13.03.2020 - 12:33 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Windischeschenbach: Hitzige Diskussion mit Klimaexperten

Professor Wolfgang Buermann von der Uni Augsburg ist Klimaexperte. Seine wissenschaftlich fundierten Aussagen im Windischeschenbacher Dieter-Betz-Saal gefielen nicht allen Zuhörern. Einer wollte einen Streit mit dem Forscher anfangen.

Referent Professor Wolfgang Buermann spricht im vollbesetzten Dieter-Betz-Saal.
von Redaktion ONETZProfil

Ist die weltweite Verbreitung des Coronavirus die größere Bedrohung oder eine zeitlich und räumlich noch entfernt scheinende Klimakatastrophe? Auch diese Frage stellte sich beim durch viele Schaubilder, Tabellen mit Messergebnissen und Videofilmen veranschaulichten Vortrag „Der Klimawandel – der wissenschaftliche Blickwinkel“, zu dem das GEO-Zentrum an der KTB zusammen mit dem Geopark Bayern-Böhmen und der Volkshochschule Weiden/Neustadt eingeladen hatte. Frank Holzförster, wissenschaftlicher Leiter der Umweltstation, begrüßte zur Auftaktveranstaltung der vierteiligen Vortragsreihe „Klima – Aspekte, Archive, Daten“ den Referenten Professor Wolfgang Buermann von der Universität Augsburg. Die derzeitigen durch den Virus hervorgerufenen akuten Ängste erwiesen sich bei dieser Veranstaltung als wenig relevant, denn der Dieter-Betz-Saal war nahezu voll gefüllt.

Störenfried wird das Wort entzogen

Die Zuhörer beteiligten sich rege mit Fragen bis hin zum Versuch eines Streitgesprächs, das einer der Besucher, der die wissenschaftlichen Ausführungen in Zweifel zog, mit unaufgeforderten kritischen Beiträgen forcierte. Der Referent erlaubte sich schließlich, dem „Klimaskeptiker“ – der sich diesen Ausdruck verbat – das Wort zu entziehen.

Das Klima ist durch Begriffe wie Klimawandel, Klimakatastrophe und Klimaleugner in aller Munde. In den Jahren 2014 bis 2016 gab es Temperaturrekorde. Professor Buermann erforscht den gegenwärtigen Klimawandel und die damit verbundenen Auswirkungen auf Ökosysteme mit Messdaten und Erdsystemmodellen.

Erde mit Fieber

Natürliche Treibhausgase absorbieren einen Teil der abgegebenen Infrarotstrahlung und heben die Durchschnittstemperatur so an, dass die Erde bewohnbar ist. Die Zunahme bestimmter Gase stört das natürliche Gleichgewicht der Atmosphäre. Momentan passiert etwas Ungewöhnliches. Die Erde bekommt Fieber. Seit Beginn der Industrialisierung vor über 200 Jahren stieg die Temperatur im globalen Mittel um ein Grad, in den letzten 50 bis 100 Jahren alle zehn Jahre um 0,07 Grad mit steigender Tendenz, in Deutschland um 0,11 Grad und regional mit noch stärkerem Trend. Die Messdaten zeigen, dass zusätzliche Treibhausgase wie CO2 – zu 90 Prozent durch fossile Brennstoffe verursacht – das Klima erwärmen. Zwar würden Schwebeteilchen (Aerosole) einen Kühleffekt haben, doch in Europa wurden diese in den letzten 30 Jahren für eine bessere Luftqualität zurückgenommen. Wie die Erde auf zusätzlich aufgenommene Wärmemengen genau reagiert, hängt von komplexen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozeanen, Eis und Biosphäre ab.

Handeln dringend nötig

Der gesamte Temperaturanstieg seit den 1950er Jahren ist von den Menschen verursacht und wird zunehmend stärker. Nach dem Pariser Abkommen dürfte er 1,5 Grad nicht übersteigen. Nach Stand der aktuellen Forschung müsste schon ab 2020 CO2 stark reduziert werden und ab 2050 keine Emission mehr erfolgen. 50 Prozent dieser Emissionen verbleiben Hunderte von Jahren in der Atmosphäre und belasten folgende Generationen. In den kommenden drei Jahrzehnten werden Extremjahre mit andauernden Trocken- und Hitzeperioden sowie häufigen und intensiven Sturm- und Starkniederschlagsereignissen zum Normalfall.

Für Buermann wäre ein erster Schritt zur CO2-Reduzierung ein weltweiter Kohleausstieg, was einen Zuhörer zur Aussage veranlasste: „Sagen Sie das mal in Polen!“ Weitere Maßnahmen wären wegen der Bindung von CO2 in Pflanzen große Aufforstungen, zunehmende Holzbauten und – wie ein Landwirt ergänzte - eine Versetzung von Agrarflächen mit Humus.

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