Windischeschenbach
04.01.2019 - 12:32 Uhr

Bäuche und Bräuche

In Dorf Tirol weiß mittlerweile jeder, wo die Oberpfalz liegt. Schuld daran ist Bernhard Dötterl aus Sassenhof. Der 40-Jährige betreibt in Südtirol ein Hotel und schenkt in seinem Felsenkeller Windischeschenbacher Bier aus.

Was für ein Bierbauch! Das Fotomodell für Dezember, ein Schotte, prostet freudestrahlend in die Kamera. Bild: exb
Was für ein Bierbauch! Das Fotomodell für Dezember, ein Schotte, prostet freudestrahlend in die Kamera.

"Die Algunder können mit der Oberpfalz etwas anfangen", erzählt Dötterl. "Schließlich ist Etzenricht die Patengemeinde. Doch der Rest hatte keine Ahnung." Dötterl, der aus Sassenhof in der Nähe von Erbendorf stammt, hat den Südtirolern nicht nur bayerisches Bier näher gebracht, sondern auch viele Feste und Bräuche importiert. Doch auch die Oberpfälzer sind neugierig geworden. Inzwischen vergeht kaum eine Woche, in der keine Gäste aus der Heimat bei ihm absteigen. "Die nächsten, die kommen, sind Motorradfreunde aus Erbendorf", sagt er.

Dabei hatte Dötterl mit der Gastronomie zunächst nichts am Hut. Nach dem Studium arbeitet er in der Verwaltung von Burger King in München, wo er für den Einkauf in ganz Deutschland zuständig war. Dort lernt er seine zukünftige Frau Berta kennen, Leiterin der Produktentwicklung. 2004 heiraten die beiden, 2005 kündigt sich Nachwuchs an.

Raus aus der Großstadt

Das Leben mit Kind in der Großstadt bringt das junge Paar zum Umdenken. Dötterl lässt sich schnell auf den Vorschlag seiner Frau ein, in ihrer Heimat Südtirol zu leben. Im Hotel "Zum Tiroler Adler", das 2007 noch seine Schwiegereltern betreiben, fängt der Oberpfälzer ganz von vorne an. "Ich habe als Kellner gearbeitet, war in der Küche und als Barista tätig." 2009 übernehmen er und Berta das Haus. Als sich 2015 die Möglichkeit ergibt den Felsenkeller, denkmalgeschützt und 600 Jahre alt, zu kaufen, der nur "einen halben Steinwurf" vom Hotel entfernt liegt, überlegt die Familie nicht lange.

"Zunächst haben wir nicht genau gewusst, was wir daraus machen sollen", gibt Dötterl zu. Mit Stefan Dietz, einem alten Bekannten, der aus Wiesau stammt und inzwischen in Regensburg eine Apotheke betreibt, sitzt er drei Abende lang im Keller und trinkt Bier. "Reuther Lagerbier", erinnert sich der 40-Jährige schmunzelnd.

Und aus dieser Bierlaune heraus, entsteht die Idee, einen Bierkeller zu eröffnen. "Wir haben alles wirklich sauber durchgeplant." Das Ergebnis im "Köhl'n Keller" kann sich sehen lassen: Die Mischung aus traditionellen und modernen Elementen kommt bei den Gästen gut an.

Bernhard Dötterl (links), ein gebürtiger Oberpfälzer, und der Südtiroler Albin Gamper. Bild: Lowak
Bernhard Dötterl (links), ein gebürtiger Oberpfälzer, und der Südtiroler Albin Gamper.

Krüge aus Muglhof

Zu denen zählen nicht nur Touristen, sondern auch viele Einheimische. Das Windischeschenbacher Bier schenkt der Wirt in Glaskrügen mit Deckel aus. Ganz besondere Gäste können einen eigenen Krug beantragen, auf dem der Deckel mit Namen versehen wird. Den Krug lässt Dötterl ebenfalls in der Oberpfalz herstellen: Die Unikate liefert Bernhard Tretter aus Muglhof. Ein Krug mit Sonderanfertigung kostet im Einkauf 30 Euro. Wer einen Stammkrug haben möchte, muss dafür 65 Euro hinblättern. Das Geld steckt der Wirt aber nicht ein, sondern unterstützt damit ein krebskrankes Kind. "Auf diese Weise haben wir schon einiges zusammen bekommen", berichtet Dötterl.

Seinen Oberpfälzer Dialekt kann der ehemalige Sassenhofer nicht ganz verleugnen. Wenn er spricht, mischt er das Südtirolerischer mit bayerischem Slang. In Dorf Tirol ist er ganz eindeutig "der Bayer" - trotz aller Anpassung.

Kunst von Erwin Otte

Als Dötterl vor drei Jahren zum ersten Mal ein Maibaumfest mit Baumaufstellen organisiert, reagieren die Südtiroler zunächst sehr skeptisch "auf die neue Tradition". Doch ganz so neu ist der Maibaum auch in Südtirol nicht. Der Brauch ist in der Nazizeit lediglich eingeschlafen. Allen Unkenrufen zum Trotz: "Das Fest hat eingeschlagen wie eine Rakete", freut sich der Gastronom. Und wieder spielt hier die Oberpfalz eine Rolle: Ludwig Würth liefert den Maibock und der Reuther Künstler Erwin Otte entwirft das Maibaumtaferl.

In den Wintermonaten wird das Hotel "Zum Tiroler Adler" umgebaut. Die Arbeiten sollen bis Saisonbeginn im April abgeschlossen sein. Dötterl nutzt diese Phase, um für ein paar Tage die Heimat zu besuchen und hier auch auf die Jagd zu gehen. Diesmal begleiten ihn die beiden Söhne, 8 und 13, sowie Albin Gamper, ein guter Bekannter aus Dorf Tirol, der ihm häufig unter die Arme greift. Zwischen den beiden Regionen will sich Dötterl nicht entscheiden. "Ich fühle mich sehr wohl in Südtirol, doch meine Heimat bleibt die Oberpfalz."

Bierbauchkalender:

Das jüngste Projekt von Bernhard Dötterl ist ein Bierbauchkalender. Auf den vielen Bildern werfen sich Männer mit nacktem Oberkörper in Pose und rücken ihre Rundungen ins rechte Licht. "Einige der Bilder entstanden im Felsenkeller während des laufenden Betriebs", berichtet Dötterl. "Da hatten die Leute was zu schauen." Dass die Fotomodele viel Spaß hatten, ist auch den Aufnahmen unverkennbar.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.