05.10.2020 - 19:15 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Zoiglstuben und Corona: Ein Winter ohne "zamrutschen"

Zoigl lebt von der Geselligkeit. Gerne rutschten die Gäste enger zusammen, um für alle Platz zu haben. Doch nun heißt es Abstand halten. Wie gehen die Zoiglwirte in Windischeschenbach und Neuhaus mit der Situation um?

Vor Corona rutschten die Gäste in den Zoiglstuben einfach ein bisschen näher zusammen. Das es eng war, störte niemanden. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Auch am Zoigl gelten Hygienevorschriften.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Den ganzen Sommer über beeinträchtigte die Corona-Pandemie den Zoiglausschank kaum. Die Leute saßen im Freien an Tischen, die mit genügend Abstand im Hof oder im Garten aufgestellt waren. Bis zu 10 Personen durften gemeinsam an einem Biertisch Platz nehmen. Für die Zoiglwirte war es relativ einfach, die Regeln einzuhalten. Doch mit der kalten Jahreszeit tauchen die Probleme auf, denn in den Zoiglstuben dürfen weit weniger Gäste Platz nehmen, als das vor Corona möglich war. Einfach zusammenrutschen, geht nicht mehr. Viele bedauern dies, denn gerade das machte die Gemütlichkeit am Zoigl aus.

Jürgen Köllner, Wirt der Zoiglstube "Fiedlschneider" ist ratlos: "Ich weiß es nicht, wie es weitergeht", gibt er zu. Im Sommer konnten seine Gäste im Biergarten sitzen. "Doch wenn das Wetter schlechter wird, werden wir uns einschränken müssen." Köllner kann sich noch nicht recht vorstellen, wie er die Auflagen für den Innenbereich handhaben könnte. "Weniger Tische, Einlasskontrolle, viel Lüften", spekuliert er. "Doch wenn's draußen 10 Grad minus hat, wird's den Leuten zu kalt, wenn man städnig die Fenster aufmacht." Ende Oktober hat der "Fiedlschneider" für 2020 seinen letzten Zoigltermin. "Vielleicht klappt es da noch im Freien", hofft der Wirt. "Und dann wird man sehen."

Hermine Popp, Chefin der Zoiglstube "Gloser", ist ähnlich skeptisch. "Wir haben schon Bedenken, vor allem wenn die Fallzahlen wieder steigen", sagt sie. "Ich habe keine gutes Gefühl dabei." Auch sie hofft zum nächsten Zoigltermin Mitte Oktober noch auf gutes Wetter, um den Biergarten öffnen zu können. "Die Zoiglkultur lebt von der Gemütlichkeit und vom Zusammensitzen." Wie sich der Ausschank in den Stuben gestalten könnte, mag sie sich noch gar nicht vorstellen. "Ich weiß es nicht, das ist alles sehr widersprüchlich", bedauert die Zoiglwirtin.

Die "Wolframstuben" hatten seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr geöffnet. "Durch unsere Biobäckerei können wir uns das nicht erlauben", stellt Wirtin Lisa Forster klar. Außerdem würden die Corona-Auflagen und die Gemütlichkeit am Zoigl ihrer Meinung nach nicht zusammenpassen. "Das klafft wie eine Schere auseinander", sagt sie. Sie und ihr Mann Georg haben sich deshalb entschlossen, bis auf Weiteres keine Zoiglwochenenden anzubieten. "Das muss nicht sein." Viele Leute hätten auch Angst und seien verunsichert. "Das kommt noch was auf uns zu", befürchtet die Wirtin der "Wolframstuben".

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Auch Renate und Matthias Schönberger, Wirtsleute der Zoiglstube "Käck'n", schätzen die Situation als schwierig ein. "Wir machen wahrscheinlich heuer nicht mehr auf", sagt Renate Schönberger. In den vergangenen Monaten konnten die Gäste im Hof im Freien sitzen. "Doch irgendwann wird es kalt und Drinnen ist nicht genügend Platz. Dann stehen die Leute Schlange und wir müssen sie abweisen." Es sei sowieso schon schwierig, all die Vorschriften zu erfüllen. Ein Großteil der Gäste sei einsichtig gewesen und habe den Adresszettel gewissenhaft ausgefüllt. "Es gab aber auch jemanden, der Max Mustermann draufgeschrieben", ärgert sich Renate Schönberger.

Schafferhof-Wirt Reinhard Fütterer sieht die Situation etwas gelassener. "Natürlich haben wir 50 Prozent weniger Platz, aber wir haben die Möglichkeit die Leute zu verteilen." Viele seiner Gäste würden die neuen Regelungen sogar begrüßen, weil es nicht mehr so extrem laut und eng in den Stuben sei. Für ihn sei der Sommer sehr positiv gewesen. Viel mehr Urlauber als in den Vorjahren hätten in Neuhaus Station gemacht. "Die Leute kamen aus ganz Deutschland", erzählt er. Und auch ein anderer Trend sei am Schafferhof deutlich zu sehen gewesen. "90 Prozent der Radfahrer sind mit dem E-Bike gekommen", blickt er auf die vergangenen Monate zurück. Sein Tipp für die nächste Zeit: "Die Hygienevorschriften beachten und sich nicht narrisch machen lassen."

Info:

Oberpfälzer Zoiglkultur

Der Zoigl ist ein untergäriges Bier, das vor allem in der nördlichen Oberpfalz gebraut wird. Windischeschenbach gilt als Hauptstadt des Zoiglbiers, da es in der Stadt mit ihrem Ortsteil Neuhaus soviel Zoiglstuben gibt wie in keiner anderen Gemeinde. 14 Stuben öffnen im Wechsel jeweils von Freitag bis Montag. Die Wirte brauen ihren Zoigl in zwei Kommunbrauhäusern über einem Holzfeuer, oft nach überlieferten Rezepten. Seit 2018 gehört die Oberpfälzer Zoiglkultur zum bundesweiten „Immateriellen Kulturerbe“.

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