Windischeschenbach
12.02.2026 - 15:10 Uhr
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Microsyst Windischeschenbach feiert Jubiläum: Vom Vier-Mann-Betrieb zum Mittelständler

Von einer kleinen Wohnung in Weiden zum florierenden Unternehmen mit Standort im Gewerbepark Neuhaus: Die Microsyst Systemelectronic GmbH feiert 2026 ihr 40-jähriges Bestehen. Ein Rückblick auf die Unternehmensgeschichte.

Von Michaela Lowak

Wenn Harald Kilian unterwegs ist, kann er gar nicht anders, als sich so manche LED-Anzeige genauer anzuschauen. Als er im vergangenen Jahr im Urlaub in der Großglockner-Region war, fiel ihm das Display eines Parkhauses auf. „Ich habe mir sofort gedacht, das können wir besser“, erzählt er. Mit „wir“ meint er seine Firma Microsyst Systemelectronic GmbH, die sich vor neun Jahren im Gewerbepark Neuhaus/Windischeschenbach niedergelassen hat. Doch die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begann schon viel früher. 2026 kann Microsyst 40-jähriges Bestehen feiern.

Mit insgesamt vier Mitarbeitern startete die Firma 1986 in einer Wohnung in Weiden, damals noch unter anderer Führung. „Gegründet wurde Microsyst von meinen beiden Ex-Chefs“, blickt der 56-jährige Kilian zurück. Er selbst kam 1990 als Auszubildender für Kommunikationselektronik dazu. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Microsyst zehn Mitarbeiter. Diese Zahl verdoppelte sich schnell, 1995 waren es bereits 20.

Breites Spektrum

Das lag vor allem an der wachsenden Nachfrage nach LED-Anzeigen. In den ersten Jahren kamen die Kunden größtenteils aus der Automobilindustrie, im Laufe der Jahre wurde das Spektrum immer breiter. Technik von Microsyst findet sich mittlerweile in den unterschiedlichsten Bereichen, wie etwa in einem Hochregallager, in der Kirche, um die Seitenzahl im Gesangsbuch anzuzeigen, oder in der Sauna als digitale Anzeige statt Sanduhr und Hygrometer.

Harald Kilian entschied sich nach seiner Lehre, die 1993 endete, für ein Studium der Elektrotechnik in Regensburg, kehrte aber im Anschluss 1997 zu Microsyst zurück, wo er zunächst in der Entwicklung und von 1998 bis 2007 als Fertigungsleiter tätig war. Aus der Wohnung war die Firma längst ausgezogen und hatte ihren Firmensitz in ein eigenes Gebäude an der Centralwerkstätte in Weiden verlegt. Doch auch das war schnell zu klein, sodass weitere Räume auf dem ehemaligen PFA-Gelände angemietet werden mussten.

Zu diesem Zeitpunkt war nur noch einer der Gründer mit im Boot. 2007 beschloss dieser, die Firma an die Funkwerk AG zu verkaufen. Name und Belegschaft blieben allerdings wie bisher. 2010 zählte Microsyst schon 40 Mitarbeiter. Harald Kilian stieg im Folgejahr zum Prokuristen und Standortleiter auf.

Aufträge waren da

„Das Unternehmen boomte“, erinnert er sich, doch die Funkwerk AG habe damals festgestellt, dass Microsyst so gar nicht zum Rest der Unternehmensstrategie passte und deshalb wieder verkauft werden sollte. In Harald Kilian entstand so nach und nach der Gedanke, Microsyst selbst zu erwerben. „Die Zahlen haben gepasst, die Aufträge waren da“, begründet er den Kauf.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen 2013 leitete Kilian einen erneuten Umzug in die Wege. „Wir platzten aus allen Nähten“, erzählt er. Das neue Domizil befand sich in der Nähe des neuen Volksfestplatzes in Weiden. „Ich habe aber in dieser Zeit bereits mit dem Gedanken gespielt, irgendwann einmal selbst zu bauen“, sagt der Unternehmer. Als die Firma im Jahr 2015 ihr 30-jähriges Jubiläum feierte, waren 60 Mitarbeiter bei Microsyst beschäftigt. Harald Kilian schaute sich zunächst in Weiden nach einem geeigneten Grundstück um, musste aber dann schnell feststellen, dass es hier schwierig war.

Umzug nach Windischeschenbach

Schließlich wurde er in Windischeschenbach fündig. Im Juli 2016 erfolgte im Gewerbepark Neuhaus der Spatenstich und im April 2017 das Richtfest. Bereits im September 2017 konnte die Firma von Weiden in das neue Gebäude in Neuhaus umziehen.

Bei einem Rundgang durch die Produktion wird deutlich, wie individuell die Aufträge sind. Hier wird geschraubt, gelötet, zusammengefügt. „Wir stellen keine Serienprodukte her“, erklärt der Firmenchef. Ein Beispiel dafür findet sich gleich in der Nachbarschaft. Das Bayerische Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE) gab eine LED-Anzeige in Auftrag, auf der „Notaufnahme“ zu lesen ist, die künftig bei Übungen der Rettungskräfte auf das „Krankenhaus“ hinweisen soll.

Fußballplatz und WTW

Weitere Microsyst-Anzeigen in der Region gibt es auf den Fußballplätzen der SpVgg Windischeschenbach und des SV Kohlberg sowie in der Weidener Thermenwelt. Insgesamt betrachtet kommen die Kunden des Elektronikunternehmens aus der ganzen Welt. „Norwegen, Dubai, USA, Marokko, Ungarn, Südafrika, China“, zählt Killian auf. Im Schnitt gehen in Neuhaus pro Jahr etwa 1000 Aufträge ein. Anzeigen-Systeme werden gefertigt, verpackt und versandt, sodass der Kunde in der Lage ist, sie selbst dort zu installieren, wo sie gebraucht werden. "Auf Wunsch übernehmen wird das aber", erklärt der Unternehmer. Die Pick-by-Light-Projekte dagegen montiert Microsyst meist komplett.

Kilian versucht, soweit wie möglich, mit Lieferanten aus der Region und auch mit dem HPZ Irchenrieth zusammenzuarbeiten. In den Werkstätten werden etwa Mechanikteile gefertigt. Momentan zählen 50 Mitarbeiter zur Belegschaft, eine Zahl, die schwankt und davon abhängt, wie viele Lehrlinge Microsyst gerade beschäftigt. Laut Kilian sind in den vergangenen 40 Jahren 60 junge Menschen ausgebildet worden.

Bereut hat der Unternehmer den Schritt in die Selbstständigkeit nie. „Das war zu damaliger Zeit genau richtig“, sagt er und räumt aber gleichzeitig ein: „Wenn ich jetzt vor der Entscheidung stünde, mich selbstständig zu machen, würde ich es nicht tun.“ Die aktuelle Lage sei alles andere als einfach. Kilian will aber nicht jammern: „Vor zehn Jahren flossen die Aufträge quasi nur so herein, jetzt müssen wir deutlich mehr Vertriebsarbeit leisten.“

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