25.11.2021 - 11:52 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Schwalbenfreundinnen in Windischeschenbach ausgezeichnet

Schwalben sind wunderschön anzusehen, Flugkünstler, aber auch „Dreckspatzen“. Nämlich dann, wenn sie einem ein Nest ans Haus bauen. Und in dem Fall hört für die meisten der Spaß auf. Nicht so für zwei Nachbarinnen.

Martina Käck (links) und Anni Loistl (Mitte) sind vom LBV für ihre schwalbenfreundlichen Häuser ausgezeichnet worden. Die Sprecherin der Ortsgruppe Weiden-Neustadt, Verena Bauer, überreicht den beiden Frauen die Plaketten.
von Gabi EichlProfil

Anni Loistl und Martina Käck dürfen ihre Häuser an der Neustädter Straße mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) schmücken. Verena Bauer, Sprecherin der LBV-Ortsgruppe Weiden/Neustadt, hat den beiden Schwalbenfreundinnen vor kurzem die Auszeichnung überreicht. Loistl duldet fünf Schwalbennester unter dem Dach auf der Rückseite des Hauses, bei Käck haben die Schwalben erst einmal gebaut. Allerdings möchten Käck und ihr Mann weitere Schwalben – alles Mehlschwalben – anlocken und überlegen, wie sie ihnen das Nestbauen erleichtern können. Von Bauer bekam Käck etwas Lehm für eine Lehmpfütze, damit die Schwalben schon einmal das Baumaterial vor Ort haben.

Streit um Nistplätze

Mit dem Abbruch des „Oberpfälzer Hofs“ sind den Worten Käcks zufolge die dort heimischen Mauersegler heimatlos geworden; dadurch sei es heuer regelrecht zu einem Streit um Nistplätze zwischen Schwalben und Mauerseglern gekommen. Käck erzählt von der jungen Mehlschwalbe, die bei ihr in die Regenrinne gerutscht war. Sie habe das Schwalbenjunge herausgeschüttelt, abends in Watte gepackt und morgens mit der Pipette mit Wasser getränkt. Danach sei es weggeflogen.

Lebensraum verschwindet

Einig sind sich die beiden Schwalbenfreundinnen mit Bauer, dass das Bemühen um „Sauberkeit“ nicht nur unmittelbar um die Häuser herum, sondern auch in den Städten wie den angrenzenden Fluren allgemein Grund dafür ist, dass zunehmend Lebensraum verschwindet. Käck hat sich eigenen Worten zufolge erfolgreich dafür eingesetzt, dass der Bach in der Nähe ihres Hauses nur noch einmal im Jahr ausgeräumt wird. Ihr sei es wichtiger, dass dort Larven als Vogel- und Fledermausfutter überleben, sagt sie, als dass es „sauber“ aussieht. Mehlschwalben, die wegen ihres mehlig-weißen Bauches so heißen, verfüttern immerhin um die 250.000 Insekten an ihre Brut. Und sie nutzen in der Regel auch Jahr für Jahr dieselben Nester, wenn das möglich ist.

Die LBV-Naturschutzgruppe hofft laut Bauer, dass das Beispiel von Loistl und Käck Schule macht, dass immer mehr Menschen Schwalben an ihren Häusern duldeten. Lebensräume an Häusern und Gärten seien nicht zu unterschätzen. Moderne Häuser böten oft zu wenig Raum, weil es kaum mehr Ritzen und Spalten gebe. Die Ortsgruppe überlege, ob man an diesem Haus generell etwas für Gebäudebrüter tun kann, so Bauer. Zusätzlich zur LBV-Plakette bekamen die beiden Frauen von der LBV-Gruppe Weiden-Neustadt eine Flasche Bio-Wein mit dem Foto einer Feldlerche des Naturfotografen Fredy Voss, dazu ein Fettfutter-Häuschen, gefertigt von Mitglied Ingolf Miny.

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Hintergrund:

Die Mehlschwalbe

  • heißt so wegen ihres mehlig-weißen Bauches
  • verfüttert um die 250.000 Insekten an ihre Brut
  • nutzt in der Regel Jahr für Jahr dieselben Nester

 

 

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