Windischeschenbach
22.12.2023 - 08:39 Uhr
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Bei Hobbyschnitzer Christof Daubner spitzt Norbert Neugirg von der Fensterbank

Vor knapp 40 Jahren entdeckt Christof Daubner aus Windischeschenbach das Schnitzen als Hobby. Der 88-Jährige beeindruckt vor allem mit seinen detailgetreuen Gesichtern. Prominentestes Beispiel ist die Altneihauser Feierwehrkapell'n.

Christof Daubner schnitzt und schnitzt. Wie viele Figuren und Skulpturen er in den vergangenen Jahrzehnten hergestellt hat, weiß er nicht mehr. Auch im Alter kann er von seinem Hobby nicht lassen. Daubner ist mittlerweile 88 Jahre alt und immer noch ein Meister seines Fachs. Vor zweieinhalb Jahren ist der Windischeschenbacher in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Zuvor hat er mit seine Ehefrau Edeltraud 53 Jahre lange den Hotel-Gasthof "Mühlbachtal" in Friedenfels betrieben.

Der Hobbyschnitzer ist bekannt für seine filigranen und detailgetreuen Gesichter. Im großen Flur hinter seiner Werkstatt steht zurzeit eine Krippe mit bis zu 45 Zentimeter hohen Figuren. "Die Krippe habe ich zweimal geschnitzt", erklärt. Die erste Version davon befindet sich in der Pfarrkirche Herz Jesu in Pechbrunn. Und weil ihm diese Krippe besonders ans Herz gewachsen war, hat er sie für sich gleich noch einmal angefertigt. Die Besonderheit daran: Einer der Heiligen Drei Könige sieht aus wie der damalige Pechbrunner Pfarrer. Daubner hat zunächst kein Wort darüber verloren. "Doch die Ministranten haben's schließlich gemerkt", erzählt er schmunzelnd.

Jetzt im Ruhestand hat Daubner Zeit zu schnitzen. Doch wie hat der als Hotelier und Wirt die nötige Muse dazu gefunden? "Ich habe geschnitzt, wenn die Gäste im Bett waren", sagt er. "Solange bis auch mir die Augen zugefallen sind." Durchs Schnitzen habe er abschalten und Tag hinter sich lassen können. "Und auch im Winter war Zeit dafür." Den Gasthof hat das Ehepaar Daubner bis vor drei Jahren betrieben, bevor es ihn verkauft hat und wieder zurück nach Windischeschenbach gezogen ist.

Zum Schnitzen der rüstige Senior erst im Alter von 50 Jahren gekommen. "Mich hat das einfach mal interessiert", blickt er zurück. "Ich habe angefangen und gemerkt, dass es funktioniert." Dass fürs Schnitzen ein gewisses Talent erforderlich ist, hat Daubner erst realisiert, als er an der Volkshochschule in Tirschenreuth Kurse gibt. 12 Jahre lang habe er unterrichtet. In dieser Zeit sei nur einer dabei gewesen, der wirklich Begabung gezeigt hätte.

Das Schwierige am Schnitzen seien die Proportionen. "Das muss man können. Der Kopf ist etwa acht Mal im Körper drin", erklärt Daubner. Auch fürs Messer sei jede Menge Gefühl notwendig. In seiner Werkstatt hängen fein säuberlich aufgereiht seine viele Schnitzmesser in allen Formen und Größen. Dazu gehören etwa der Geißzug, das Hohleisen oder das Rosenmesser. "Den meisten muss man erst beibringen, wie sie das Messer halten sollen", sagt er. In den Finger habe man sich schnell geschnitten.

Sein künstlerisches Talent kommt nicht von ungefähr. Bevor der Hobbyschnitzer Gastwirt wurde, war er viele Jahre bei Winterling als Porzellanmaler tätig und malte in seiner Freizeit Landschaften, Porträts oder Blumen in Öl und Aquarell.

Bevor Daubner sich den Mitterteicher Schnitzer anschloss, bei denen er noch heute ist, machte er in Plößberg bei den Krippenschnitzern mit. Besonders geschätzt wird allerorts seine Gabe, Gesichter detailgetreu nachzubilden. Auf Wunsch einer Frau habe er einmal einer Figur, einem Gärtner, das Gesicht des Ehemanns gegeben. Als sie zum Abholen kam, habe sie ganz begeistert ausgerufen: "Das ist er ja wirklich."

Daubner wagt sich daraufhin an etwas Schwierigerem und schnitzt Norbert Neugirg und seine Altneihauser Feierwehrkapell'n. Die Truppe, die auch immer mal wieder ausgestellt war – zuletzt im Museum in Mitterteich – hat nun einem Ehrenplatz auf einem Fensterbrett in seinem Haus bekommen.

Das Holz bekommt Daubner von Bauern aus der Umgebung. "Manche rufen an und fragen, ob ich wieder etwas brauchen kann", erzählt er. Zum Schnitzen eignet sich vor allem Holz aus Zirben (dunkel) und Linden (hell). Manche Figuren werden mit Wachs behandelt. "Wenn man sie dann mit der Bürste behandelt, bekommen sie wieder Glanz." Ans Aufhören denkt Christof Daubner noch lange nicht. Lediglich das Organisieren und Aufbauen von Ausstellungen ist ihm mittlerweile zu mühsam. "Da bräuchte ich dann Hilfe", sagt er.

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