Das Freibad Windischeschenbach hat einen guten Ruf. Badegäste aus der gesamten Region schätzen das Familienbad mit den 50-Meter-Bahnen, dem Nichtschwimmerbecken und dem Bereich für Kleinkinder. 2024 kann die Einrichtung 40. Geburtstag feiern, doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr kämpft das Bad mit Personalproblemen wie nie zuvor. "Noch wissen wir nicht, wie, wann und in welcher Form wir öffnen können", zeigt sich Windischeschenbachs Bürgermeister Karlheinz Budnik besorgt. "Doch wir versuchen alles."
Es fehlen für diese Saison gleich zwei Bademeister. Wie ist das möglich? In beiden Fällen macht die Familienplanung der Stadt Windischeschenbach einen Strich durch die Rechnung. Während der Betriebsleiter schon bald in Elternzeit geht und in den nächsten Monaten nicht zur Verfügung steht, hat sich ein weiterer Kollege ebenfalls aus persönlichen Gründen neu orientiert. Der dritte verbleibende Meister für Bäderbetriebe kann das Bad unmöglich alleine stemmen.
Berufsgenossenschaft gibt Arbeitszeiten vor
Budnik ist sich bewusst, dass jetzt einige unken und auf frühere Zeiten verweisen werden, in denen ein Bademeister die Saison alleine geschmissen hat. "Die Zeiten haben sich geändert", sagt der Bürgermeister. "Jetzt schreibt die Berufsgenossenschaft die Arbeitszeiten vor." Das sei auch gut so. Der Beruf eines Fachangestellten oder Meister für Bäderbetriebe erfordere eine erhöhte Wachsamkeit. Und diese lasse bei jedem nach einer gewissen Zeit nach. Budnik gibt offen zu, dass auch der Saisonbetrieb nicht jedem liegt. "Ein Bademeister muss in der Hauptferienzeit da sein", sagt er.
Um einen ordnungsgemäßen Badebetrieb im Freibad gewährleisten zu können, benötigt die Stadt Windischeschenbach insgesamt drei Fachangestellte. "Was viele Badegäste nicht bedenken – die Arbeit beginnt ja schon weit vor den Öffnungszeiten", so der Rathauschef. Zusätzliche Rettungsschwimmer können zwar stundenweise bei der Beckenaufsicht aushelfen, haben aber von der Technik keine Ahnung. Zudem können und dürfen sie keineswegs eine Fachkraft ersetzen.
2500 offene Stellen in ganz Deutschland
Fachangestellte für Bäderbetriebe sind nicht nur in Windischeschenbach, sondern in ganz Deutschland Mangelware. Die Deutsche Gesellschaft für das Badwesen verweist auf bis zu 2500 offene Stellen. Eric Voß, Bereichsleiter Ausbildung, will aber dennoch nicht von einem generellen Fachkräftemangel reden. "Das ist regional unterschiedlich", sagt er. Vor allem in den Ballungsräumen sie dies schwierig. Auch Freibäder kleinerer Kommunen hätten Probleme, etwa wenn es darum geht, den Badmitarbeitern Ganzjahresverträge anzubieten. Voß sieht den Knackpunkt aber woanders: "Warum verschwinden so viele Mitarbeiter nach der Ausbildung?", gibt er zu bedenken.
Am Berufsbild selbst kann es nicht liegen. Auf der Internetseite des Verbands ist der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe genau dargestellt. Wer mit diesem Aufgabengebiet liebäugelt, sollte nicht nur schwimmen können und den Umgang mit Wasser mögen, sondern auch kontaktfreudig sein und technisches Verständnis mitbringen. Klingt eigentlich nach einem Traumjob? Laut Voß würden sich viele eine planbarere Freizeit oder mehr Gehalt wünschen. "Das dies oft nicht so ist, schreckt viele ab", meint er und plädiert deshalb dafür, Strukturen und Konzepte zu überarbeiten. Voß könne sich auch eine interkommunale Zusammenarbeit vorstellen, bei der beispielsweise eine Fachkraft zwei Bäder betreut.
Bereits vor einigen Jahren musste in der Region ein Freibad mangels Personal schließen. Das Waldfreibad Altglashütte im Landkreis Tirschenreuth hatte zum letzten Mal im Sommer 2019 geöffnet. Dann kam Corona und der langjährige Bademeister Siegfried Walter hat sich endgültig in den Ruhestand verabschiedet. Hinzu kam, dass das Bad hätte dringend saniert werden müssen. Doch daraus wurde bislang nichts. Nun weckt eine Machbarkeitsstudie neue Hoffnungen.
Grünes Licht für Sanierung
In Windischeschenbach denken die Verantwortlichen ebenfalls an eine Sanierung. Hinter dieser Entscheidung steht der gesamte Stadtrat. Budnik betont noch einmal ganz deutlich: "Wir denken nicht daran, das Bad zu schließen. Wir wollen einen Schritt in die Zukunft gehen", sagt er. Um das Problem zu lösen, hat die Stadt schon mehrfach inseriert und über die Facebook-Seite des Freibads aufgerufen, doch die Resonanz war gleich null.
Nun hat Budnik die Suche auf das Nachbarland Tschechien ausgeweitet und Kontakt zu Landrat Andreas Meier und dem Tirschenreuther Kollegen Roland Grillmeier aufgenommen, in der Hoffnung, durch interkommunale Zusammenarbeit eine Lösung zu finden. Auch an sogenannte "Leihbademeister" für eine gewisse Zeitspanne sei gedacht worden. "Uns würde auch ein Umschüler helfen", gibt Budnik die Hoffnung nicht auf.
Hinter dem Bad stehen nicht nur die Stadt und die Badegäste, sondern ein aktiver Förderverein, der seit 2003 jedes Jahr einen nicht unerheblichen Beitrag beisteuert, um die Freizeitanlage zu unterstützen. "Vor kurzem haben wir 40.000 Euro an die Stadt überwiesen", informiert Vorsitzende Aurelia Zimmermann. Grob überschlagen dürfte der Freibadförderverein in all den Jahren 250.000 Euro für das Bad zusammengetragen haben. Als sich der Förderverein vor über 20 Jahren gründete, stand das Band aus finanziellen Gründen auf der Kippe. "Heute ist die Situation eine andere, doch genauso wie damals machen wir uns Sorgen", sagt Zimmermann.
Bademeister – Berufsbild im Wandel
- In Deutschland gibt es insgesamt knapp 5545 Bäder
- Davon sind 2405 Freibäder und 2739 Hallenbäder
- Es fehlen an die 2500 Fachangestellte für Bäderbetriebe in ganz Deutschland
- Die Deutsche Gesellschaft für das Badwesen hat eine Studie in Auftrag gegeben, die diese Situation untersucht hat
- Kurz gesagt: Um die Bäder zu retten, müssen sich Strukturen und Konzepte ändern - all dies auch im Hinblick auf Entlohnung und Arbeitszeiten
Quelle: Deutsche Gesellschaft für das Badwesen













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