Wildenreuth/Kirchendemenreuth im Jugendheim. Ein sachlicher Vortrag rückte die Hospiz- und Palliativversorgung in der Region in den Blickpunkt. Nanette Schrenk-Lamche vom Frauenteam der Evangelischen Gemeinde Wildenreuth begrüßte über 70 Frauen. Wenig später kochten bei der Diskussion über die Betreuung von sterbenden Menschen Emotionen hoch.

Am Ende ihrer Kräfte

Es sei ein Dilemma, meinte eine Besucherin, die als Pflegekraft arbeitet, wenn Bewohner eines Altenheims im Sterben liegen und sie nicht helfen könne. Die Frau, die am Ende ihrer Kräfte war, brach in Tränen aus, während sie die Mithilfe von Hospizdienst-Mitarbeitern als enorm wichtig hervorhob. Bitter weinend klagte sie über die beruflichen Anforderungen, die an sie gestellt würden. Sie sei in der Nachtschicht ganz allein für sechs Stationen zuständig. Wie solle sie da einem Sterbenden ihre Zuwendung geben können. "Wenn jemand vom Hospizdienst kommt, bin ich entlastet", sagte die Pflegerin und fügte an: "Ich bin so erschöpft, ich will nur noch schlafen."

Betroffenheit machte sich breit und die Pflegekraft bekam mit großem Applaus viel Zuspruch für ihre Worte. Ein Beweis mehr dafür, dass mit dem Thema "Hospiz- und Palliativversorgung in der Region" vom Dekanat Weiden ein sensibler Bereich aufgegriffen worden war. Nach einführenden Worten durch das Evangelische Frauenteam aus Wildenreuth und Kirchendemenreuth konnten sich die Gäste am liebevoll vorbereiteten Frühstücksbüfett bedienen. Durch den Vormittag führte Nanette Schrenk-Lamche vom Dekanat Weiden.

Ehrenamtsbewegung

Danach lauschten die über 70 Frauen aufmerksam den Worten von Referentin Renate Buchfelder, Mitarbeiterin im ambulanten Hospizdienst und stationären Hospiz für Weiden und die Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth. Sie erzählte von der Entstehung des Hospizes, was übersetzt Herberge heißt. Erst viel später sei der Begriff Hospiz für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen eingeführt worden - von einer Engländerin, die im Krieg im Lazarett gearbeitet hatte. Daraus sei eine der schönsten Ehrenamtsbewegungen entstanden.

"Hospiz und palliativ ist aber nicht dasselbe", erklärte Buchfelder die Unterschiede beider Begriffe, da es zu Verwechslungen komme. Die Palliativstation am Klinikum Weiden versorge Schwerkranke, die an Symptomen leiden wie Schmerzen, großen Wunden oder Atemnot. Ziel einer Palliativbetreuung sei es, die Patienten wieder nach Hause zu entlassen.

Im Herbst neuer Kurs

Die Hospizbewegung im Dekanat Weiden sei im Wohnzimmer von Ilse und Herbert Stock als Ehrenamt entstanden. Jährlich könnte man seither neue ehrenamtliche Mitarbeiter begrüßen. 70 Leute seien aktiv, 15 kämen heuer im Sommer nach einer Schulung wieder hinzu. "Und wir werden im Herbst wieder einen Kurs anbieten, obwohl wir pausieren wollten. Die Nachfrage ist enorm", sagte Buchfelder. Sie begrüßte unter den Gästen Elfriede Dollhopf, die Pflegedienstleiterin im Hospiz St. Felix in Neustadt an der Waldnaab. Dieses stationäre Hospiz St. Felix sei unter Federführung der Malteser in den ehemaligen Räumen der Palliativstation untergekommen und habe neun Plätze zur Verfügung, erklärte Buchfelder. Neben der ambulanten Hospizarbeit würden an diesem Ort der Geborgenheit Menschen stationär bis zum letzten Atemzug begleitet. Betreut würden die Menschen von Fachkräften und ehrenamtlichen Hospizhelfern.

"Die Hospizgäste werden in der Regel von ihren eigenen Hausärzten und den Seelsorgern ihrer Heimatgemeinde weiter betreut", so die Referentin beim Frauenfrühstück. Zu den Kosten erklärte sie, diese würden in einer Mischkalkulation zu 95 Prozent von der Pflege- und Krankenkasse übernommen.

"Leider fast überall die Realität"

Zur Situation im Gesundheitswesen wurde unter anderem bemängelt, es sei leider im Betreuungssystem vorgesehen, sterbende Menschen im Rahmen der Dienstzeit vom Pflegepersonal mitversorgen zu lassen. Krankenschwestern und Altenpfleger erhielten hier kaum von ihren Dienststellen Entlastung. "Liegt ein Mensch in seinem Zimmer im Sterben, wird die Tür einen Spalt weit aufgemacht und es muss jemand ab und zu reinschauen. So ist das leider fast überall die Realität."

Referentin Buchfelder betonte aber auch, dass mit steigendem Interesse am Hospizdienst viel bewegt werde. Ihren Zuhörerinnen bot sie an, sich bei Bedarf an die Kontaktadresse des Hospizes St. Felix zu wenden oder einen der aufliegenden Flyer für weitere Informationen mitzunehmen.

70 Frauen interessierten sich diesmal für das Frauenfrühstück, das einmal im Jahr stattfindet.
Referentin Renate Buchfelder erklärte auch die Unterschiede von Hospiz und Palliativversorgung.
An den Tischen konnten sich die Frauen während des Frühstücks nett unterhalten.
Immer wieder schön: Gemeinsam frühstücken und sich austauschen.
Auch die Pflegedienstleiterin des stationären Hospizes St. Felix, Elfriede Dollhopf (stehend), ergriff das Wort, um über das Hospiz und die Aufgaben zu sprechen.
Kein Platz war mehr frei im Jugendheimsaal, so groß war das Interesse am Frauenfrühstück des Dekanats.

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