24.11.2019 - 11:13 Uhr
Witzlricht bei FreudenbergOberpfalz

Windkraft-Experten in Witzlricht; Abgesang auf die 10-H-Regel

Der Landkreis Amberg-Sulzbach könnte durchaus die doppelte Anzahl an Windrädern verkraften, ohne dass es zu großen Beeinträchtigungen der Bürger käme. So hieß es bei einer Info-Veranstaltung in Witzlricht.

Über einen Ausbau der Windenergie im Landkreis Amberg-Sulzbach informierte Andreas Wilczek (rechts), der Geschäftsführer der „Bürgerwind Freudenberg Oberland“, bei einer Informationsveranstaltung, zu der das Zentrum für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) nach Witzlricht, den Standort der ersten Windräder im Landkreis eingeladen hatte.
von Autor GFRProfil

Windkraftanlagen neuerer Bauart könnten noch effizienter arbeiten und deutlich geräuschärmer betrieben werden, sagte Andreas Wilczek, der Geschäftsführer der Freudenberger Bürgerwind-Gesellschaft. Mögliche Standorte seien aber ein „heißes Eisen“ für die Kommunalpolitiker, gerade wenn der Wahlkampf anstehe. 28 Windkraftanlagen seien im Landkreis in Betrieb und die deckten gut 30 Prozent des Strombedarfs im Landkreis ab, im Landkreis Neumarkt werde mit 66 Windenergieanlagen der Strombedarf fast zu 50 Prozent durch Windenergie erzeugt. Derzeit sei Windkraft in Deutschland, insbesondere in Bayern dank der 10-H-Regel praktisch vor dem Aus und damit fielen bislang in der deutschen Windbranche mehr als 30.000 qualifizierte Arbeitsplätze einer zukunftsträchtigen Industrie weg.

"Unsere beiden Windräder laufen seit gut acht Jahren ohne nennenswerte Probleme." Darauf ist Wilczek stolz. "Wir produzieren seither jedes Jahr über neun Millionen Kilowattstunden Strom, was etwa dem Verbrauch der privaten Haushalte in der Gemeinde Freudenberg entspricht." Die beiden Windräder haben eine Nabenhöhe von fast 140 Metern, die Rotoren 82 Meter Durchmesser.

Erst bei einer Windstärke von 35 Metern pro Sekunde, also bei Orkanstärke, kämen die Rotoren langsam zum Stillstand, was aber in der gesamten Betriebszeit noch nie vorgekommen sei. Beim Bau der Anlagen sei auf die Einhaltung naturschutzrechtlicher Vorgaben geachtet worden und gerade während des Fledermausflugs schalte die Anlage ab. "Wir stehen mit einem Windrad auf 635 Metern über dem Meeresspiegel, mit der zweiten Anlage auf 642 Metern und jeder Meter mehr steigert den Ertrag." Der in diesen Windkraftanlagen erzeugte Strom werde bei Hainstetten in das Netz eingespeist und über die Stadtwerke Amberg und die Naturstrom AG vermarktet.

Wilczek wies auch darauf hin, daß der Standort Witzlricht "einer der besten in Bayern überhaupt" sei und die realen Stromerträge die Prognosen bislang gut erreicht hätten, so dass die Bürgerwind-Gesellschaft mittlerweile praktisch schuldenfrei sei. Er blickte zurück auf die Entstehung des Projekts: Während es in einigen Gemeinden massiven Widerstand gegen die Windkraft gegeben habe, habe man in Freudenberg Expertenmeinung eingeholt und die Bürger vor Ort in die Entscheidungsfindung einbezogen. Windmessungen seien vorgenommen worden. "Und bei der Berechnung der wirtschaftlichen Prognose sind wir konservativ vorgegangen", erklärte Wilczek. "Wir waren die ersten Windkraftanlagenbetreiber im Landkreis und unser Projekt zeigt, dass Windstrom gut im Einvernehmen mit den Menschen vor Ort funktioniert."

In Witzlricht stehen seit 2011 zwei Enercon-Windräder. Sie arbeiten laut Betreiber zuverlässig und rentabel.

Alle technischen Anlagen hätten Folgen, sagte Peter Zahn, der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN). Bei Windrädern sei das vor allem der Eingriff in das Landschaftsbild, aber mit Windkraft könne ein großer und wirksamer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Noch besser wäre aber, den Stromverbrauch überhaupt zu minimieren. Anzudenken wäre auch, in Neubaugebieten Solaranlagen im Bebauungsplan vorzuschreiben.

Sebastian Schärl meinte, Freudenberg sei bundeweit Vorbild für Nutzung der Windenergie. Joachim Schad, der Klimaschutzkoordinator des Landkreises, sagte, es könne dem Kreistag sicher nicht schaden, wenn er sich detaillierter über das „Modell Freudenberg“ informieren würde. Abschließend betonte der Bürgerwind-Geschäftsführer Andreas Wilczek, dass Deutschland mehr für fossile Energieimporte ausgebe, als der Bundeshaushalt umfasse. Er forderte eine bessere Förderung von Kommunen, die Flächen für Windenergie ausweisen. Dringend notwendig sei es, die 10-H-Regel in Bayern zu überdenken.

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