31.10.2018 - 18:11 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Die Verwandlung: Reinhard Stummreiter präsentiert Buch im Schafferhof

300 Kilogramm Körpergewicht, Pleite und orientierungslos. Vor einigen Jahren stand Reinhard Stummreiter vor einem tiefen Abgrund. Doch dann änderte er sein Leben. Nun präsentiert er sein Buch "Meine fetten Jahre sind vorbei".

Ohne künstlichem Bühnenbauch ähnelt Stummreiter dem "Dicken Trommler" kaum mehr. Die "Altneihauser Feierwehrkapell'n" hat ihn auf seinem Weg unterstützt. Sie ist für ihn "wie eine Familie".
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Für einige Augenblicke herrscht Hektik im Schafferhof. Der Andrang ist riesig, es braucht mehr Stühle. Doch dann kann es losgehen. Gemeinsam mit seinen Band-Kollegen der "Altneihauser Feierwehrkapell'n" schreitet Reinhard Stummreiter an den rund 150 Gästen vorbei und betritt die Bühne. Er lächelt. Winkt. Wischt sich Schweißperlen von der Stirn. Dann beginnt er sich unter tosendem Applaus zu entkleiden: Bühnenjacke und Bühnenbauch segeln in eine Ecke. Stummreiter ist bekannt als "dicker Trommler", doch "die Zeiten sind vorbei".

Mit einem Skript in der Hand beginnt er sein druckfrisches Buch "Meine fetten Jahre sind vorbei" vorzustellen, das der Kösel-Verlag München veröffentlicht. Darin gibt Stummreiter einen tiefen Einblick in sein Privatleben. Er wiege heute rund 150 Kilogramm, vor ein paar Jahren habe er beinahe doppelt so viel auf die Waage gebracht, erklärt er. "Ich war kein Genussesser, sondern ein Massenesser. Satt war ich nie." Treppen waren wie "hochalpines Gelände. Aber das war einfach so." Gedanken über sein Gewicht habe er sich damals "eigentlich nicht" gemacht. Auf ihn, den Trommler, habe nie jemand mit dem Finger gezeigt, "sondern es gab Applaus".

Stummreiter beschreibt, wie er zur "Altneihauser Feierwehrkapell'n" gekommen ist. Den Dirigenten Norbert Neugirg habe er an der Theke der "Spielkiste" kennengelernt, deren Inhaber er damals war. Nach einigen angeregten Gesprächen sei "alles ganz schnell" gegangen. Im Probenraum im Schafferhof fand die erste Probe an der großen Trommel statt. Bald darauf ging es nach Veitshöchheim zur "Fastnacht in Franken".

In dieser Zeit sei er immer dicker geworden, habe sich kaum noch bewegen können: "Du musst der Wahrheit ins Gesicht schauen." Solange er nicht abnehme, dürfe er erst einmal nicht mehr mitspielen, bestimmte Neugirg. Für Stummreiter war das "ein Schock". Schließlich war die Kapelle für ihn "wie eine Familie". Neugirg und die Kapelle ließen ihn nicht im Stich, sondern unterstützten ihn bei seiner Diät. "Wenn du auf einem belastbaren Level bist, spielst du wieder mit", hatte Neugirg versprochen. So sei Stummreiter zum "Optifast-Programm" an der Uniklinik in Regensburg gekommen und habe bis 2010 80 Kilo abgenommen.

Dann kam die Pleite der "Spielkiste", ein tiefer Einschnitt in Stummreiters Leben. Schulden - tiefe Lebenskrise - Burnout. Er musste das Haus seines verstorbenen Vaters verkaufen. Als er wieder einen Job bei einem Speditionsunternehmen gefunden und seine Schulden nach und nach abgezahlt hatte, "war wieder Geld da, auch für Essen". Ein Teufelskreislauf. "Ich war ein Kilometer- und Kalorienfresser." Rund 13 000 Kalorien täglich habe er damals zu sich genommen. Am Ende wog er knapp 300 Kilogramm.

"2012 war das wichtigste Jahr in meinem Leben." Aus Verzweiflung ließ er sich den Magen verkleinern. Ab diesem Zeitpunkt ging es bergauf, "die Kilos purzelten". Bereits nach einem Jahr habe er "die magische 200-Kilo-Marke geknackt, nach einem weiteren Jahr die 150-Kilo-Marke. Irgendwann habe ihn die Kapelle sogar mit einem künstlichen Bühnenbauch ausstatten müssen, damit er seine Rolle als "dicker Trommler" weiterhin ausfüllen konnte.

Im Publikum sitzt auch die Co-Autorin Shirley Michaela Seul. Es sei eine "sehr berührende Geschichte und wichtig zu sehen, dass man wieder herauskommen kann aus einer solchen Lebenskrise", staunt sie.

Im Schafferhof stellte Reinhard Stummreiter sein Buch "Die fetten Jahre sind vorbei", veröffentlicht im Kösel-Verlag München, vor. Mit seiner Geschichte wolle er Menschen Mut machen.

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