21.09.2018 - 14:22 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Campingplatz "Schweinmühle" zu verkaufen

Hans Senft blickt auf die Saison zurück. Doch so ganz kann er sich über den Erfolg nicht freuen. Gesundheitliche Probleme zwingen ihn, den Ferienhof und Campingplatz "Schweinmühle" zu verkaufen.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Die Nachricht hat sich in den vergangenen Wochen bereits herumgesprochen. Senft kann sie nur bestätigen. "Ja, ich möchte verkaufen. Meine vier Kinder haben kein Interesse an dem Geschäft", bedauert er. Doch das ist nicht der einzige Grund. Senft leidet an COPD, einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Auch während des Pressegesprächs wird der 59-Jährige immer wieder von schweren Hustenanfällen gebeutelt. Die Arbeit auf dem Hof geht ihm nicht mehr so leicht von der Hand. "Früher hat man funktioniert, jetzt ist vieles schwerer geworden", gibt er zu.

Urlauber aus ganz Deutschland verbringen ihre Ferien auf der "Schweinmühle". "Heuer waren auch einige Skandinavier da", erzählt Senft. Viele Gäste kommen immer wieder. "Erst kürzlich haben wir eine Frau geehrt, die zum 50. Mal hier Urlaub machte." 70 Dauercamper haben ihren Wohnwagen bei der Familie Senft stehen. Außerdem gibt es 60 Plätze für Touristen. Der Campingplatz ist vor einigen Jahren sogar mit vier Sternen ausgezeichnet worden.

Früh am Morgen ist es auf dem Hof noch ruhig. Die Saison neigt sich Mitte September dem Ende zu. Der Morgentau auf dem Rasen glitzert in der Sonne. Alpakahengst "Beppo" blickt neugierig übers Gatter, auch die Ziegen und der Esel spitzen die Ohren, als die Fotografin bei ihrem Streifzug über das weitläufige Gelände ihre Kamera zückt. Die Tiere sind Besucher und viele streichelnde Kinderhände gewöhnt.

Senft hat in den vergangenen Jahren einiges investiert. Die Heuspielscheune für Kinder, der Streichelzoo und die Gastwirtschaft, in der es alle vier Wochen auch Zoigl gibt, kommen bei Urlaubern und auch Einheimischen gut an. Die "Schweinmühle" ist seit Anfang August Infopoint für den Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald. Dieser hat auch den in die Jahre gekommenen Waldlehrpfad wieder auf Vordermann gebracht. Kein Wunder, dass nicht nur Urlauber, sondern auch viele Tagesgäste gerne zur "Schweinmühle" kommen.

Schon in der Vergangenheit zwingen gesundheitliche Probleme Hans Senft zur völligen Richtungsänderung. "Bis 1986 hatten wir eine Bullenzucht", blickt er zurück. Dann wird bei ihm eine Rinderhaar-Allergie diagnostiziert. Eine Zeit lang bleibt der Hof viehlos, bevor Senft nach ein paar Jahren auf Schweine umstellt. "Seit 1991 verwertet wir sie auch selbst in der eigenen Metzgerei." Mittlerweile machen ihm aber Tiere jeglicher Art zu schaffen. Den Schweinestall betritt er nur noch mit Atemmaske. "Und das Pferd kann ich nur noch mit Handschuhen anlangen, sonst bekomme ich Ausschlag."

Zwölf Hektar umfasst das Gelände der "Schweinmühle". "Wenn ich verkaufe, dann nur im Paket. Ich möchte es nicht zerstückeln", sagt er. Und bis es soweit ist, will er den Hof genauso wie bisher betreiben - ohne Einschränkungen. "Die Camper sollen keine Angst haben. Der Betrieb läuft weiter." Auch die Bauernmärkte und Läden wird Senft wie bisher beliefern. Dass sich nicht von heute auf morgen ein Käufer findet, ist ihm klar. "Der Makler sagt, ich muss Geduld haben und wenn es noch zwei bis drei Jahre dauert. Ich bin schuldenfrei und muss nicht verkaufen, sondern ich möchte. Natürlich hängt auch Herzblut am Hof, doch die Gesundheit geht vor. Und das musste ich erst erkennen."

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