Windischeschenbach
08.09.2019 - 11:36 Uhr

Kampf um Johannessteig geht weiter

So verworren und undurchdringbar wie sich der Johannessteig derzeit präsentiert, ist das Prozedere zum Versuch der Erhaltung oder Wiederherstellung des Weges. Im Infoabend geben Vertreter der im Stadtrat vertretenen Parteien Statements ab.

Der einstige Aufstieg des Johannessteiges (links) ist nur noch zu vermuten. Die Treppen sind entfernt, die Steine haben sich als Folge von Frost gelöst. Bild: bey
Der einstige Aufstieg des Johannessteiges (links) ist nur noch zu vermuten. Die Treppen sind entfernt, die Steine haben sich als Folge von Frost gelöst.

Erstmals dokumentiert ist der Kirchsteig 1863. Bei der Präsentation des bisherigen Schriftverkehrs, von Emails und Gesprächen über die Erhaltung des Weges durch die Interessengemeinschaft Johannessteig am Freitagabend im SpVgg-Sportheim war der Einfluss der bevorstehenden Kommunalwahl unüberhörbar. Horst Welsch sprach dem Johannessteig, ebenso wie dem Burgsteig oder dem Akaziensteig eine große touristische Bedeutung zu.

Rund 40 Zuhörer, darunter auch Zweiter Bürgermeister Erich Sperber, Vertreter des Stadtrates aller Fraktionen und vor allem "Freunde dieses Weges", waren gekommen, um sich von Welsch und Manfred Riebl den Sachverhalt per Powerpointpräsentation zeigen zu lassen. Im Oktober 2015 hat der Stadtrat erstmals aus Kostengründen die Sanierung des Weges abgelehnt. Bemerkenswert: Die Deutsche Bahn Netz AG hatte gegen die Sanierung keine Einwände. Nur zwei Monate später in der Bürgerversammlung wurde nicht mehr von Baukosten von rund 200 000 Euro, sondern nur noch von 50 000 Euro gesprochen. Aktuell rede man nur noch von 16 604 Euro, erklärte Welsch. Im Mai 2017 ergab sich für die Interessengemeinschaft das Problem, dass der Johannessteig entwidmet war, also keine verkehrsrechtliche Bedeutung mehr hatte.

Vor nahezu genau zwei Jahren bei einem erneuten Ortstermin nannte der Vertreter der DB Netz für den Wanderweg den Bau eines 15 Meter langen und 1,5 Meter hohen Sicherheitszaunes ausreichend. Die Kosten dafür wollte die Interessengemeinschaft übernehmen, so die Sprecher.

Horst Welsch und Manfred Riebl (von links) erläutern den Zuhörern die Geschehnisse um den Erhalt und die Wiederherstellung des Johannessteiges. Bild: bey
Horst Welsch und Manfred Riebl (von links) erläutern den Zuhörern die Geschehnisse um den Erhalt und die Wiederherstellung des Johannessteiges.

In einer weiteren Mail, die am 9. Mai 2018 um 6.07 Uhr abgeschickt worden war, beharrte der Schienennetzbetreiber auf der Einhaltung vorliegender Sicherheitsauflagen. Ganz klar die Aussage, dass bis zur Bewertung des Sachverhaltes keine Zustimmung erteilt werden könne. Am 6. Juli machte die Bahn eine Kehrtwende: Eine Genehmigung für den Weg gebe es nicht mehr, weil dessen Begehung grundsätzlich nicht den Sicherheitsanforderungen entspreche.

Das Wirrwarr wird noch größer, denn die Interessengemeinschaft bezieht sich auf die DB-Stellungnahme mit dem Schutzzaun, erkennt an, dass auch bei Elektrifizierung ein geringerer Abstand von Zaun zur Gleismitte ausreichend sei und der Stadt für den mittleren Teil des Steiges auf Bahngrund mit 130 Metern Länge keine Kosten zukämen.

Bei der Aussprache wurde deutlich, dass im Grundbuch für den Weg keine Strecke abgemarkt sei. Bei einer möglichen Nutzung müsse auf die Eigenverantwortlichkeit des Nutzers hingewiesen werden, betonten die Sprecher der Interessengemeinschaft. SPD-Mann Werner Sauer hob hervor, dass eine "vernünftige Behandlung" des Weges das fünfjährige Dilemma hätte vermeiden können. Das seinerzeitige Abstimmungsverhalten im Stadtrat bedauere er. Der gesamte Ablauf bei diesem Thema sei mit Widersprüchen gespickt. Nobert Neugirg wollte wissen, ob Unterlagen vorhanden seien, die Aufschluss über die Nutzung des Weges geben. Sarkastisch hängte er die Frage an, wie viele Menschen an dem Weg zu Tode gekommen seien.

Wir wollen diesen Steig. Das muss als unüberhörbares Ziel herausgehoben werden.

Norbert Neugirg

Josef Söllner (Freie Wähler) bedauerte, dass die Zahl der Zuhörer in den Stadtratssitzungen zum Thema Johannessteig oftmals sehr gering gewesen sei. Bei seinem Hinweis, dass der Bürger bei der Kommunalwahl seine Meinung äußern könne, war Gegenwind unüberhörbar. Der Redner musste sich die Frage gefallen lassen, ob der Informationsabend zur Wahlversammlung geworden sei.

Die Deutsche Bahn AG als Eigentümer eines Teilstücks des Weges habe momantan "den Deckel zugemacht", sorgte Zweiter Bürgermeister Erich Sperber für eine klare Aussage. Außerdem erstrecke sich das Tätigkeitsfeld des Bürgermeisters nicht nur auf den Johannessteig, Martin Leder, der jetzt bei der DB Netz für den Steig zuständig sei, habe von seinen Vorgängern keinen Schriftverkehr, der den Johannessteig betreffe, gefunden. Lautstark wies Sperber Vorhaltungen von Welsch zurück, die Sperrung des Weges stehe in Verbindung mit dem Kauf des Bahnhofs Windischeschenbach durch die Stadt. Stadtrat Stefan Seitz (SPD) bedauerte, dass Interessen der Bürger "abgewürgt" worden seien. Den Zustand des Weges bezeichnete er als "sehr schade".

Vereinsgründung angeregt

Gegenwind für Söllner

Kehrtwende im Juli 2018

Angesprochen wurde die Umwandlung der Interessengemeinschaft in einen Verein, der dann auch Spenden entgegennehmen könne, ohne dafür den OWV Windischeschenbach zu brauchen. Diese Anregung befürwortete Zweiter Bürgermeister Sperber. Er schlug vor, bei eventuellen Schwierigkeiten mit der Deutschen Bahn die höhere politische Ebene als Unterstützung einzuschalten.

Der alte Weg sei "gestorben", meinte ein anderer Zuhörer und sprach sich für die Anlegung einer völlig neuen Verbindung für Fußgänger aus. Manfred Haberzeth schlug vor, nochmals bei der DB um eine klare Aussage zu bitten. Dieser Forderung schloss sich auch Neugirg an. "Wir wollen diesen Steig. Das muss als unüberhörbares Ziel herausgehoben werden", forderte der prominente Windscheschenbacher.

Horst Welsch und Manfred Riebl (von links) erläutern den Zuhörern die Geschehnisse um den Erhalt und die Wiederherstellung des Johannessteiges. Bild: bey
Horst Welsch und Manfred Riebl (von links) erläutern den Zuhörern die Geschehnisse um den Erhalt und die Wiederherstellung des Johannessteiges.
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