11.10.2018 - 18:41 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Endstation Windischeschenbach

Wochenlang rätselt Windischeschenbach, wer bei der Versteigerung des alten Bahnhofs wohl den Zuschlag bekommen hat. Jetzt ist die Stadt überraschend selbst Eigentümerin. Wie es dazu kam, ist kurios.

Wer hat den alten Bahnhof gekauft? Diese Frage beschäftigt viele. Nun stellt sich heraus, dass die Stadt Windischeschenbach Eigentümerin ist.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Vor knapp drei Wochen war der alte Bahnhof Windischeschenbach beim Auktionshaus Karhausen in Berlin unter den Hammer gekommen. Nicht die Stadt Windischeschenbach, sondern ein unbekannter Bieter hatte am Ende das Areal ersteigert, hieß es (wir berichteten). Zweiter Bürgermeister Erich Sperber, der am 21. September ebenfalls in Berlin war, hatte das Nachsehen.

Bei einem Kaufpreis von 38 000 Euro warf Sperber das Handtuch. Wer letztendlich den Bahnhof für 500 Euro mehr telefonisch erworben hat, wollte der Notar zu diesem Zeitpunkt nicht bekanntgeben. Nicht nur Bürgermeister Karlheinz Budnik rätselte, wer das Areal gekauft hatte.

Mehr Bieter als gedacht

Des Rätsels Lösung sorgte nun zunächst für Sprachlosigkeit. Eine Vereinbarung sah nämlich folgendes vor: Falls Sperber auf dem Weg nach Berlin im Stau stecken bleiben sollte, würde ein Mitarbeiter des Auktionshauses telefonisch im Namen der Stadt mitbieten. Es gab eine genaue Anweisung, bis zu welcher Höhe der Vertreter am Ball bleiben sollte.

Doch der zweite Bürgermeister kam pünktlich nach Berlin, meldete sich am Schalter des Auktionshauses an und saß mit allen anderen Interessenten in den Stuhlreihen im Publikum. Trotzdem handelte der Mann am Telefon für die Stadt Windischeschenbach. Und so begann der Bieterreigen im Saal und am Telefon. Sperber vor Ort stieg bei 38 000 Euro aus, der Bevollmächtigte am Telefon setzte noch 500 Euro drauf.

"Es war uns sehr wichtig, den Bahnhof zu erwerben", erklärt Windischeschenbachs Bürgermeister Karlheinz Budnik. Am Ende also hat die Stadt ihr Ziel erreicht, und der Kaufpreis blieb weit unter dem gesetzten Limit von 50 000 Euro.

Düsseldorfer untätig

2012 hatte eine Düsseldorfer Immobilienfirma das Areal gekauft, aber nichts damit gemacht. Und so gammelt das alte Gebäude vor sich hin. Reisende, die hier zum ersten Mal aus dem Zug aussteigen, bekommen keinen guten Eindruck von der Zoiglhauptstadt. Diesen Zustand wollten die Stadtväter auf Dauer nicht hinnehmen.

Auch die Regierung der Oberpfalz befürwortete die Bemühungen der Kommune, den Bahnhof zu erwerben, und gab dazu eine Empfehlung ab. Regina Harrer vom Sachgebiet Städtebau schrieb in einer E-Mail: "Um Fehlentwicklungen zu verhindern, empfehle ich, das Gebäude zu erwerben." Gleichzeitig signalisierte Regensburg finanzielle Unterstützung bei der Sanierung des 1100 Quadratmeter großen Areals im Rahmen der Stadtsanierung.

Robert Leiner von der "iq-Projektgesellschaft" in München, der das ISEK-Programm in Windischeschenbach betreut, sieht das ähnlich. "Ein Bahnhof als Empfangspunkt ist ein imageprägender Faktor nicht nur für die Stadt, sondern auch für die gesamte Region." Angemerkt

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