12.03.2019 - 14:55 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Alle lieben "Carlos"

"Carlos" weiß ganz genau, was er machen muss, um gestreichelt zu werden. Der Labradormischling setzt seinen treusten Hundeblick auf, legt den Leuten die Pfote aufs Bein oder stubst sie mit der Schnauze an.

Gestatten: "Carlos", Labradormischling, 2 Jahre alt.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

"Carlos Aufgabe ist es, unsere Patienten zu begrüßen", schmunzelt Bärbel Zetzl. Der zweijährige Rüde gehört der Familie Zetzl aus Neuhaus. Wenn Frauchen und Herrchen in ihrer Praxis für Physiotherapie arbeiten, ist der Hund immer mit dabei. In die Behandlungsräume darf er nicht. "Natürlich gibt es hundefreie Zonen. Das hat er wahnsinnig schnell gecheckt, obwohl er noch so jung ist", verrät das Frauchen. "Carlos" Platz ist auf einem große Kissen im Wartebereich. Daneben liegt allerlei Spielzeug: ein Plüschhase, ein Ball und was zum Kauen - halt alles, was ein Hund so braucht. Zeit, sich entspannt hinzulegen, hat "Carlos" gerade nicht. Nachdem er von der Journalistin ausgiebige Streicheleinheiten bekommen hat, mag er sich gar nicht mehr beruhigen. Während des Interviews springt er aufgeregt herum und wedelt mit dem Schwanz. Er scheint zu wissen, dass es in dem Gespräch nur um ihn geht.

Frauchen Bärbel Zetzl lässt ihn wuseln. "Über Kinder, Tierliebhaber und andere Hundebesitzer freut er sich ganz besonders", erzählt sie. "Carlos" merkt, wer es gut meint mit ihm. Menschen, die mit Hunden weniger anfangen können, lässt er in Ruhe. "Und wenn jemand Angst hat oder mit Hunden gar nicht kann, können wir Carlos immer noch raus bringen." Die Physiotherapeutin ist überzeugt: "Wenn Carlos in der Praxis ist, hellt sich die Stimmung auf ."

Der schwarze Labradormischling kam mit 11 Wochen nach Neuhaus. Da er anfangs noch nicht stubenrein war, musste er zunächst im Wintergarten bleiben, der an die Anmeldung angrenzt. "So hat er immer jemanden gesehen", erinnert sich Bärbel Zetzl. "Carlos" stammt von einem Hof in der Nähe von Krummennaab. "Dort ist er sehr sozial aufgewachsen", sagt Martin Zetzl. Der Hundevater aus dem Dorf durfte seine Familie immer wieder besuchen, und es gab Kinder und Katzen. Die Zetzls vermuten, dass auch dies ein Grund ist, dass Carlos so entspannt und pflegeleicht ist.

So ganz ohne Probleme verlief die Eingewöhnungszeit dennoch nicht. Vor allem die Schuhe der Patienten hatten es Carlos anfangs ganz besonders angetan. Wer zur Behandlung in die Praxis kommt, zieht im Flur seine Schuhe aus und lässt sie dort stehen. Normale Straßenschuhe interessierten den Rüden nicht, doch an Badeschlappen kam er lange nicht vorbei. "Wie oft bin ich hinterhergelaufen, um ihm den Schuh wieder abzujagen", erinnert sich Bärbel Zetzl. Der Hund fand es dagegen lustig und dachte Frauchen will mit ihm spielen. Auch im Gymnastikraum hätte sich Carlos in der ersten Zeit liebend gerne ausgetobt, doch auch dieser ist für ihn tabu. Die vielen Bälle dort haben es ihm angetan. Dass er sich doch einmal hineingeschlichen hat, bemerkten seine Besitzer an einer angenagten Faszienrolle.

Auch an die Arbeitszeiten seiner Menschen hat sich "Carlos" mittlerweile gewöhnt. Gegen 12 und 20 Uhr wird er unruhig, denn er weiß, dass Bärbel und Martin Zetzl bald Pause machen oder ihren Tag in der Praxis beenden. Dann haben sie Zeit mit ihm ausgiebig spazieren zu gehen. Im Haus trägt der Labradormischling meist nur ein Halstuch - entweder in rot oder ein weiß-blaues. Wenn's nach draußen geht, bekommt er ein Brustgeschirr mit aufgesticktem Namen angelegt.

"Carlos" ist der dritte Hund der Zetzls. Die Vorgänger hießen "Wiggerl" und "Jimmy" - ebenfalls Labradormischlinge, jedoch mit hellem Fell. "Wiggerl" ging damals in den 90er Jahren nicht mit in die Praxis. "Er lag immer auf einem Kissen im ersten Stock vor dem Flurfenster und hat rausgeschaut", blickt Bärbel Zetzl zurück. Auch "Jimmy" war zunächst nur in den Privaträumen. Doch im Laufe der Jahre hat sich der Hund seine Anwesenheit im Erdgeschoss regelrecht erarbeitet. "Er kam abends immer runter, um zu schauen, wo wir bleiben." Zuletzt sei "Jimmy" schon sehr gebrechlich gewesen. Er konnte nur schwer aufsteht und hat die Leute im Liegen wedelnd begrüßt. "Und bei Carlos war von Anfang an klar, dass er mit darf", das sagt Frauchen.

"Carlos" verteilt stürmische Hundesbussis für Herrchen Martin Zetzl.
Bitte streichle mich! "Carlos" setzt seinen treuesten Hundeblick auf.

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