13.03.2019 - 13:56 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Neuhauser bringen den Frühling

Meteorologischer oder kalendarischer Frühlingsanfang? Völlig unbedeutend. Der Frühling beginnt, unabhängig von den Wetterkapriolen, in jedem Jahr mit dem Frühjahrskonzert der Neuhauser Boum – und das zum 43. Mal.

von Inge WürthProfil

Vorsitzende Franziska Schwamberger begrüßte die Gäste heuer an einem ungewohnten Ort – in der Aula der Schule in Windischeschenbach. Sturm "Eberhard" hatte weder Musikliebhaber noch Ehrengäste und befreundete Vereine abgehalten, zum Konzert zu kommen. Ist doch Musik „Geschenk und Gabe Gottes“, wie die Vorsitzende meinte. Die Moderation hatte Wilhelm Trisl übernommen, der zu jedem Stück interessante Details lieferte. Eröffnet wurde der Abend mit dem Konzertmarsch „In Vita Optimum“ von Lukas Bruckmeyer, einem technisch anspruchsvollen Stück, das – im Gegensatz zu normalen Märschen – nicht in der Bewegung gespielt wird.

Die Ouvertüre von Willy Koester zu „König Drosselbart“, einem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm, stellte ebenso hohe Anforderungen an die Musiker. Flottes Tempo stand im Kontrast zu getragenen Passagen. Beim feierlichen „Ceremonial March“, der oft dann gespielt wird, wenn würdevolles Schreiten oder Polonaise-Formation angesagt ist, übernahm Marina Sauer den Solistenpart auf der Flöte. In die Welt des Musicals führte Moderator Trisl die Zuhörer dann ein; John Miles ist untrennbar verbunden mit dem Hit „Music“ aus dem Album „Rebel“, von der Kapelle interpretiert als Harmonie-Fanfare für Blasorchester.

Zu einer emotionalen Reise lud der Ungarische Tanz von Gerald Servit ein. Die Solisten an Flügel- und Tenorhorn waren Matthias Bogner und Siegfried Gleißner, an den Trompeten Frank Döhler und Marco Zeus. „Die Böhmische Polka spiegelt die Mentalität der Böhmen wider“, also Gemütlichkeit und Bodenständigkeit, führte der Moderator zu „Steeephans Polka“ aus. Alexander Pfluger widmete sie einem Freund, der durch einen Autounfall ums Leben kam. Mit einem schwungvollen „Rock Opening“ (Manfred Schneider) zeigten die Musiker vor der Pause nochmals die Bandbreite ihres Repertoires und, dass sie genauso gut „auch rockig können“. Mit „Das ist Musik“, einem Polka-Potpourri ging es bei den Neuhauser Boum in die zweite Konzerthälfte, bei der Dirigent Robert Schricker teils den Taktstock an seinen Stellvertreter Thomas Meiler übergab und seinen Platz bei den Musikern einnahm.

Bei den „Romantic Dreams for Trumpets“ von Peter Papert hatten die Trompeten und Flügelhörner ihre Soloparts, die hervorragend gemeistert wurden. „Fascination Drums“ – als „Solo für Schlagwerk“ untertitelt bot den jungen Mitgliedern der Kapelle Kilian Michl, Philipp Tretter, Julian Reischl und Michael Schricker die Gelegenheit, ihr rhythmisches Können unter Beweis zu stellen – und das nicht nur am traditionellen Schlagzeug: Auch eine Leiter eignet sich für ein virtuoses Solo, wie Philipp Tretter bewies. „The Rose“, in der Interpretation von Bette Midler mit vielen Preisen ausgezeichnet, wurde von den Musikern mit viel Gefühl gespielt. Fetziger dann „A Rock Selection“ – ein Medley, bei dem „Smoke on the Water“, „Time is tight“ und „What a Feeling“ nostalgische Gefühle aus den 80ern aufkommen ließen und bei dem auch die Instrumente bewegungstechnisch rockten.

Ein mitreißendes Polka-Medley à la James Last bildete eigentlich den Abschluss des offiziellen Programms; aber – selbstredend – die 32 Musiker mussten noch etliche Zugaben drauflegen, bevor das Publikum zufrieden war. Die Aktiven der Truppe boten ein Konzert, das ein breites Spektrum abdeckte, die Neuhauser Boum und Moidln beherrschen alle Register der traditionellen Blasmusik, sie können aber auch Rock, Pop und Swing; E-Bass, E-Gitarre und „Schießbude“. Dirigent Robert Schricker ist mit Herz, Seele und Körpereinsatz dabei, tauscht sich in Mimik und Gestik mit seinen Leuten aus. Er dirigiert nicht nur, sondern lebt die Stücke. Den beiden Dirigenten Schricker und Meiler galt dann auch der Dank der beiden Vorsitzenden Franziska Schwamberger und Matthias Bogner.

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