Update 13.02.2019 - 18:50 Uhr
Winbuch bei SchmidmühlenOberpfalz

Rent a Blumenwiese

Er teilt die Ziele des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" weitgehend, hat aber nicht unterschrieben. Der Landwirt Herbert Fleischmann möchte konsequent sein und bietet eine Nagelprobe an.

Der Nebenerwerbslandwirt Herbert Fleischmann baut hier bisher Mais für Biogasanlagen an. Sein Angebot zur Rettung der Bienen: Patenschaften für jeweils 200 Quadratmeter zu 50 Euro pro Jahr, dann macht er eine Blumenwiese aus der Fläche, wenn sich genügend Interessenten finden.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Kein noch so gut gemeintes Volksbegehren kann eine seit Jahrzehnten verfehlte Agrarpolitik ungeschehen machen oder gravierende Umweltsünden der Vergangenheit ausbügeln. Da ist sich Herbert Fleischmann (59) ganz sicher. "Ich bin Landwirt", antwortet der Mann auf die Frage, ob er wohl einmal Bauer war. Die Betonung liegt auf "bin". Auf der stattlichen Hofstelle in Winbuch riecht es weder nach Stall, noch steht ein ballonbereifter Riesenbulldog herum.

Im Nebenerwerb bewirtschaftet der frühere Vollerwerbslandwirt heute noch einige Hektar Ackerfläche, der Rest ist verpachtet. "Früher haben von dem Hof drei Familien gelebt", erzählt der Mann, der es jetzt irgendwie wissen will. Den Anstoß dazu gab die Kampagne zu dem erfolgreichen Volksbegehren "Rettet die Bienen".

Fleischmann hat nicht unterschrieben, fügt jedoch im gleichen Atemzug hinzu, dass es töricht wäre, nicht für den Insektenschutz zu sein. "Nur unterschreiben", das reicht ihm nicht. "Man muss auch etwas tun." Er als Landwirt macht deshalb ein handfestes Angebot: Für 50 Euro pro Jahr, festgeschrieben für fünf Jahre, wandelt er 200 Quadratmeter bisher von ihm intensiv bewirtschafteter Ackerfläche in "eine ökologische Blumenwiese" um. Unter dem Titel "Für's gute Gewissen, gegen das Bienen- und Insektensterben!" hat Fleischmann eine entsprechende Annonce in der Amberger Zeitung aufgegeben.

Die Resonanz - enttäuschend. Wie viele, besser wie wenige, sich gemeldet haben, möchte der Landwirt nicht sagen. Er sieht sich allerdings in seiner Auffassung bestätigt, dass es bei vielen Leuten schnell mit dem Umwelt-, Pflanzen- oder Tierschutz aufhört, wenn ihnen das mehr als eine bloße Meinung oder Unterschrift abverlangt und die üblichen Buhmänner - beispielsweise Landwirte - sowieso gemeinhin feststehen. Das sei bei den Schweinefleischpreisen am Discounter-Verkaufstresen das Gleiche wie bei der Milch oder den Eiern. Lebensmittel, so die Verbraucherdevise, müssten in Deutschland nur günstig genug angeboten werden, dann stehe die Frage, wie sie produziert werden, hinten an.

Befeuert werde dieser Prozess auch durch eine seit Jahrzehnten falsche Agrarpolitik, die stetige Kapazitätserhöhungen fördere und deshalb sinkende Erzeugerpreise durch neuerliche Kapazitätsausweitungen auszugleichen versuche. Als Schweinemäster habe er diesen Prozess selbst hautnah durchlebt - und aufgehört, erzählt Fleischmann. Das ist ein Punkt ("In vielem sind wir ja nah beieinander"), den der Landwirt an dem Bienen-Volksentscheid-Entwurf kritisiert. Wenn feste Quoten für die Bio-Landwirtschaft eingeführt würden, dann würde auch diese Produktionsform in die fatale Spirale von Kapazitätsausweitung und Preisverfall getrieben.

Seine Idee von der Blumenwiese ändere daran zwar nichts, räumt Fleischmann ein. Aber Bienen und allen anderen Insekten würde sie mit Sicherheit gut tun, denkt der Nebenerwerbs-Bauer. Ein selbstloser Fantast ist er aber nicht. Für ihn rechnen würde sich das Ganze erst ab zwei Hektar. Das sind 20 000 Quadratmeter, geteilt durch 200, ergibt 100 Blumenwiesen-Patenschaften. Davon ist Herbert Fleischmann (Tel. 0151/59 481 541) noch weit, weit entfernt.

Info:

Volksbegehren

Die 14-tägige Eintragungsfrist für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ist am Mittwochabend abgelaufen. Die Stadt Amberg meldete kurz vor Toreschluss eine Unterstützer-Quote von 14,0 Prozent, in Kümmersbruck waren es 16,19 Prozent, in Sulzbach-Rosenberg 14,0 und in Auerbach 15,07. Die Ergebnisse aus allen einzelnen Kommunen gibt es heute im Internet unter www.onetz.de

Kommentar:

Dieser Stachel sitzt tief

Das Volksbegehren ist durch. Mehr noch. Das Quorum wurde nahezu aus dem Stegreif genommen. Der Volksentscheid für mehr Insektenschutz dürfte deshalb gleichfalls eine klare Mehrheit finden. Abgesehen vom Inhalt, birgt nur wenige Monate nach den Landtagswahlen dieser basisdemokratisch herbeigeführte Umstand eine hohe politische Sprengkraft in sich. Die noch junge Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern (FW) wird mit genau den Mitteln in die Enge getrieben, mit denen sie an die Macht kam. Studiengebühren, G 8/G 9, Straßenausbaubeitragssatzung. Mit diesen Themen haben sich die FW den Weg auf die Regierungsbank geebnet und so der CSU den Machterhalt gesichert. Aus diesen Bürgerbegehren wurden nur deshalb keine Volksentscheide, weil die CSU mit den Notbremsungen, sich die Ziele jeweils selbst zueigen zu machen, einlenkte. Diesmal funktioniert das nicht. Die Regierungskoalition positionierte sich geschlossen gegen den jetzigen Volksentscheid und wird einen konkurrierenden Gegenentwurf vorlegen müssen. Der dürfte es schwer, wohl sehr schwer haben. Denn entweder weicht er deutlich von den Vorstellungen des Volksentscheids ab, oder er kopiert sie weitgehend. Da hat das Original zweifellos die besseren Karten.

Von Michael Zeißner

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