Im schwarzen Frack und mit Zylinder: Winklarn erfüllt sein Sebastiani-Gelübde

Winklarn
24.01.2023 - 10:09 Uhr

Das Zeremoniell hatte in den letzten beiden Corona-Jahren schwer gelitten. Doch nun kann das Sebastiani-Gelübde wieder in einem festlichen Rahmen begangen werden.

Das Sebastiani-Gelübde, das am Wochenende in Winklarn erneuert wurde, geht auf das Jahr 1653 zurück. In dieser Zeit herrschte auch in Winklarn, wie in vielen Orten, die Pest. Mangelnde Hygiene tat ihr "Bestes" zur Verbreitung des „Schwarzen Todes“, wie die Pest oft genannt wurde. Innerhalb von zwei Wochen starben 229 Menschen. Tief verwurzelt im Glauben sahen die Leute nur noch Hilfe im Gebet.

So schickten sie Bittrufe zum heiligen Sebastian, er möge sie doch von dieser Pein befreien. Zum Dank versprachen sie alle Jahre einen feierlichen Gottesdienst mit Prozession an seinem Namenstag zu feiern. Sebastian erhörte das Gebet und in Winklarn wird seitdem das Sebastianifest feierlich begangen.

Von Mariensäule in die Kirche

Die Feier des Gelöbnisses findet immer nach einem genauen Ritus statt. Unter den Klängen der Blaskapelle Kunschir trugen vier junge Burschen in Frack und Zylinder die geschmückte Statue des heiligen Sebastian in Begleitung der Geistlichkeit, der kirchlichen und weltlichen Gremien und der Vereine von der Mariensäule in die Kirche. Der Kirchenchor stimmte die Gläubigen auf den Festgottesdienst ein. Pfarrer Eugen Wismeth begrüßte Bürgermeisterin Sonja Meier mit dem Marktrat, die Vereine mit ihren Fahnenabordnungen, die Träger der Sebastians-Statue und natürlich den Hauptzelebranten und Festprediger, Spiritual Matthias Effhauser aus Regensburg.

Effhauser ging auf die Themen Tradition und Wurzeln ein. „Nur wer Tradition und Wurzeln kennt, hat auch Zukunft. In der Eucharistie verankert feiern wir heute das Gelübde von 1653“, so der Geistliche. Seine Festpredigt baute der Spiritual auf der Legende über den heiligen Sebastian auf. Der Soldat Sebastian bekennt sich zum Christentum, erleidet ein Martyrium unter Diokletian, wird mit Pfeilen beschossen. Der Totgeglaubte wird von Irene gesund gepflegt, bekennt sich wieder zu seinem Glauben und wird schließlich mit Keulen getötet. „Mit dieser Legende wird verdeutlicht, dass die Botschaft von Tod und Auferstehung stärker ist als alle Marter, die christliche Botschaft ist nicht totzukriegen, sie lebt und überlebt alles“, so der Prediger.

"Hinschauen auf Jesus"

Die Verfolgung sei aber keine Sache der Vergangenheit, das Christentum sei momentan die meist verfolgte Glaubensgemeinschaft. Zwischen Oktober 2021 und September 2022 wurden weit mehr als 5000 Menschen wegen ihres christlichen Glaubens getötet, 80 Prozent mehr als vor fünf Jahren. "Das Erbe der Märtyrer ist die Treue. Sie haben uns gelehrt, ja oder auch nein zu sagen". Der Geistliche riet, dieses Erbe hoch zu halten wie es schon seit 1635 in Winklarn mit dem heiligen Sebastian geschieht und an die Kinder und Enkel weiter zu geben.

"Das Bekenntnis zum Erbe geschieht nicht automatisch, nicht selbstverständlich, sondern diese Treue reift im Hinschauen auf Jesus", so Matthias Effhauser. Im Anschluss an den Gottesdienst, der vom Kirchenchor unter der Leitung von Hans Bock feierlich umrahmt wurde, bewegte sich eine lange eucharistische Prozession um den Marktplatz. Zurück in der Kirche schloss der Festgottesdienst mit dem Winklarner Sebastianslied .

Info:

Spiritual Matthias Effhauser

  • Seit 1.September 2015 Spiritual im Priesterseminar St.Wolfgang der Diözese Regensburg
  • Die Aufgaben des Spirituals sind vielfältig. Er ist Begleiter und Helfer der Studenten auf dem Weg ihrer Entscheidungsfindung, Referent und Planer auf dem Weg zum Priester
  • Matthias Effhauser ist auch Diözesanbeauftragter der Diözese Regensburg für den öffentlich rechtlichen Rundfunk und das Fernsehen sowie Mitarbeiter in vielen kirchlichen Einrichtungen.
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