Den demolierten Fahrradhelm will Karlheinz Budnik behalten. „Als Souvenir sozusagen“, meint er schmunzelnd. Mittlerweile kann der Bürgermeister von Windischeschenbach wieder lachen und auf seinen schweren Fahrradunfall vor gut vier Wochen mit einer gewissen Distanz zurückblicken. Mitte Mai war der 57-Jährige auf seiner abendlichen Fahrradrunde mit dem Mountainbike gestürzt. Er brach sich vier Rippen, das Schienbein und das Schulterblatt. Trotz Helm erlitt er eine schwere Gehirnerschütterung.
Den genauen Unfallhergang kann Budnik, seit einigen Jahren begeisterter Radfahrer, nicht mehr hundertprozentig nachvollziehen. „Ich war auf dem Fichtelnaab-Radweg unterwegs, aus Richtung Geo-Zentrum kommend“, erzählt er. Bei Trautenberg fuhr er über die Brücke, die im Jahr 2020 erneuert wurde und die seitdem auch Radfahrer nutzen können, ohne abzusteigen. Früher musste man hier das Rad eine Treppe hinauftragen.
Anwohner hilft
An der Furt neben der Brücke spielten zu diesem Zeitpunkt Kinder im flachen Wasser. „Das ist das Letzte, an das ich mich erinnern kann“, sagt er. Was dann geschah, ist weg. Erst auf der Asphaltstraße liegend, kam Budnik wieder zu sich. „Mein Blick fiel auf mein Rad, das angelehnt am Geländer stand. Jemand hat ‚Hallo, Hallo‘ gerufen und mir an die Wange getätschelt.“ Ein Anwohner, wie sich später herausstellte. Dieser verständigte Notarzt und Rettungsdienst. Auch die Polizei war vor Ort. „Die Beamten waren noch vor dem Sanka da und haben Erste Hilfe geleistet“, blickt Budnik zurück.
„Vermutlich bin ich mit dem Lenker am Brückengeländer hängengeblieben“, vermutet der Windischeschenbacher Rathauschef. Am Zustand des Fahrradhelms lässt sich nachvollziehen, mit welcher Wucht der Aufprall auf die Straße wohl erfolgt sein muss. „Der Helm hat ziemliche Blessuren, ist zerbeult und an einer Seite abgebrochen“, sagt Budnik. „Ich mag gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn ich den Helm nicht aufgehabt hätte“, sagt er.
Das Rad an sich hat nur wenig abbekommen, lediglich die Beleuchtung war kaputt. Auch das Handy, das in einer Halterung am Lenker steckte, blieb unversehrt. Als Glück im Unglück bezeichnet Budnik die Tatsache, dass sich der Unfall in einer Ortschaft ereignet hat und nicht irgendwo im Gelände. „Wer weiß, was passiert, wenn man irgendwo liegt und keine Hilfe bekommt.“
OP an der Schulter
Das BRK brachte den verunfallten Bürgermeister sofort ins Klinikum nach Weiden. „Ich kam auf die Station 54, die Unfallchirurgie“, erzählt Budnik. Während die Rippenbrüche und das Schienbein so heilen, musste die Schulter operiert werden. „Das Schlüsselbein wurde mit einer Platte stabilisiert“, berichtet er. Durch die Rippenbrüche wurde außerdem die Lunge in Mitleidenschaft gezogen. „Ich muss deshalb Atemübungen machen, um die Funktion wieder voll herzustellen“, sagt Budnik. An eine Rückkehr ins Rathaus ist momentan nicht zu denken. Arm und Schulter sind noch mit einer Schlinge fixiert. Neben zweimal die Woche Physiotherapie hilft ein Apparat, den Arm beweglich zu halten. Ende Juni geht es dann für drei Wochen zur Reha.
Bei seinem Aufenthalt im Krankenhaus drehte sich allerdings nicht alles um die Medizin. Ganz unverhofft wurde Budnik zum Darsteller in einem Imagefilm für die Kliniken Nordoberpfalz AG. „Ich wurde gefragt, ob es mir etwas ausmacht, wenn das Filmteam ins Zimmer kommt“, blickt er zurück. Für das langjährige Mitglied der Laienspielschar Windischeschenbach war das kein Problem. „Engagierte Schauspielkünste waren nicht gefragt“, erzählt er schmunzelnd. „Ich musste nichts sagen und habe ja nur im Bett gelegen.“ Die Pflegerin habe während der Aufnahmen den Blutdruck gemessen.
Trotz seiner schmerzhaften Erfahrungen will er es sich nicht nehmen lassen, nach seiner Genesung wieder aufs Rad zu steigen. „Wir leben in einer so schönen Gegend“, schwärmt er. „Vor allem am Fichtelnaab-Radweg hat man einen wunderbaren Blick auf unser Hügelland, nach Windischeschenbach, nach Erbendorf und Krummennaab.“ Dennoch möchte Karlheinz Budnik künftig vorsichtig sein. „Wenn ich so darüber nachdenke, kommt schon der eine oder andere Gedanke“, meint er. Doch gerade während seines Klinikaufenthalts habe er andere Schicksale gesehen. „Deshalb bin ich heilfroh, dass es so ausgegangen ist.“





















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