12.09.2018 - 09:54 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Harte Feldarbeit wie einst

Heutzutage zieht ein Traktor den Pflug übers Feld, früher mussten die Bauern Pferde oder gar Ochsen davor spannen. Joe Stangl, Theo Summer und Günter Riedl demonstrieren, wie anstrengend die Arbeit einst war.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

"Sternchen" und "Kuba" trotten über das Feld. Die schweren Kaltblutpferde von Joe Stangl aus Bernstein ziehen an diesem Tag keine Kutsche ins Waldnaabtal, sondern einen Pflug von anno dazumal. Das alte Ackergerät aus Eisen besteht aus zwei Rädern, Haltegriffen und einer Schar. Auch wenn die Pferde scheinbar mühelos den Pflug schleppen, ist es für die Menschen, die hinterherstapfen, kein Zuckerschlecken.

Stangl wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Das ist anstrengend", gibt der 53-Jährige zu und kapituliert nach ein paar Furchen. Ein kleines Stück vom Feld ist bereits umgegraben. Dafür haben Theo Summer (64) und Günter Riedl (77) gesorgt. "Ja, das ist eine ganz andere Arbeit", erklärt Summer. "Die Leute früher waren es gewohnt immer zu gehen. Wir sind das nicht mehr."

Eigentlich besteht keine Notwendigkeit, sich so zu plagen. Doch Stangl, Summer und Riedl liegt am Herzen, dass nicht vergessen wird, wie hart die Menschen einst in der Landwirtschaft gearbeitet haben und welche Hilfsmittel sie zur Verfügung hatten. Was früher einen Tag lang gedauert hat, erledigt heute ein Bauer mit Traktor und modernem Gerät in einem Bruchteil dieser Zeit. Noch heute hat der Begriff Tagwerk (knapp 3500 Quadratmeter) seinen festen Platz im Sprachgebrauch. Ein Tagwerk bezeichnet die Fläche, die sich mit einem Pferde- oder Ochsengespann in einem Tag bewältigten lässt.

Stangl, der in Bernstein eine kleine Metzgerei betreibt, recherchierte im Internet, um einen alten Pflug aufzutreiben. In Thüringen fand er schließlich, was er haben wollte. "Auf viele Höfen stehen noch alte Geräte herum, doch die meisten Leute geben nichts her", weiß er. Einen Pflug zu kaufen, ist eine Sache, mit ihm zu ackern eine andere.

Mit Summer und Riedl findet Stangl kompetente Unterstützung. "Ich habe das schon als Kind gemacht", erinnert sich Summer. Auf dem Hof seines Vaters gab es schwere Warmblüter. Mit denen zog er als 10-jähriger Bub aufs Feld, um Mist einzuackern. "Mir hat das immer gefallen", erzählt er. "Das war eine schöne Zeit." Auch wenn der Großteil der Arbeit auf dem elterlichen Anwesen schon mit Maschinen erledigt worden sei. Noch in den 1950er Jahren arbeiteten viele Landwirte auf diese Weise. "Dann kam der Umschwung", weiß Summer und ab 1960 seien dann großflächig Maschinen eingesetzt worden.

Nicht nur Stangl lernt an diesem Tag dazu. Auch seine Pferde wissen anfangs nicht genau, was sie zu tun haben. "Das ist für sie auch neu", sagt Summer. "Wenn wir diese Arbeit den ganzen Tag machen würden, wüssten sie, was wir von ihnen erwarten." Deshalb sind die ersten Furchen im Gegensatz zu den zuletzt gezogenen nicht ganz gerade.

Die gemeinsame Leidenschaft brachte die Männer zusammen. Summer hatte früher selbst Pferde und bot auch Kutschenfahrten an. "Wir sind gerne Richtung Rothenbürger Weiher gefahren." Riedl half ihm immer wieder, wenn Not am Mann war. Durch Zufall lernten die beiden Stangl kennen, dem sie auch immer wieder unter die Arme greifen und mit "Sternchen" und "Kuba" Fahrten ins Waldnaabtal übernehmen. Wer selbst einmal Kutsche fahren will, kann sich unter Telefon 09681/2569 oder 0151/57528384 melden.

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